Nokia meldet sich eindrucksvoll zurück: KI-Geschäft beflügelt die Aktie

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Der finnische Technologiekonzern Nokia gehört zu den großen Gewinnern an den europäischen Aktienmärkten. Innerhalb von zwölf Monaten hat die Nokia-Aktie nach einer Auswertung des Handelsblatts vom 9. Oktober 2026 um gut 120 Prozent zugelegt. Damit ist das Unternehmen der stärkste Wert im Euro Stoxx 50. Hinter der Entwicklung stehen ein grundlegender Konzernumbau, steigende Investitionen in künstliche Intelligenz und eine milliardenschwere Beteiligung des US-Chipkonzerns Nvidia. Allerdings zeigt die jüngste Kursentwicklung auch, wie stark die Erwartungen an das Unternehmen inzwischen schwanken.

Anzeige

Nokia-Aktie legt binnen eines Jahres um mehr als 120 Prozent zu

Die Kursentwicklung markiert eine bemerkenswerte Veränderung für den einstigen Mobiltelefonhersteller. Noch vor wenigen Jahren stand Nokia vor allem für ein schwieriges Geschäft mit Mobilfunknetzen und den Wettbewerb mit anderen großen Ausrüstern. Inzwischen bewerten Investoren zunehmend die Chancen des Unternehmens beim Ausbau weltweiter Dateninfrastrukturen.

An der Börse in Helsinki lag die Nokia-Aktie am Donnerstag, 8. Oktober 2026, laut Kursanzeige von comdirect um 18 Uhr bei 9,088 Euro. Trotz der starken Jahresbilanz hatte das Papier zuletzt nachgegeben. Auch in New York setzte sich die Schwäche fort: Die dort gehandelten Nokia-Hinterlegungsscheine schlossen am 8. Oktober laut MarketWatch bei 10,14 US-Dollar, ein Tagesverlust von 4,52 Prozent.

Die internationale Bedeutung des Kursanstiegs zeigt sich zudem an Nokias Rückkehr in den Euro Stoxx 50. Seit dem 21. September 2026 gehört das Unternehmen wieder zu dem europäischen Leitindex. Nokia ersetzte dabei gemeinsam mit dem französischen Energieversorger Engie zwei bisherige Mitglieder, darunter Volkswagen. Erst ein Jahr zuvor war der finnische Konzern aus dem Index ausgeschieden.

Anzeige

Nvidia-Beteiligung gibt dem Konzernumbau zusätzlichen Schub

Ein zentraler Meilenstein für Nokias Neuausrichtung war die Vereinbarung mit Nvidia vom 28. Oktober 2025. Der US-Konzern kündigte damals an, eine Milliarde US-Dollar in Nokia zu investieren. Im Gegenzug erhielt Nvidia neue Aktien. Die Transaktion wurde am 13. November 2025 abgeschlossen. Nvidia wurde damit Anteilseigner mit rund 2,9 Prozent der Nokia-Aktien.

Die finanzielle Beteiligung ist mit einer technologischen Zusammenarbeit verbunden. Nokia und Nvidia entwickeln Lösungen, bei denen künstliche Intelligenz unmittelbar in Mobilfunknetze integriert werden soll. Dabei geht es unter anderem darum, die Netzleistung effizienter zu steuern und künftige Mobilfunkstandards vorzubereiten.

Die Partnerschaft erstreckt sich auf die Weiterentwicklung von 5G und den Übergang zu 6G. Zusätzlich prüfen beide Unternehmen Möglichkeiten, optische Netzwerktechnik und Lösungen für Rechenzentren miteinander zu verbinden. Für Nokia eröffnet das einen Zugang zu einem Markt, in dem bislang vor allem Halbleiterhersteller und große Cloudanbieter im Mittelpunkt standen.

Rechenzentren werden zu einem wichtigen Wachstumstreiber

Besonders deutlich zeigt sich Nokias Veränderung im Geschäft mit Netzwerkinfrastruktur. Moderne KI-Rechenzentren benötigen leistungsfähige Datenverbindungen, damit große Mengen an Informationen zwischen Prozessoren, Servern und Standorten übertragen werden können. Nokia liefert dafür unter anderem Glasfasertechnik und Komponenten für Datennetze.

Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz der Sparte Network Infrastructure gegenüber dem Vorjahreszeitraum währungsbereinigt um zwölf Prozent. Das Geschäft mit optischen Netzwerken wuchs um 20 Prozent, während IP-Netzwerke ein Plus von 16 Prozent erreichten.

Noch dynamischer entwickelte sich das Geschäft mit Kunden aus den Bereichen künstliche Intelligenz und Cloud. Hier meldete Nokia einen Umsatzanstieg von 105 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Außerdem erreichte der Auftragseingang in diesem Bereich nach Unternehmensangaben 2,8 Milliarden Euro. Etwa die Hälfte dieser Bestellungen soll innerhalb von zwölf Monaten umsatzwirksam werden. Diese Erwartung ist allerdings noch keine garantierte Umsatzentwicklung.

