VW lässt Zukunft von Zwickau offen: Widerstand gegen mögliches Aus wächst

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Zukunft des VW-Werks Zwickau bleibt auch Wochen nach der entscheidenden Sitzung des Volkswagen-Aufsichtsrats ungeklärt. Eine Schließung des sächsischen Fahrzeugwerks wurde nicht beschlossen. Volkswagen kann dem Standort nach derzeitiger Planung aber auch keine wettbewerbsfähige Folgeproduktion über das laufende Modellprogramm hinaus garantieren. Politik, IG Metall und Arbeitnehmervertreter verlangen deshalb eine langfristige Perspektive für einen der wichtigsten Industriestandorte Sachsens.

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Der Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns hatte am 3. September 2026 einstimmig dem Zukunftsplan 2030 zugestimmt. Darin stellt der Konzern fest, dass seine Produktionskapazitäten in Europa die Nachfrage derzeit um rund 500.000 Fahrzeuge übersteigen. Für die Werke Zwickau, Emden, Hannover und Neckarsulm könne gestaffelt ab den Jahren 2031 bis 2034 derzeit keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gewährleistet werden. Gleichzeitig sollen alternative Nutzungsmöglichkeiten für die betroffenen Standorte untersucht werden.

Entscheidung über Zwickau soll bis Mitte 2027 vorbereitet werden

Für das europäische Produktionsnetz will Volkswagen bis Ende Juni 2027 ein Konzept entwickeln, das langfristig wettbewerbsfähige Standorte und Kapazitäten festlegt. Für Zwickau bedeutet das, dass eine endgültige Entscheidung über die industrielle Zukunft noch nicht gefallen ist. Eine Werksschließung ist weder beschlossen noch hat Volkswagen eine Bestandsgarantie über 2030 hinaus ausgesprochen.

Der Konzern begründet seinen Umbau mit Überkapazitäten, veränderten Nachfragestrukturen und einem verschärften internationalen Wettbewerb. Besonders der chinesische Automarkt hat sich für deutsche Hersteller erheblich verändert. Hinzu kommen Handelsbarrieren und hoher Kostendruck. Der Zukunftsplan sieht deshalb neben Veränderungen im Produktionsnetz auch eine konzernweite Anpassung der Beschäftigtenzahl um rund 50.000 Stellen vor. Volkswagen will zudem Strukturen vereinfachen und Kosten senken.

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Zwickau nimmt in diesem Umbau eine besondere Rolle ein. Volkswagen hatte das traditionsreiche Fahrzeugwerk vollständig auf Elektromobilität umgestellt. Seit 2020 werden dort ausschließlich Elektroautos gebaut. Für den Umbau investierte der Konzern rund 1,2 Milliarden Euro. Zu den in Zwickau gefertigten Fahrzeugen gehörten unter anderem der VW ID.3, ID.4 und ID.5, der Cupra Born sowie der Audi Q4 e-tron und dessen Sportback-Version.

Sachsen fordert industrielle Perspektive für das Werk

Sachsens Landesregierung stellt sich gegen ein Ende der Fahrzeugproduktion in Zwickau. Wirtschaftsminister Dirk Panter erklärte nach dem Aufsichtsratsbeschluss, es bestehe weiterhin die Chance auf eine Zukunft des Werks nach 2031. Er bezeichnete Zwickau als effizientestes deutsches Volkswagen-Werk und forderte den Konzernvorstand auf, eine wirtschaftlich tragfähige Lösung vorzulegen. Panter brachte dabei auch die Prüfung von Volkswagen-Modellen ins Gespräch, die bislang nicht in Deutschland produziert werden.

Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte ebenfalls für den Erhalt der Autoproduktion geworben. Mitte September erklärte er im Sächsischen Landtag, auch künftig sollten in Zwickau-Mosel Fahrzeuge gebaut werden. Die Landesregierung will die gesamte Automobilregion Südwestsachsen zudem mit einem Strukturprogramm unterstützen und unter anderem Forschung, Entwicklung und Infrastruktur stärken.

Damit geht die Bedeutung des Standorts weit über die unmittelbar bei Volkswagen Beschäftigten hinaus. Volkswagen Sachsen gehört zu den größten privaten Arbeitgebern des Freistaats. Zum Unternehmen gehören neben dem Fahrzeugwerk in Zwickau auch das Motorenwerk Chemnitz und die Gläserne Manufaktur in Dresden.

IG Metall und Betriebsrat verlangen Zusagen über 2030 hinaus

Auch IG Metall und Betriebsräte lehnen eine Schließung des Zwickauer Standorts ab. Der IG-Metall-Bezirksleiter für Berlin, Brandenburg und Sachsen, Jan Otto, bezeichnete das Werk als hocheffizient und kündigte Widerstand gegen Schließungspläne an. Die Arbeitnehmerseite fordert eine langfristige Perspektive für Zwickau, Chemnitz und Dresden.

Mario Albert, Betriebsratsvorsitzender des VW-Werks Zwickau, erklärte Anfang September, die zentrale Frage nach der Zeit über 2030 hinaus sei weiterhin unbeantwortet. Auch der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Volkswagen Sachsen, Mike Rösler, verlangte tragfähige Lösungen, die Zwickau dauerhaft einen Platz innerhalb des Konzerns sichern.

Die Gewerkschaft verweist dabei auch auf den Tarifabschluss von Ende 2024. Damals vereinbarten Volkswagen und IG Metall eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2030. Für Zwickau war vorgesehen, die Produktion ab 2027 auf eine Linie zu konzentrieren und weiterhin die Modelle Audi Q4 e-tron und Q4 e-tron Sportback zu fertigen. Zusätzlich sollten neue Geschäftsfelder im Bereich Kreislaufwirtschaft erschlossen werden.

Tarifkonflikt erhöht den Druck zusätzlich

Ende September kam ein weiterer Konflikt hinzu. Volkswagen kündigte mehrere Tarifverträge zum Jahresende 2026. Nach Angaben des Unternehmens ist die Beschäftigungssicherung des Zukunftstarifvertrags davon ausdrücklich nicht betroffen. Volkswagen erklärte, angesichts der wirtschaftlichen Lage müssten bestehende Sparmaßnahmen umgesetzt und weitere Möglichkeiten für einen sozialverträglichen Personalabbau genutzt werden.

Die IG Metall reagierte mit scharfer Kritik. Sie verlangt insbesondere die Einhaltung der 2024 vereinbarten Zukunftszusagen für Produkte und Investitionen. Bei einer Betriebsversammlung in Zwickau Anfang Oktober verließen nach Angaben des Betriebsrats Beschäftigte aus Protest während des Berichts der Geschäftsführung die Halle. An der Versammlung nahmen rund 3.000 Menschen teil.

Damit bleibt für Zwickau eine entscheidende Grenze bestehen: Bis Ende 2030 gilt die vereinbarte Beschäftigungssicherung. Was danach geschieht, hängt von den nun zu erarbeitenden Produktionskonzepten ab. Volkswagen hat weder ein Ende des Werks beschlossen noch eine neue Fahrzeugproduktion nach 2030 zugesagt. Die zentrale Entscheidung über die langfristige Rolle Zwickaus im europäischen Produktionsnetz des Konzerns steht weiterhin aus.

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