Mehr als jede dritte Stelle in Teilzeit: Münster wird zum Prüfstein der Arbeitszeit-Debatte

Teilzeitquote in Münster: Stadt wird Prüfstein der Debatte
Symbolbild: Drew Coffman

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Münster. In Münster arbeitet inzwischen mehr als jede dritte erwerbstätige Person in Teilzeit. Nach aktuellen Zahlen des Landesstatistikamts IT.NRW lag die Teilzeitquote im Juni 2025 bei 34,6 Prozent. Damit gehört Münster landesweit zu den Städten mit den höchsten Anteilen an Teilzeitbeschäftigten. Die Entwicklung erhält zusätzliche politische Brisanz, weil sie zeitlich mit einer bundesweiten Debatte über Arbeitszeitmodelle zusammenfällt – angestoßen unter anderem von der MIT Deutschland und aufgegriffen von der MIT Münster.

Münster liegt deutlich über dem NRW-Schnitt

Nach Angaben von IT.NRW waren im Sommer 2025 in Münster 67.694 Menschen sozialversicherungspflichtig in Teilzeit beschäftigt. Im Landesvergleich liegt die Stadt damit klar über dem NRW-Durchschnitt, der bei rund 30 Prozent lag. Münster zählt damit zu den Städten, in denen Teilzeitarbeit besonders verbreitet ist.

Auffällig sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. 48.400 Frauen arbeiteten zuletzt in Teilzeit – nahezu jede zweite weibliche Beschäftigte. Bei den Männern waren es 19.294 Personen, also etwa jeder fünfte. Gerade bei Männern zeigt sich eine starke Dynamik: Seit 2015 ist ihre Teilzeitbeschäftigung in Münster um mehr als 70 Prozent gestiegen. Bei Frauen lag der Zuwachs im selben Zeitraum bei rund 36 Prozent.

Wenn Statistik auf politische Forderungen trifft

Diese Zahlen fallen in eine Phase, in der Teilzeitarbeit bundesweit zunehmend kritisch diskutiert wird. Wirtschaftsnahe Stimmen warnen vor einem Verlust an Arbeitsstunden und sehen darin ein Problem für Wettbewerbsfähigkeit und Fachkräftesicherung. Die MIT fordert daher eine Neubewertung bestehender Regelungen und stärkere Anreize für längere Arbeitszeiten.

Die MIT Münster hat sich dabei zuletzt ausdrücklich von pauschalen Zuschreibungen wie „Lifestyle-Teilzeit“ distanziert. Zugleich macht sie deutlich, dass die aktuelle Entwicklung Fragen aufwerfe – etwa danach, wie Arbeitszeitmodelle gestaltet werden können, ohne Lebensrealitäten auszublenden. Genau hier wird Münster zum Prüfstein der Debatte: Die hohe Teilzeitquote ist keine Randerscheinung, sondern prägt den lokalen Arbeitsmarkt sichtbar.

Teilzeit als Ausdruck struktureller Realität

Die Statistik allein liefert keine Motive, wohl aber einen klaren Befund. Teilzeitarbeit ist in Münster breit verankert und betrifft längst nicht mehr nur einzelne Branchen oder Lebenslagen. Gründe wie Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder institutionelle Arbeitszeitmodelle spielen dabei ebenso eine Rolle wie individuelle Entscheidungen in bestimmten Lebensphasen.

Wichtig für die Einordnung: Die Zahlen von IT.NRW beziehen sich ausschließlich auf sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Beamte, Selbstständige und Minijobs sind nicht enthalten. Dennoch zeichnen die Daten ein klares Bild davon, wie stark Teilzeit den Arbeitsmarkt der Stadt prägt.

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Münster als Maßstab für die weitere Diskussion

Mit einer Teilzeitquote von 34,6 Prozent steht Münster exemplarisch für die Spannungen, die die aktuelle Arbeitszeit-Debatte begleiten. Die Stadt zeigt, wie weit verbreitet Teilzeitarbeit inzwischen ist – und wie schwierig es ist, sie pauschal zu bewerten. Ob politische Reformvorschläge am Ende zu mehr Arbeitsstunden führen oder vor allem neue Konflikte erzeugen, dürfte sich auch daran messen lassen, wie sie in Städten wie Münster wirken.

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