Trump setzt auf Diesel aus Russland, doch Deutschland zieht nicht mit

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

US-Präsident Donald Trump will mit russischem Diesel die hohen Kraftstoffpreise in den USA und auf dem Weltmarkt senken. Nach einem Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin kündigte Trump umfangreiche Lieferungen an. Das US-Finanzministerium hat dafür bereits eine befristete Ausnahme von bestehenden Sanktionen geschaffen. Während Moskau seine Exportbeschränkungen teilweise lockert, hält Deutschland am Importverbot für russische Erdölprodukte fest. Die Ukraine kritisiert die Vereinbarung scharf. Ob Autofahrer tatsächlich von niedrigeren Preisen profitieren, ist dagegen offen.

Anzeige

Russland soll zunächst 300.000 Tonnen Diesel bereitstellen

Trump hatte die Vereinbarung am Freitag, 9. Oktober 2026, über seine Plattform Truth Social bekannt gegeben. Demnach soll Russland kurzfristig mehr als 300.000 Tonnen Diesel für den amerikanischen und internationalen Markt bereitstellen. Weitere 500.000 Tonnen sollen im November folgen. Anschließend stellte der US-Präsident eine zusätzliche Million Tonnen in Aussicht.

Darüber hinaus sprach Trump von weiteren drei Millionen Tonnen, deren Bereitstellung allerdings vom Zustand der russischen Raffinerien abhänge. Konkrete Liefertermine für diese zusätzliche Menge nannte er nicht.

Der Kreml bestätigte die grundsätzliche Einigung. Russland erklärte sich bereit, wieder größere Mengen Erdöl und Erdölprodukte für die USA und den Weltmarkt zur Verfügung zu stellen. Die russische Regierung hob daraufhin einen Teil ihrer eigenen Diesel-Exportbeschränkungen auf. Nach Regierungsangaben wurde damit zunächst die Ausfuhr von 500.000 Tonnen ermöglicht. Russische Unternehmen sollten entsprechende Lieferverträge abschließen.

Anzeige

Welche Mengen bereits verschifft wurden, blieb zunächst offen. Die angekündigten Lieferungen sind deshalb nicht mit tatsächlich angekommenem Diesel gleichzusetzen.

USA setzen Sanktionen gegen russischen Diesel teilweise aus

Für Trumps Diesel-Deal mit Putin hat die US-Regierung ihre bisherige Sanktionspolitik punktuell verändert. Das amerikanische Finanzministerium veröffentlichte am 9. Oktober die sogenannte General License 135. Sie erlaubt bestimmte Geschäfte im Zusammenhang mit dem Verkauf, der Lieferung, dem Entladen und dem Import von Dieselkraftstoff russischer Herkunft.

Die Genehmigung gilt bis zum 7. April 2027. Es handelt sich um eine zeitlich begrenzte Ausnahme für Diesel und nicht um eine vollständige Aufhebung der amerikanischen Russland-Sanktionen.

Die Entscheidung steht im Gegensatz zur bisherigen Strategie, russische Energieeinnahmen durch wirtschaftliche Beschränkungen zu reduzieren. Erst im September hatte Trump ein Gesetz unterzeichnet, das zusätzliche Sanktionsmöglichkeiten gegenüber Russland vorsieht.

Auch innerhalb der USA stößt die neue Vereinbarung auf Widerstand. Senatoren beider Parteien forderten die Regierung auf, ihren Kurs zu ändern. Einige bezweifeln zudem die rechtliche Zulässigkeit der Ausnahme. Die Trump-Regierung verteidigt ihre Entscheidung mit dem Ziel, die Kraftstoffkosten für amerikanische Verbraucher und Unternehmen zu senken.

Selenskyj kritisiert die Vereinbarung mit Moskau

Besonders deutlich reagierte die Ukraine. Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte, dass Russland durch zusätzliche Energieexporte weitere Einnahmen erzielen könne, während der russische Angriffskrieg gegen sein Land andauert.

Selenskyj bezeichnete die Lockerung der Sanktionen als Schwächung des internationalen Drucks auf Moskau. Die zusätzlichen Einnahmemöglichkeiten könnten nach seiner Einschätzung dazu beitragen, den Krieg länger fortzuführen.

Die Vereinbarung fällt zudem in eine Phase neuer diplomatischer Bemühungen um ein Ende des Krieges. Ukrainische Unterhändler führten in den USA Gespräche über mögliche Friedensschritte.

Trump hatte die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien zuvor kritisiert und diese mitverantwortlich für die angespannte Dieselversorgung gemacht. Die Ukraine verweist dagegen auf die fortdauernden russischen Angriffe auf ihre Energieinfrastruktur.

Am Sonntag kündigte Trump außerdem eine angeblich vereinbarte Einstellung gegenseitiger Angriffe auf Energieanlagen an. Eine entsprechende Einigung war zunächst weder von Moskau noch von Kiew bestätigt worden. Selenskyj erklärte, die Ukraine sei zu einem solchen Schritt bereit, sofern Russland seinerseits Angriffe auf ukrainische Energieanlagen einstelle.

