Alfing Kessler wächst in Aalen und plant Hunderte neue Jobs

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Maschinenfabrik Alfing Kessler will ihren Stammsitz in Aalen-Wasseralfingen deutlich erweitern. Südlich des bestehenden Werksgeländes ist eine neue Produktionshalle vorgesehen, mit der zusätzliche Fertigungskapazitäten geschaffen werden sollen. Im Zuge des Ausbaus könnten nach den bisherigen Planungen bis zu 300 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Gleichzeitig ändert sich die Flächennutzung: Eine ursprünglich vorgesehene Freiflächen-Photovoltaikanlage südlich des Werks wird nicht wie zunächst geplant umgesetzt.

Für Alfing Kessler in Aalen-Wasseralfingen kommt der Ausbau in einer Phase, in der das Unternehmen seine Abhängigkeit vom klassischen Geschäft mit Komponenten für Verbrennungsmotoren verringert. Neue Märkte in der Energieversorgung und weitere industrielle Anwendungen gewinnen an Bedeutung. Zu einem einzelnen als Großauftrag bezeichneten Auftrag waren zunächst weder Auftraggeber noch konkretes Auftragsvolumen öffentlich benannt. Bestätigt ist, dass zusätzliche Kundenaufträge am Standort Wasseralfingen gefertigt werden sollen.

Neue Produktionshalle soll zusätzliche Kapazität schaffen

Die geplante Halle soll rund 150 Meter lang und etwa 105 Meter breit werden. Damit entsteht eine erhebliche zusätzliche Produktionsfläche unmittelbar neben dem bisherigen Werk. Hintergrund sind nach den bisherigen Planungen vor allem zusätzliche Aufträge, für deren Bearbeitung weitere Kapazitäten benötigt werden. Ohne den Ausbau kämen nach Angaben aus dem Planungsverfahren auch Produktionsmöglichkeiten an anderen internationalen Standorten infrage. Alfing verfügt neben Deutschland über internationale Aktivitäten, die Produktion in Wasseralfingen soll mit der Investition jedoch weiter gestärkt werden.

Der Bauausschuss des Aalener Gemeinderats hatte sich am 24. September einstimmig für den Aufstellungsbeschluss zum benötigten Bebauungsplan ausgesprochen. Das Bauleitverfahren läuft inzwischen unter der Bezeichnung „Erweiterung Gewerbe- und Industriegebiet Alfing“. Die Stadt Aalen führt dafür den Bebauungsplan 77-05/3 sowie die 133. Änderung des Flächennutzungsplans. Die entsprechenden Unterlagen sind nach Angaben der Stadt vom 24. September bis zum 8. Oktober 2026 ausgelegt. Als Ziel für die Inbetriebnahme der neuen Halle wurde bislang das Jahr 2028 genannt.

Bis zu 300 zusätzliche Arbeitsplätze möglich

Mit dem Hallenneubau und weiteren Veränderungen auf dem Werksgelände könnten bis zu 300 neue Arbeitsplätze verbunden sein. Dabei handelt es sich bislang um eine Planung und nicht um bereits abgeschlossene Einstellungen. Eine detaillierte Aufschlüsselung der zusätzlichen Stellen nach Berufsgruppen und ein verbindlicher Zeitplan für sämtliche Neueinstellungen waren zunächst nicht veröffentlicht.

Schon heute gehört die Maschinenfabrik zu den größeren Industriearbeitgebern der Region. Das Unternehmen bezifferte seine Beschäftigtenzahl Anfang 2026 auf mehr als 1.300. Der Umsatz erreichte 2025 nach Unternehmensangaben 353 Millionen Euro. Alfing zählt sich zu den weltweit führenden Herstellern von Großkurbelwellen und Härtemaschinen. Am Stammsitz werden zudem große Präzisionsbauteile aus Stahl geschmiedet, bearbeitet und montiert. Die Produktionsfläche umfasst nach Unternehmensangaben mehr als 150.000 Quadratmeter.

Südliches Photovoltaik-Projekt wird nicht umgesetzt

Der Ausbau verändert zugleich frühere Pläne für erneuerbare Energie auf dem Gelände. Für einen Teil der nun benötigten Erweiterungsfläche war zuvor eine Freiflächen-Photovoltaikanlage vorgesehen. Diese südliche PV-Fläche wird nicht weiterverfolgt. Die Photovoltaikplanung soll sich stattdessen auf eine nördliche Teilfläche konzentrieren. Außerdem ist Solarstromerzeugung auf dem Dach der geplanten neuen Produktionshalle vorgesehen.

Damit wird nicht das gesamte Photovoltaikvorhaben von Alfing aufgegeben. Geändert wird vielmehr die räumliche Aufteilung. Die südliche Freifläche und die neue Produktionshalle hätten sich in den bisherigen Planungen überschnitten. Für das Bauleitverfahren spielen daneben unter anderem landwirtschaftlich genutzte Flächen, Verkehr, Artenschutz und die Funktion des Gebiets für die Kaltluftversorgung eine Rolle. Diese Belange müssen im weiteren Verfahren berücksichtigt und gegeneinander abgewogen werden.

Nachfrage aus Energieversorgung und KI-Infrastruktur steigt

Ein wesentlicher Teil der Neuausrichtung von Alfing betrifft Märkte außerhalb des klassischen Pkw- und Lkw-Geschäfts. Das Unternehmen selbst beschreibt den Rückgang dieses traditionellen Marktes als wichtigen Auslöser seines Transformationsprogramms. Neue Produkte und Märkte sollen die Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor reduzieren.

Wie deutlich sich die Nachfrage in einem neuen Geschäftsfeld entwickelt, zeigt eine im September bekanntgegebene Vereinbarung mit dem schwedischen Stahlunternehmen Björneborg Steel. Der Lieferant soll Alfing in den Jahren 2027 und 2028 mit Vormaterial für Kurbelwellen versorgen. Das vereinbarte Volumen liegt laut Björneborg doppelt so hoch wie für 2026 und viermal so hoch wie 2025. Die zusätzliche Nachfrage komme vollständig aus dem Bereich der Stromerzeugung für KI-Rechenzentren. Der schwedische Lieferant kündigte seinerseits an, aufgrund des höheren Volumens rund 15 zusätzliche Produktionskräfte einzustellen.

Damit profitiert Alfing von einem internationalen Investitionstrend: Der Ausbau von Rechenzentren erhöht den Bedarf an leistungsfähiger und verlässlich verfügbarer Stromversorgung. Großkurbelwellen werden unter anderem für große Motorensysteme benötigt, die in der Energieerzeugung eingesetzt werden können. Für einen einzelnen Großauftrag, der allein den gesamten Ausbau in Aalen ausgelöst hätte, lagen dagegen zunächst keine öffentlich konkretisierten Angaben zu Kunde und Auftragswert vor.

Ausbau hebt sich vom schwachen Maschinenbau-Umfeld ab

Die Wachstumspläne fallen in ein weiterhin schwieriges Umfeld für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau. Nach Angaben des Branchenverbands VDMA gingen die Auftragseingänge im August 2026 preisbereinigt um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurück. Die Inlandsbestellungen sanken um zwei Prozent, die Bestellungen aus dem Ausland um sechs Prozent. In den ersten acht Monaten des Jahres lagen die Auftragseingänge allerdings insgesamt vier Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Der Verband sieht weiterhin keine durchgehend kräftige Investitionsdynamik.

Vor diesem Hintergrund ist der geplante Kapazitätsausbau bei Alfing ein Beispiel dafür, wie sich einzelne deutsche Industrieunternehmen neue Absatzfelder erschließen. Am Standort Aalen ist die Erweiterung allerdings noch an das laufende Planungs- und Genehmigungsverfahren gebunden. Ein endgültiger Baubeginn und eine konkrete Investitionssumme für die neue Produktionshalle waren zunächst nicht öffentlich beziffert. Als zeitliches Ziel steht bislang die Inbetriebnahme im Jahr 2028.

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