China-Importe steigen stark: EU bereitet weitere Schutzmaßnahmen vor

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Europäische Union erhöht den handelspolitischen Druck auf China. Hintergrund sind deutlich steigende Einfuhren in mehreren wichtigen Industriebranchen und ein wachsendes Handelsdefizit. Nach Angaben der Europäischen Kommission zeigen derzeit bei fast einem Viertel der Warenimporte in die EU Entwicklungen, die von den Behörden als potenziell problematisch eingestuft werden. China ist dabei der wichtigste Treiber. Neue pauschale EU-Zölle gegen China sind bislang allerdings nicht beschlossen. Weitere gezielte Zölle können aus laufenden oder neuen Handelsschutzverfahren entstehen.

Maschinen, Textilien, Metalle und Chemie im Fokus

Denis Redonnet, der für die Durchsetzung der EU-Handelspolitik zuständige Spitzenbeamte der Kommission, stellte die Entwicklung am Donnerstag, 1. Oktober, im Handelsausschuss des Europäischen Parlaments vor. Besonders auffällige und anhaltende Importzuwächse gibt es demnach unter anderem bei Maschinen, Textilien, unedlen Metallen und Chemieprodukten.

Die Kommission nutzt dafür ein sogenanntes Importbarometer. Das Instrument untersucht längerfristige Importsteigerungen, insbesondere wenn gleichzeitig die Preise sinken. Damit sollen Bereiche erkannt werden, in denen große zusätzliche Warenmengen die europäische Industrie unter Druck setzen könnten. Die EU verweist dabei auch auf industrielle Überkapazitäten, die teilweise durch staatliche Maßnahmen gefördert würden. Ein auffälliger Wert im Importbarometer bedeutet jedoch noch nicht automatisch, dass Dumping oder eine rechtswidrige Subvention festgestellt wurde.

Handelsdefizit mit China erreichte 360 Milliarden Euro

Die wirtschaftliche Größenordnung ist erheblich. Die EU importierte 2025 Waren im Wert von insgesamt rund 2,53 Billionen Euro. Rund 571 Milliarden Euro davon kamen aus China. Gleichzeitig erreichte das Defizit der EU im Warenhandel mit China etwa 360 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2026 weitete sich das Ungleichgewicht nach Angaben aus Brüssel nochmals aus.

Die Kommission versucht deshalb parallel zu möglichen Schutzmaßnahmen, mit Peking über eine Begrenzung besonders problematischer Exportentwicklungen zu sprechen. Brüssel hatte bereits im September auf konkrete Fortschritte Anfang Oktober gedrängt. Ein belastbares Abkommen über eine solche chinesische Exportsteuerung lag bis Sonntagabend jedoch nicht vor.

Der Konflikt verschärft sich auch in der Gegenrichtung. China leitete am Samstag eine Antidumpinguntersuchung gegen bestimmte Chemieimporte aus der Europäischen Union ein. Betroffen ist p-Nitrotoluol, ein Vorprodukt unter anderem für Farbstoffe, Medikamente und andere chemische Erzeugnisse. In den kommenden Tagen sind weitere Gespräche zwischen hochrangigen Vertretern beider Seiten vorgesehen.

Zahl der EU-Handelsverfahren steigt deutlich

Dass aus dem erhöhten Importdruck tatsächlich neue Zölle entstehen können, zeigen die Zahlen der vergangenen Jahre. Die Kommission eröffnete 2024 insgesamt 33 neue Handelsschutzuntersuchungen. Das war der höchste Wert seit Jahren. 2025 folgten 32 weitere Verfahren. Bis Anfang Oktober 2026 waren nach Angaben Redonnets bereits 27 neue Untersuchungen eingeleitet worden. Ein erheblicher Anteil betrifft die Chemieindustrie.

Solche Verfahren können in Antidumpingzöllen oder Ausgleichszöllen enden, wenn die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Sie richten sich gegen konkrete Produkte und nicht pauschal gegen sämtliche Importe eines Landes.

Bei chinesischen Produkten sind entsprechende Maßnahmen bereits in Kraft. Für bestimmte Pkw- und Transporterreifen aus China verhängte die Kommission im Juli endgültige Antidumpingzölle zwischen 4,3 und 45,3 Prozent. Bei Adipinsäure liegen die Sätze zwischen 29,1 und 42,3 Prozent. Für chinesische Polyamidgarne wurden im Juli ebenfalls endgültige Antidumpingzölle eingeführt.

Auch die seit 2024 geltenden Ausgleichszölle auf batterieelektrische Autos aus China bestehen grundsätzlich weiter. Sie liegen je nach Hersteller bei bis zu 35,3 Prozent. Für einzelne Anbieter können allerdings Vereinbarungen über Mindestpreise und andere Verpflichtungen an die Stelle der Abgabe treten.

Drei Euro Zoll auf Kleinsendungen gelten bereits

Parallel zu den klassischen Handelsschutzverfahren hat die EU die Regeln für günstige Onlinebestellungen grundlegend verschärft. Seit dem 1. Juli 2026 gilt für Waren in Kleinsendungen mit einem Wert unter 150 Euro eine vorläufige Zollabgabe von drei Euro je Warenkategorie. Die frühere allgemeine Zollbefreiung für diese Sendungen wurde damit beendet.

Diese Regel richtet sich ausdrücklich nicht nur gegen China. Sie gilt unabhängig vom Herkunftsland. Die praktische Bedeutung für chinesische Onlinehändler ist dennoch groß. 2024 kamen nach Angaben des Rates rund 91 Prozent der in die EU eingeführten Kleinsendungen aus China. Die Zahl solcher Pakete hatte sich in den Jahren zuvor massiv erhöht.

Von spätestens 1. November 2026 an kommt zusätzlich eine EU-weite Bearbeitungsgebühr für kleine Pakete hinzu. Die Höhe muss von der Kommission noch festgelegt werden. Außerdem sollen Onlineplattformen stärker selbst für Zollformalitäten und Zahlungen verantwortlich werden. Bei schweren Verstößen sieht die reformierte Zollordnung Sanktionen vor.

Keine pauschale neue Zollrunde beschlossen

Damit fährt die EU gegenüber Billigimporten inzwischen zweigleisig. Massenhafte Kleinsendungen aus dem Onlinehandel werden über neue allgemeine Zollregeln erfasst. Bei Industrieprodukten setzt Brüssel dagegen auf einzelne Untersuchungen zu Dumping, Subventionen oder schädlichen Importsteigerungen.

Der starke Anstieg der Einfuhren aus China erhöht die Wahrscheinlichkeit weiterer Verfahren. Welche Waren tatsächlich mit zusätzlichen Abgaben belegt werden, hängt jedoch von den jeweiligen Untersuchungen ab. Eine allgemeine Erhöhung der EU-Zölle auf chinesische Waren oder ein einheitlicher neuer China-Zoll war mit Stand Sonntag, 4. Oktober 2026, nicht beschlossen.

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