
Münster. Die geplante WLE-Reaktivierung zwischen Münster und Sendenhorst sorgt erneut für Diskussionen. Nachdem der CDU-Bundestagsabgeordnete Henning Rehbaum eine Bundesförderung von rund 158 Millionen Euro angekündigt hatte, meldet sich nun die Bürgerinitiative „Pro Rad und Bus – gegen die Bahn“ zu Wort. Sie stellt die Wirtschaftlichkeit des inzwischen auf rund 176 Millionen Euro veranschlagten Projekts infrage und bezweifelt, dass die Voraussetzungen für eine öffentliche Förderung weiterhin erfüllt sind. Eine offizielle Bewertung kommt allerdings bislang zu einem anderen Ergebnis.
Aus Sicht der Bürgerinitiative haben die erheblich gestiegenen Kosten die wirtschaftlichen Grundlagen des Bahnprojekts verändert. Ursprünglich war die Wiederaufnahme des Personenverkehrs mit rund 37 Millionen Euro kalkuliert worden. Im März 2024 lagen die Schätzungen bereits bei etwa 133 Millionen Euro. Nach den jüngsten Angaben von Henning Rehbaum werden mittlerweile rund 176 Millionen Euro veranschlagt. Der Bund könnte davon etwa 158 Millionen Euro übernehmen.
Die Bürgerinitiative hält das Vorhaben angesichts dieser Entwicklung nicht mehr für volkswirtschaftlich sinnvoll. In ihrer aktuellen Pressemitteilung erklärt sie, nach eigenen Berechnungen liege der sogenannte Nutzen-Kosten-Indikator inzwischen deutlich unter dem für die Bundesförderung maßgeblichen Wert von 1,0. Allerdings nennt die Initiative weder einen konkreten neuen Wert noch legt sie eine vollständige Berechnung vor. Ihre Einschätzung lässt sich deshalb bislang nicht unabhängig überprüfen.
Der jüngsten veröffentlichten Standardisierten Bewertung des Zweckverbands Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) zufolge liegt der Nutzen-Kosten-Indikator bei 1,34. Die im November 2025 vorgestellte Untersuchung kommt damit zu einem positiven Ergebnis. Ein Wert oberhalb von 1,0 ist grundsätzlich Voraussetzung für eine Förderung nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz.
Dabei berücksichtigt die Untersuchung bereits Infrastrukturinvestitionen von rund 146,7 Millionen Euro einschließlich Planungs- und Risikozuschlägen. Diese Summe basiert allerdings auf dem Preisstand 2022 und wurde für das Bewertungsverfahren auf den Preisstand 2016 umgerechnet. Die nun genannten 176 Millionen Euro lassen sich deshalb nicht unmittelbar mit der bisherigen Berechnungsgrundlage gleichsetzen. Ob sich durch die jüngste Kostenentwicklung tatsächlich ein Nutzen-Kosten-Indikator unter 1,0 ergeben würde, ist bislang offen.
Die Bürgerinitiative geht davon aus, dass Nordrhein-Westfalen vor einer abschließenden Förderentscheidung eine aktualisierte Wirtschaftlichkeitsprüfung verlangen könnte. Sie bezweifelt deshalb, dass die angekündigten Bundesmittel tatsächlich in der vorgesehenen Höhe fließen werden. Eine entsprechende Forderung des Landes nach einer neuen Untersuchung ist bislang jedoch nicht offiziell bestätigt.
Henning Rehbaum hatte Anfang Oktober erklärt, der Bund könne rund 90 Prozent der Investitionskosten übernehmen. Ein verbindlicher Bewilligungsbescheid über die angekündigten 158 Millionen Euro ist aus den bislang öffentlich vorliegenden Informationen allerdings nicht unabhängig nachgewiesen. Damit bleibt zwischen der politischen Förderankündigung und der abschließenden finanziellen Absicherung des Projekts zu unterscheiden.
Die WLE-Reaktivierung Münster-Sendenhorst sieht vor, auf der rund 21 Kilometer langen Strecke nach mehr als 50 Jahren wieder regelmäßigen Personenverkehr anzubieten. Geplant sind unter anderem Haltepunkte an der Halle Münsterland sowie in Loddenheide, Gremmendorf, Angelmodde, Wolbeck und Albersloh. Zwischen Münster und Wolbeck sollen künftig drei Züge pro Stunde fahren, zwei davon weiter bis Sendenhorst. Auch Veränderungen im bestehenden Busverkehr sind Bestandteil der Planungen.
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