Quartalszahlen zeigen Fortschritte und Belastungen

Auch auf Konzernebene verbesserte sich die Geschäftsentwicklung. Nokia erzielte im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von rund 4,8 Milliarden Euro. Das entsprach einem berichteten Wachstum von acht Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Ohne Währungseinflüsse lag die Steigerung bei neun Prozent.

Die bereinigte operative Gewinnmarge erreichte neun Prozent und lag damit 0,7 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Gleichzeitig machte sich der Konzernumbau in den unbereinigten Ergebnissen bemerkbar. Die berichtete operative Marge sank infolge beschleunigter Restrukturierungsmaßnahmen auf minus ein Prozent.

Die Zahlen verdeutlichen, dass Nokia zwar operative Fortschritte erzielt, der Umbau aber weiterhin Kosten verursacht. Das Unternehmen muss neue Geschäftsfelder ausbauen und gleichzeitig seine bestehenden Mobilfunkaktivitäten wirtschaftlich stabil halten.

Nokia verabschiedet sich endgültig von seiner Vergangenheit als Handyhersteller

Für viele Verbraucher ist Nokia weiterhin eng mit seinen früheren Mobiltelefonen verbunden. Tatsächlich hat sich das Geschäftsmodell längst grundlegend verändert. Nach dem Niedergang seines früheren Handygeschäfts konzentrierte sich das Unternehmen zunehmend auf Netzwerktechnologie und Telekommunikationsinfrastruktur.

Ein weiterer wichtiger Schritt folgte mit der Übernahme des US-Unternehmens Infinera, die Ende Februar 2025 abgeschlossen wurde. Der Spezialist für optische Netzwerke stärkte insbesondere Nokias Position im nordamerikanischen Markt und bei großen Rechenzentrumsbetreibern. Nokia bezifferte den gesamten Kaufpreis in seinem Bericht zum ersten Quartal 2025 auf rund 2,5 Milliarden Euro.

Seit Anfang 2026 ist das operative Geschäft im Wesentlichen in zwei große Bereiche gegliedert: Network Infrastructure und Mobile Infrastructure. Daneben trennt sich Nokia von Aktivitäten, die nicht mehr zum strategischen Schwerpunkt gehören. Anfang Oktober 2026 wurde beispielsweise die Übernahme des Geschäfts mit Endgeräten für drahtlosen Festnetzzugang durch das US-Unternehmen Inseego abgeschlossen.

Der KI-Markt bietet Chancen, aber die Erwartungen sind hoch

Nokia verfolgt ambitionierte Wachstumsziele. Bis 2028 soll der jährliche bereinigte operative Gewinn nach den im November 2025 vorgestellten Planungen auf 2,7 bis 3,2 Milliarden Euro steigen. Für das laufende Geschäftsjahr 2026 erwartet das Unternehmen einen bereinigten operativen Gewinn zwischen 2,1 und 2,6 Milliarden Euro. Die zuletzt angepasste Prognosespanne beruht auf einer veränderten bilanziellen Darstellung bestimmter Geschäftsbereiche und nicht auf einer operativen Prognoseanhebung.

Auch technologisch treibt Nokia den Umbau voran. Im September 2026 meldete der Konzern weitere Tests seiner gemeinsam mit Nvidia entwickelten KI-Mobilfunkplattform. Mehrere Netzbetreiber aus Europa, Asien und dem Nahen Osten beteiligen sich an entsprechenden Erprobungen.

Allerdings befinden sich Teile dieser Technik noch in der Einführungsphase. Nokia plant die breitere kommerzielle Verfügbarkeit neuer KI-basierter Funknetzlösungen für 2027. Die bislang erreichten Fortschritte bedeuten deshalb nicht automatisch, dass daraus kurzfristig zusätzliche Gewinne in großem Umfang entstehen.

Nächste Quartalszahlen werden zum wichtigen Gradmesser

Die kräftige Kursentwicklung verändert auch die Anforderungen an Nokia. Nach einem Anstieg von mehr als 120 Prozent innerhalb eines Jahres richten sich die Erwartungen stärker auf die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung. Entscheidend sind insbesondere das Wachstum bei KI- und Cloudkunden, die Profitabilität der Netzwerksparte sowie die Kosten des Konzernumbaus.

Die jüngsten Verluste am Aktienmarkt unterstreichen zugleich die Schwankungsanfälligkeit. Die in New York gehandelten Nokia-Papiere lagen am 8. Oktober 2026 laut MarketWatch rund 42 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch vom 3. Juni 2026. Eine starke Entwicklung innerhalb eines Jahres schließt damit erhebliche zwischenzeitliche Rückgänge nicht aus.

Neue Einblicke in die wirtschaftliche Entwicklung werden für den 22. Oktober 2026 erwartet. An diesem Tag will Nokia seine Ergebnisse für das dritte Quartal und die ersten neun Monate des Geschäftsjahres veröffentlichen. Sie werden zeigen, in welchem Umfang die steigende Nachfrage nach leistungsfähigen Datennetzen inzwischen zum Ergebnis des Unternehmens beiträgt.

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu