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Sperrungen, Spürhunde, Protest: Münster vor Merz-Besuch im Alarmmodus

Friedrich Merz kommt nach Münster. Im Zuge dieses hochrangigen Termins sind umfangreiche Verkehrssperrungen zum Merz-Besuch in Münster angekündigt.
Foto: Michael Lucan, CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons

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Am Montag, den 1. September, empfängt Münster hohen Besuch: Bundeskanzler Friedrich Merz reist zu seinem offiziellen Antrittsbesuch in Nordrhein-Westfalen an. Der ungewöhnliche Treffpunkt für das NRW-Kabinett: das Historische Rathaus von Münster – nicht wie sonst üblich die Staatskanzlei in Düsseldorf.

Ministerpräsident Hendrik Wüst und Oberbürgermeister Markus Lewe empfangen den Kanzler am Vormittag. Im Anschluss folgt eine Kabinettssitzung im Friedenssaal. Die Tagesordnung bleibt vertraulich, doch laut dpa könnten Themen wie künstliche Intelligenz, Rüstungsindustrie oder eine NRW-Bewerbung für Olympische Spiele diskutiert werden.

Innenstadt wird zur Hochsicherheitszone

Mit dem Kanzlerbesuch geht eine umfangreiche Sicherheitsoperation einher. Die Polizei kündigt schon für die frühen Morgenstunden Sperrungen in der Altstadt an – vor allem rund um den Prinzipalmarkt, der von 6:00 bis etwa 13:00 Uhr für den Fahrzeugverkehr gesperrt wird. Geschäfte bleiben geöffnet, sind aber nur zu Fuß erreichbar. Fußgängerinnen und Fußgänger müssen mit Zugangskontrollen rechnen.

Noch strenger wird es direkt am Rathaus: Der Syndikatplatz sowie der Platz des Westfälischen Friedens werden vollständig abgesperrt – auch für Passanten. Das angrenzende Stadthaus 1 und ein dort untergebrachtes Wahlbüro bleiben zwar geöffnet, sind aber nur über den Hintereingang erreichbar.

Zudem wird der Busverkehr umgeleitet. Linien, die sonst über den Prinzipalmarkt oder den Domplatz führen, weichen auf andere Haltestellen aus. Die Stadtwerke raten zu mehr Zeitpuffer, die Polizei empfiehlt den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad. Wer auf das Auto angewiesen ist, sollte großräumig umfahren.

Anwohner innerhalb des Sperrbereichs dürfen diesen grundsätzlich betreten, sollten jedoch ein Ausweisdokument mitführen. Für Rückfragen ist eine Bürger-Hotline geschaltet.

Spürhunde, Scharfschützen, Drohnenverbot

Bereits am Vorabend kontrollieren Spezialeinheiten mit Spürhunden die Umgebung des Rathauses. Auch auf Dächern werden Einsatzkräfte sichtbar sein. Scharfschützen-Posten, Polizeiabsperrungen und Überwachungsmaßnahmen sorgen für maximale Sicherheit.

Verantwortlich für den Personenschutz ist das Bundeskriminalamt (BKA), unterstützt von Landes- und Bundespolizei. Einsatzkräfte aus dem ganzen Bundesgebiet sichern die Innenstadt – auch an Bahnhöfen und im Luftraum. Ein generelles Drohnenverbot gilt voraussichtlich ebenfalls.

Geplante Proteste auf dem Michaelisplatz

Gleichzeitig formiert sich politischer Widerstand. Ein breites Bündnis linker, antifaschistischer und friedensbewegter Gruppen ruft zur Kundgebung auf. Unter dem Motto „Kriegstreiber Merz raus aus dem Friedenssaal“ versammeln sich ab 11 Uhr rund 500 Demonstrierende auf dem Michaelisplatz.

Zentrale Kritikpunkte sind die massive Aufrüstung der Bundeswehr sowie die sicherheits- und finanzpolitische Ausrichtung der Bundesregierung. Auch die Lage im Gazastreifen wollen einige Gruppen thematisieren – lautstark, mit Töpfen und Löffeln. Der Friedenssaal als Ort des Treffens wird dabei gezielt hinterfragt: Münster als Friedensstadt sei kein Ort für militarisierte Politik, heißt es im Aufruf.

Die Polizei rechnet mit einem friedlichen Verlauf, schließt aber kurzfristige Sperrungen rund um die Demonstrationsorte nicht aus.

Münster hat Erfahrung mit Großereignissen

Für Münster ist der Besuch zwar besonders, aber nicht neu. Bereits 2022 fand das G7-Außenministertreffen in der Stadt statt. Auch der Staatsbesuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron im Mai 2024 verlief dank minutiöser Vorbereitung reibungslos. Die Stadt kennt das Zusammenspiel aus Sicherheitsmaßnahmen, politischen Statements und bürgerlichem Pragmatismus.

Viele Münsteranerinnen und Münsteraner sehen den Montag gelassen: „Nach G7, Macron und Co. schockt uns so schnell nichts mehr“, meint ein Altstadtbewohner. Auch wenn Arbeitswege länger und Lieferungen später ausfallen – Münster bleibt souverän.

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