
Das Analysehaus Melius Research blickt wieder deutlich optimistischer auf Microsoft. Analyst Ben Reitzes hat die Einstufung für die Microsoft-Aktie am Montag, 5. Oktober 2026, von Hold auf Buy angehoben. Die Hochstufung wurde am Montagmorgen in den USA veröffentlicht. Als neues Kursziel werden 665 US-Dollar genannt. Dieses Ziel ist eine Einschätzung des Analysehauses und keine Vorhersage über die tatsächliche weitere Kursentwicklung. StreetInsider bestätigte die Änderung von Hold auf Buy am Montag um 6:03 Uhr US-Ostküstenzeit.
Die Neubewertung fällt in eine Phase, in der sich die Wahrnehmung des Softwarekonzerns an der Börse deutlich verändert hat. Noch zu Jahresbeginn hatte Melius wesentlich skeptischer auf Microsoft geblickt. Zugleich haben die jüngsten Geschäftszahlen vor allem im Cloudgeschäft deutliches Wachstum gezeigt. Die hohen Investitionen in Rechenzentren und künstliche Intelligenz bleiben allerdings ein wichtiger Faktor für die Bewertung.
Der Schritt ist vor allem wegen der Vorgeschichte bemerkenswert. Am 9. Februar hatte Melius Research Microsoft von Buy auf Hold abgestuft und das damalige Kursziel auf 430 Dollar gesenkt. Als Gründe wurden unter anderem mögliche Belastungen durch die hohen Investitionen in KI-Infrastruktur, Risiken für den freien Cashflow und zunehmender Wettbewerb im Geschäft mit künstlicher Intelligenz genannt. Das Analysehaus verwies damals außerdem auf mögliche Herausforderungen für Microsoft 365 durch neue KI-Anwendungen.
Damit vollzieht Melius innerhalb weniger Monate einen deutlichen Kurswechsel. Das nun genannte Melius Kursziel für Microsoft von 665 Dollar liegt erheblich über dem Niveau, das das Analysehaus noch im Frühjahr angesetzt hatte. Die vollständigen Bewertungsannahmen hinter dem neuen Ziel waren zunächst nicht öffentlich erläutert.
Ein Kursziel beschreibt grundsätzlich die Einschätzung eines Analysten für einen bestimmten Zeitraum, häufig für die kommenden zwölf Monate. Ob eine Aktie dieses Niveau tatsächlich erreicht, hängt von zahlreichen Faktoren ab, darunter Geschäftsentwicklung, Konjunktur, Zinsen, Wettbewerb und die allgemeine Bewertung des Aktienmarktes.
An der Nasdaq hatte die Microsoft-Aktie den Handel am Freitag, 2. Oktober, bei 517,53 Dollar beendet. Der Schlusskurs wurde um 16:00 Uhr US-Ostküstenzeit festgestellt. Gegenüber dem Vortag entsprach das einem Plus von 0,92 Prozent. Im vorbörslichen US-Handel lag die Aktie am Montag um 5:53 Uhr US-Ostküstenzeit, entsprechend 11:53 Uhr MESZ, laut MarketBeat bei 515,44 Dollar und damit rund 0,4 Prozent unter dem Freitagsschluss.
Ausgehend vom Schlusskurs vom Freitag liegt das genannte Melius-Ziel von 665 Dollar rechnerisch rund 28,5 Prozent höher. Diese Differenz ist lediglich ein Vergleich zwischen Börsenkurs und Analystenziel. Sie ist keine Aussage darüber, dass die Aktie tatsächlich entsprechend steigen wird.
Das Kursziel von Melius liegt zugleich über dem aktuellen Durchschnitt mehrerer Analystenschätzungen. MarketBeat weist für Microsoft auf Basis von 48 erfassten Analysten ein durchschnittliches Zwölfmonatsziel von 571,18 Dollar aus. Die einzelnen Einschätzungen unterscheiden sich dabei erheblich.
Für die positivere Wahrnehmung von Microsoft liefert vor allem die operative Entwicklung im Cloudgeschäft wichtigen Hintergrund. Der Konzern meldete für das vierte Quartal seines Geschäftsjahres 2026, das Ende Juni abgeschlossen wurde, einen Umsatz von 90,0 Milliarden Dollar. Das waren 18 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das operative Ergebnis stieg ebenfalls um 18 Prozent auf 40,6 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn erreichte nach US-Rechnungslegungsstandard 35,8 Milliarden Dollar und lag damit 31 Prozent über dem Vorjahreswert.
Besonders stark entwickelte sich Azure. Der Umsatz mit Azure und anderen Cloud-Diensten erhöhte sich gegenüber dem Vorjahresquartal um 43 Prozent. Der gesamte Umsatz der Sparte Intelligent Cloud wuchs um 32 Prozent auf 39,3 Milliarden Dollar. Microsoft Cloud insgesamt kam auf 59,3 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 27 Prozent.
Microsoft erklärte bei der Vorlage der Zahlen zudem, dass die Nachfrage nach Azure weiterhin über den verfügbaren Kapazitäten gelegen habe. Zusätzliche Rechenkapazitäten seien im Quartal schnell ausgelastet worden. Der kommerzielle Auftragsbestand, der sogenannte Remaining Performance Obligation, stieg auf 678 Milliarden Dollar.
Das starke Wachstum hat jedoch seinen Preis. Microsoft investiert weiterhin umfangreich in Rechenzentren, Prozessoren und andere Infrastruktur für Cloudangebote und künstliche Intelligenz. Finanzchefin Amy Hood verwies bei den jüngsten Quartalszahlen darauf, dass der freie Cashflow durch höhere Investitionsausgaben belastet wurde. Er belief sich im Quartal auf 19,6 Milliarden Dollar.
Auch die Margen zeigen diesen Effekt. Die konzernweite Bruttomarge lag im jüngsten Quartal bei 67 Prozent und damit unter dem Vorjahresniveau. Microsoft führte dies unter anderem auf den stärkeren Umsatzanteil von Azure, weitere Investitionen in KI-Infrastruktur und die zunehmende Nutzung von KI-Produkten zurück. Effizienzsteigerungen konnten einen Teil dieser Belastungen ausgleichen.
Genau an diesem Punkt hatte Melius zu Beginn des Jahres noch erhebliche Risiken gesehen. Die nun erfolgte Hochstufung zeigt deshalb vor allem, wie stark sich die Einschätzung des Analysehauses seit Februar verändert hat. Für Microsoft selbst bleiben die kommenden Quartale entscheidend dafür, wie schnell hohe Investitionen in Rechenzentren, Azure und KI-Anwendungen zusätzliche Umsätze und Cashflows erzeugen.
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