Höhere Tabaksteuer: Bund kalkuliert mit sinkendem Zigarettenabsatz

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Deutschland belegt laut OECD Taxing Wages 2026 Rang 2 der höchsten Steuerlast.

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Die Tabaksteuer in Deutschland soll ab Anfang 2027 deutlich steigen. Geplant sind vier jährliche Erhöhungsschritte bis 2030. Für Verbraucher bedeutet das voraussichtlich erheblich höhere Preise für Zigaretten und andere Tabakprodukte. Gleichzeitig verbindet die Bundesregierung mit der Reform zwei Ziele: zusätzliche Einnahmen für den Bundeshaushalt und einen geringeren Tabakkonsum. Am Montagnachmittag beschäftigt sich der Finanzausschuss des Bundestags in einer öffentlichen Anhörung mit dem Gesetzentwurf.

Für besondere Aufmerksamkeit sorgt eine neue Berechnung zum möglichen Absatzrückgang. Nach einer Meldung der dts Nachrichtenagentur unter Berufung auf Politico Pro Gesundheit soll eine interne Berechnung des Bundesfinanzministeriums davon ausgehen, dass die verkaufte Menge an Zigaretten durch die geplanten Steuererhöhungen um rund 25 Prozent sinken könnte. Die Berechnung sei mit Unsicherheiten verbunden. In den bislang veröffentlichten Angaben der Bundesregierung und des Bundestags ist diese konkrete 25-Prozent-Prognose nicht ausgewiesen.

Vier Steuerstufen von 2027 bis 2030 geplant

Der vom Bundeskabinett beschlossene Gesetzentwurf sieht jeweils zum 1. Januar der Jahre 2027, 2028, 2029 und 2030 höhere Steuern vor. Betroffen sind neben Zigaretten auch Feinschnitt, erhitzter Tabak, Zigarren und Zigarillos, Pfeifen- und Wasserpfeifentabak sowie Substitute für Tabakwaren, zu denen etwa Liquids für E-Zigaretten gehören. Das parlamentarische Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Für Zigaretten rechnet das Bundesfinanzministerium im Regierungsentwurf mit einer durchschnittlichen Steuerbelastung von 22,21 Cent je Stück ab 2027. Sie soll 2028 auf 24,21 Cent, 2029 auf 26,39 Cent und 2030 auf 28,77 Cent steigen. Der derzeit zugrunde gelegte Durchschnittswert liegt bei 20,27 Cent. Bei Feinschnitt soll die durchschnittliche Belastung von derzeit 100,76 Euro je Kilogramm bis 2030 auf 210,51 Euro steigen. Auch bei Wasserpfeifentabak und Zigarren sind deutliche Erhöhungen vorgesehen.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass die Unternehmen die höhere Steuer weitgehend an die Kundinnen und Kunden weitergeben. Die tatsächlichen Verkaufspreise legen jedoch Hersteller und Importeure fest. Für eine Packung mit 20 Zigaretten kalkuliert der Regierungsentwurf mit einem durchschnittlichen Preis von 8,77 Euro im Jahr 2027. Danach wären 9,56 Euro im Jahr 2028, 10,42 Euro im Jahr 2029 und rund 11,36 Euro im Jahr 2030 möglich. Aktuell legt das Ministerium durchschnittlich etwa 8,05 Euro zugrunde.

Schärfere Koalitionspläne könnten den Preis weiter erhöhen

Neben dem Regierungsentwurf wird inzwischen eine weitergehende Variante diskutiert. Eine Formulierungshilfe des Bundesfinanzministeriums für einen Änderungsantrag von CDU/CSU und SPD sieht nach den dem Bundestag vorliegenden Stellungnahmen insbesondere bei Zigaretten höhere Belastungen vor. Der Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse beziffert den darin unterstellten Durchschnittspreis einer Packung mit 20 Zigaretten für 2030 auf 11,78 Euro. Die reine Tabaksteuer auf eine solche Packung würde demnach von rund 4,05 Euro im Jahr 2026 auf 6,19 Euro steigen.

Auch das ARD-Hauptstadtstudio hatte im Juli über diese verschärfte Variante berichtet. Danach könnte eine durchschnittliche Packung bereits 2027 rund 9,10 Euro kosten. Die weitergehende Fassung ist jedoch nicht mit dem im Juli vom Kabinett beschlossenen Regierungsentwurf gleichzusetzen. Welche Steuersätze der Bundestag am Ende beschließt, steht noch nicht fest.

25-Prozent-Prognose würde Absatz unter 50 Milliarden drücken

Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 66,4 Milliarden Zigaretten versteuert. Das waren 0,2 Prozent mehr als 2024, langfristig ist die Menge allerdings stark gesunken. 1991 waren noch 146,5 Milliarden Zigaretten versteuert worden. Der Bund nahm 2025 insgesamt 17,6 Milliarden Euro Tabaksteuer ein.

Würde die nun bekannt gewordene 25-Prozent-Berechnung auf die Menge von 2025 übertragen, entspräche das rechnerisch einem Rückgang um 16,6 Milliarden Zigaretten auf rund 49,8 Milliarden Stück. Ob sich der Absatz tatsächlich in dieser Größenordnung entwickelt, hängt unter anderem vom Kaufverhalten, möglichen Wechseln zu anderen Produkten und Einkäufen außerhalb Deutschlands ab. Die Grundlagen der genannten BMF-Berechnung wurden bislang nicht veröffentlicht.

Der AOK-Bundesverband verweist in seiner Stellungnahme für die Anhörung auf internationale Untersuchungen, nach denen ein Preisanstieg um zehn Prozent in Ländern mit hohem Einkommen im Durchschnitt mit einem Rückgang des Tabakkonsums um etwa fünf Prozent verbunden war. Bei Jugendlichen seien in den dort herangezogenen Untersuchungen stärkere Reaktionen beobachtet worden. Die AOK unterstützt deshalb deutlichere Preissignale, sieht aber auch die Gefahr, dass Verbraucher auf günstigere Produktgruppen ausweichen.

Bund erwartet Milliarden an zusätzlichen Einnahmen

Im offiziell vorliegenden Regierungsentwurf kalkuliert der Bund für 2027 mit zusätzlichen Tabaksteuereinnahmen von 756 Millionen Euro. Bis 2030 soll der jährliche Mehrbetrag auf rund 3,59 Milliarden Euro steigen. Über die vier Jahre ergeben sich daraus rechnerisch rund 8,49 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen. Die Einnahmen fließen nicht zweckgebunden in Prävention oder das Gesundheitswesen, sondern in den allgemeinen Bundeshaushalt.

Die weitergehende Formulierungshilfe fällt nach Angaben in der Stellungnahme des Branchenverbands deutlich ambitionierter aus. Dort werden für 2027 rund 1,5 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen und für den Zeitraum 2027 bis 2030 insgesamt rund 11,75 Milliarden Euro genannt. Die am Montag bekannt gewordene BMF-Berechnung wird mit einer ähnlichen Größenordnung von rund 11,6 Milliarden Euro zusätzlichen Einnahmen in vier Jahren angegeben. Diese Zahlen gehören zur verschärften Variante und nicht zu den bislang veröffentlichten Einnahmeerwartungen des ursprünglichen Regierungsentwurfs.

Dass solche Schätzungen empfindlich auf Mengenveränderungen reagieren können, zeigt bereits die laufende Entwicklung. Von Januar bis August 2026 lagen die Einnahmen aus der Tabaksteuer mit rund 9,79 Milliarden Euro nach Angaben des Bundesfinanzministeriums um 10,8 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Für das Gesamtjahr sind im aktuellen Bundeshaushalt rund 17,11 Milliarden Euro angesetzt.

Tabakbranche warnt vor Ausweichkäufen

Die Tabakwirtschaft lehnt die stärkere Erhöhung ab. Der BVTE warnt in seiner für die Bundestagsanhörung eingereichten Stellungnahme davor, dass höhere Preise Verbraucher stärker zu legalen Einkäufen im Ausland oder zu illegal angebotenen Zigaretten bewegen könnten. Dadurch könnten der in Deutschland versteuerte Absatz und damit auch die zusätzlichen Steuereinnahmen niedriger ausfallen als kalkuliert. Ein vom Verband und Philip Morris beauftragtes Modell von DIW Econ kommt je nach Annahmen zu deutlich niedrigeren Einnahmen als die Formulierungshilfe. Die Untersuchung ist wegen ihrer Finanzierung durch Unternehmen und Verbände der Branche als Interessenstudie einzuordnen.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum kommt in seiner Stellungnahme zu einer anderen Bewertung. Es hält die Warnung vor einem starken Anstieg des Schwarzmarkts für zu pauschal und verweist darauf, dass neben dem Preisniveau auch Kontrollen, die Sicherung von Lieferketten und Maßnahmen gegen Schmuggel eine Rolle spielen. Das DKFZ unterstützt deutliche Steuererhöhungen grundsätzlich und sieht darin sowohl ein gesundheitspolitisches Instrument als auch eine mögliche stabile Einnahmequelle.

Auch die EU arbeitet an höheren Mindeststeuern

Deutschland bewegt sich mit der Reform in einem breiteren europäischen Prozess. Die EU-Kommission hat bereits im Juli 2025 eine Überarbeitung der europäischen Tabaksteuerrichtlinie vorgeschlagen. Damit sollen Mindeststeuern angehoben und neuere Produkte wie E-Zigaretten, erhitzter Tabak und Nikotinbeutel stärker in gemeinsame europäische Regeln einbezogen werden. Die Bundesregierung weist darauf hin, dass nach einer Einigung auf EU-Ebene weitere Anpassungen des deutschen Tabaksteuerrechts notwendig werden könnten.

Die nationale Reform ist damit noch nicht abgeschlossen. Der Bundestag hat den Regierungsentwurf am 24. September erstmals beraten und an den Finanzausschuss überwiesen. Die öffentliche Anhörung beginnt am heutigen Montag um 16 Uhr. Erst im weiteren parlamentarischen Verfahren entscheidet sich, ob die bislang vorgesehene Staffel bestehen bleibt oder die höheren Steuersätze aus der Koalitionsvariante Teil des Gesetzes werden.

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