
Die Nike-Aktie steht nach den schwachen Geschäftszahlen des Sportartikelkonzerns erneut im Fokus. Die Privatbank Berenberg hat das Papier am Dienstag, 6. Oktober 2026, von Neutral auf Sell abgestuft und das Kursziel deutlich von 49 auf 27,50 US-Dollar gesenkt. Damit liegt die neue Zielmarke rund 19 Prozent unter dem letzten regulären Schlusskurs in New York. Eine zunächst verbreitete Zuordnung der Abstufung zu Goldman Sachs ist nicht korrekt. Goldman Sachs bewertet Nike weiterhin mit Neutral und nennt ein Kursziel von 30 Dollar.
Berenberg-Analyst Nick Anderson hat die Bewertung für Nike am Dienstag auf Sell gesenkt. Zuvor hatte das Hamburger Bankhaus die Aktie mit Hold beziehungsweise Neutral eingestuft. Noch Anfang Juli hatte Berenberg sein Kursziel lediglich von 50 auf 49 Dollar reduziert. Damals verwies Anderson bereits darauf, dass sich die erwartete Erholung des Sportartikelherstellers weiter verzögere. Nun fällt das Urteil deutlich pessimistischer aus. Berenberg senkt Nike-Kursziel auf 27,50 Dollar und halbiert damit seine bisherige Zielmarke nahezu. StreetInsider bestätigte am frühen Dienstagmorgen ausdrücklich, dass die neue Verkaufsempfehlung von Berenberg stammt.
Die neue Bewertung folgt nur wenige Tage auf die jüngsten Quartalszahlen von Nike. Das Unternehmen hatte dabei einen weiteren Umsatzrückgang gemeldet und zugleich einen schwachen Ausblick für das laufende Geschäftsjahr vorgelegt. Die neue Zielmarke von Berenberg würde gegenüber dem NYSE-Schlusskurs vom Montag rechnerisch einen weiteren Rückgang von etwa 19 Prozent bedeuten. Ein Kursziel ist allerdings eine Analystenschätzung und keine Vorhersage darüber, welchen Preis eine Aktie tatsächlich erreichen wird.
Goldman Sachs hat Nike nicht auf Sell abgestuft. Analystin Brooke Roach hatte in einer am 1. Oktober veröffentlichten Studie die neutrale Einschätzung bestätigt und lediglich das Kursziel von 38 auf 30 US-Dollar gesenkt. Als Belastungen nannte sie den schwächer als erwarteten Ausblick für das Geschäftsjahr 2027 sowie den zunehmenden Druck auf Nike Sportswear, Jordan Brand und das China-Geschäft. Die Gewinnschätzungen für die kommenden Geschäftsjahre wurden daraufhin deutlich reduziert.
Damit liegen die beiden Häuser zwar bei ihren Kurszielen inzwischen vergleichsweise nah beieinander, unterscheiden sich aber weiterhin bei der Empfehlung. Berenberg bewertet die Aktie mit Sell und 27,50 Dollar. Goldman Sachs bleibt bei Neutral und 30 Dollar. Weitere Analysten hatten ihre Erwartungen nach den jüngsten Nike-Zahlen ebenfalls zurückgenommen. Die Spannweite der Einschätzungen bleibt jedoch groß, was die Unsicherheit über Dauer und Erfolg des laufenden Konzernumbaus widerspiegelt.
Zum Zeitpunkt des Nachrichtenstands am Dienstag, 6. Oktober 2026, um 08:15 Uhr deutscher Zeit lag noch keine reguläre US-Handelssitzung nach Veröffentlichung der neuen Berenberg-Einschätzung vor. Nike hatte den Handel an der New York Stock Exchange am Montag bei 33,96 US-Dollar beendet. Das entsprach einem Tagesplus von 0,27 Prozent. Im nachbörslichen Handel wurde die Aktie zuletzt bei rund 33,90 Dollar ausgewiesen. Diese Kurse entstanden vor der am Dienstagmorgen bekannt gewordenen Berenberg-Abstufung und können daher nicht als Reaktion auf die neue Empfehlung gewertet werden.
Bereits am Freitag hatte die Aktie nach den Quartalszahlen deutlich unter Druck gestanden. Am 2. Oktober schloss Nike bei 33,87 Dollar und damit 3,64 Prozent unter dem Vortag. Zeitweise war das Papier bis auf 31,97 Dollar gefallen.
Die operative Ausgangslage bleibt anspruchsvoll. Nike erzielte im ersten Geschäftsquartal 2027, das Ende August abgeschlossen wurde, einen Umsatz von 11,2 Milliarden Dollar. Das waren vier Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Währungsbereinigt lag das Minus bei fünf Prozent. Der Nettogewinn sank um zwei Prozent auf 712 Millionen Dollar. Positiv entwickelte sich die Bruttomarge, die um 60 Basispunkte auf 42,8 Prozent stieg. Der verwässerte Gewinn je Aktie lag bei 0,48 Dollar.
Besonders deutlich fiel die Schwäche in Greater China aus. Dort gingen die Erlöse währungsbereinigt um 26 Prozent zurück. Der Großhandelsumsatz sank um 31 Prozent, Nike Direct um 18 Prozent. Nordamerika entwickelte sich dagegen besser und erreichte währungsbereinigt ein Umsatzplus von zwei Prozent. Konzernweit sanken die Einnahmen von Nike Direct währungsbereinigt um neun Prozent, die digitalen Nike-Verkäufe gingen um 13 Prozent zurück. Converse verzeichnete einen Umsatzrückgang von 28 Prozent.
Nike reagiert mit dem neuen Umbauprogramm Pace. Der Konzern erwartet daraus bis zum Geschäftsjahr 2031 kumulierte Einsparungen von rund 2,5 Milliarden Dollar. Gleichzeitig rechnet Nike mit Vorsteuerbelastungen von etwa einer Milliarde Dollar. Das Programm umfasst unter anderem Änderungen an der Lieferkette, eine neue regionale Organisationsstruktur und weitere Maßnahmen zur Verschlankung des Unternehmens.
Für das gesamte Geschäftsjahr 2027 erwartet Nike dennoch einen Umsatzrückgang im hohen einstelligen Prozentbereich. Der bereinigte verwässerte Gewinn je Aktie soll zwischen 1,15 und 1,35 Dollar liegen. Vorstandschef Elliott Hill räumte bei der Vorlage der Quartalszahlen ein, dass vor allem bei Nike Sportswear, Jordan Brand und in Greater China noch erhebliche Arbeit bevorsteht.
Die deutlich gesenkte Berenberg-Prognose trifft damit auf einen Konzern, der zwar Kosten senkt und in Teilen seines Performance-Geschäfts Fortschritte meldet, dessen Umsatzentwicklung aber weiterhin von deutlichen Rückgängen in wichtigen Geschäftsbereichen geprägt ist. Die genannten Analystenratings und Kursziele sind Einschätzungen der jeweiligen Institute und stellen keine Anlageempfehlung dar.
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