Deutschland hält am Importverbot für russischen Diesel fest

Die Bundesregierung reagierte zurückhaltend auf den Kurswechsel Washingtons. Regierungssprecher Stefan Kornelius erklärte, Deutschland werde die bestehenden Sanktionen gegen Russland weiterhin unterstützen und gemeinsam mit den europäischen Partnern an zusätzlichen Maßnahmen arbeiten.

Auch das Bundeswirtschaftsministerium bekräftigte, dass Deutschland nicht auf russische Öllieferungen angewiesen sei. Die Versorgung sei inzwischen entsprechend diversifiziert.

Für die Europäische Union bleibt das seit dem 5. Februar 2023 geltende Importverbot für russischen Diesel maßgeblich. Die amerikanische Ausnahmegenehmigung ändert daran nichts. Damit können die USA russischen Diesel unter den neuen Bedingungen wieder zulassen, während entsprechende direkte Einfuhren in die EU grundsätzlich untersagt bleiben.

Die Europäische Kommission hatte bereits Anfang Oktober auf die angespannte Lage am europäischen Dieselmarkt hingewiesen. Nach ihrer damaligen Einschätzung war die Versorgung grundsätzlich gesichert, die Preise lagen jedoch wegen der weltweit knappen Verfügbarkeit auf einem hohen Niveau.

Warum die Dieselpreise kaum dauerhaft sinken dürften

Ob die russischen Lieferungen eine spürbare Entlastung bringen, ist umstritten. Die zunächst zugesagten 300.000 Tonnen entsprechen ungefähr 2,25 Millionen Barrel Diesel.

Zum Vergleich: In den USA werden täglich mehrere Millionen Barrel Diesel und vergleichbare Destillatkraftstoffe verbraucht. Die angekündigte Anfangsmenge würde rechnerisch nur für etwa 14 Stunden des amerikanischen Verbrauchs ausreichen, selbst wenn sie vollständig dorthin geliefert würde.

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie erwartet deshalb keine nennenswerten Auswirkungen auf die Preise an deutschen Tankstellen. Neben den vergleichsweise kleinen Anfangsmengen verweist der Verband darauf, dass das europäische Importverbot bestehen bleibt.

An den internationalen Energiemärkten zeigte sich dennoch eine kurzfristige Reaktion. Amerikanische Diesel-Terminkontrakte gaben nach der Ankündigung am Freitag zeitweise um knapp fünf Prozent nach. Am frühen Montagmorgen fielen auch die europäischen Gasoil-Terminkurse um rund drei Prozent.

Solche Bewegungen an den Großhandelsmärkten bedeuten allerdings nicht, dass Diesel unmittelbar an den Tankstellen günstiger wird. Für die Endkundenpreise spielen unter anderem Beschaffungskosten, Steuern, Transport und die weitere Entwicklung der Rohölmärkte eine Rolle.

Globale Energiekrise erhöht den Druck auf Trump

Hinter der Vereinbarung steht eine zunehmend angespannte internationale Energieversorgung. Neben dem Krieg in der Ukraine belastet insbesondere der seit Ende Februar andauernde Krieg zwischen den USA, Israel und Iran die internationalen Öl- und Kraftstoffmärkte.

Nach Angaben des amerikanischen Automobilclubs AAA lag der durchschnittliche Dieselpreis in den USA zuletzt bei rund 6,28 Dollar je Gallone. Seit Beginn des Iran-Krieges sind die Dieselpreise damit um ungefähr 70 Prozent gestiegen.

Die Entwicklung trifft insbesondere Speditionen, Landwirtschaft und andere Unternehmen mit hohem Kraftstoffverbrauch. Gleichzeitig stehen in den USA am 3. November die Kongresswahlen an, bei denen die wirtschaftliche Lage eine bedeutende Rolle spielt.

Auch international bleibt die Situation angespannt. Am frühen Montagmorgen kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent trotz eines zwischenzeitlichen Preisrückgangs noch mehr als 103 Dollar.

Die geplanten russischen Lieferungen könnten das verfügbare Angebot erhöhen. Für eine nachhaltige Entspannung wären nach Einschätzung von Energieanalysten jedoch größere und verlässlichere Mengen notwendig. Hinzu kommt, dass Schäden an russischen Raffinerien die Produktionsmöglichkeiten einschränken.

Damit verbindet die Dieselvereinbarung zwei unterschiedliche politische Entwicklungen: Die USA lockern gezielt ihre Sanktionen, um den Energiemarkt zu entlasten. Deutschland und die EU halten dagegen an ihrer bisherigen Linie gegenüber Russland fest. Welche wirtschaftlichen Folgen daraus entstehen, hängt vor allem davon ab, wie viel russischer Diesel tatsächlich zusätzlich auf den Weltmarkt gelangt.

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu