
Der Halbleiterhersteller X-Fab treibt eine der größten Industrieinvestitionen der vergangenen Jahre in Thüringen voran. Am Montag, 5. Oktober 2026, soll in Erfurt der Grundstein für eine neue Produktionsstätte gelegt werden. Für das Projekt sind Investitionen von insgesamt 300 bis 400 Millionen Euro vorgesehen. Bund und Freistaat Thüringen unterstützen den Ausbau mit Fördermitteln von zusammen 127,4 Millionen Euro. Die erste Produktion in der neuen Chipfabrik in Erfurt ist nach Unternehmensangaben für Ende 2028 geplant. Rund 100 neue hochqualifizierte Arbeitsplätze sollen entstehen.
Das Ausbauprojekt trägt den Namen Fab4Micro. Bereits im Juni hatte X-Fab den Förderbescheid über 127,4 Millionen Euro erhalten. Davon übernimmt der Bund rund 80,3 Millionen Euro, weitere 47,1 Millionen Euro kommen vom Freistaat Thüringen. Die Europäische Kommission hatte die staatliche Unterstützung bereits im Dezember 2025 genehmigt. Das Bundeswirtschaftsministerium führt das Erfurter Vorhaben als eines der nach den Regeln des European Chips Act unterstützten deutschen Halbleiterprojekte. Die von der EU genehmigte maximale Beihilfe für X-Fab wird dort mit rund 128 Millionen Euro angegeben.
Mit dem Geld soll vor allem die Fertigungskapazität am bestehenden Erfurter Standort deutlich erweitert werden. Kern des Projekts ist ein neuer Reinraum. Solche besonders kontrollierten Produktionsumgebungen sind für die Halbleiterfertigung notwendig, weil bereits kleinste Verunreinigungen Bauteile unbrauchbar machen können. X-Fab will dort künftig zusätzliche Mikrosysteme, MEMS und photonische Lösungen herstellen.
Nach dem bisherigen Zeitplan sollen bis Ende 2028 die ersten Bauteile in der neuen Anlage gefertigt werden. X-Fab baut damit nicht nur seine bisherigen Kapazitäten aus, sondern erweitert nach eigenen Angaben auch die technologischen Möglichkeiten des Standorts. Vorgesehen sind unter anderem Verfahren zur sogenannten heterogenen Integration. Dabei können unterschiedliche elektronische und optische Funktionen in einem Bauteil zusammengeführt werden.
Solche Komponenten werden unter anderem für Fahrzeuge, Medizintechnik, optische Systeme und die Infrastruktur von Rechenzentren benötigt. Auch Anwendungen im Umfeld Künstlicher Intelligenz können auf leistungsfähige optische Verbindungen und spezialisierte Mikrosysteme angewiesen sein. X-Fab positioniert den Erfurter Standort deshalb zunehmend als Zentrum für Mikrosystemtechnik und Photonik. Das Unternehmen produziert dabei nicht in erster Linie Standardchips für den Massenmarkt, sondern fertigt Spezialhalbleiter im Auftrag seiner Kunden.
Mit der Erweiterung sollen rund 100 zusätzliche hochqualifizierte Arbeitsplätze entstehen. Die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen nennt diese Größenordnung ausdrücklich für Fab4Micro. Bereits heute ist Erfurt ein bedeutender Standort innerhalb des Konzerns. Aktuellen Angaben zufolge arbeiten dort etwa 800 Menschen. Die X-Fab-Gruppe kommt weltweit auf mehrere Tausend Beschäftigte und betreibt sechs Waferfabriken in Deutschland, Frankreich, Malaysia und den USA.
Die Wurzeln des Unternehmens liegen in Erfurt. Die Stadt hat eine lange Geschichte in der Mikroelektronik, die bereits in der DDR eine wichtige Rolle spielte. Heute gehören nach Angaben der Thüringer Wirtschaftsförderung mehr als 70 Unternehmen zur Halbleiter- und Mikroelektronikbranche des Landes. Das Spektrum reicht vom Chipdesign und Prototypenbau über Produktion und Packaging bis zu Sensorik, Optik und Photonik.
Die Erfurter Investition steht zugleich im Zusammenhang mit der europäischen Halbleiterstrategie. Die EU versucht seit mehreren Jahren, zusätzliche Produktionskapazitäten innerhalb Europas aufzubauen und Abhängigkeiten von Lieferketten außerhalb Europas zu verringern. Der European Chips Act bildet dafür einen zentralen politischen Rahmen. X-Fab ist auf der europäischen Liste geförderter beziehungsweise anerkannter Halbleiterprojekte mit dem Erfurter Standort und Technologien für fortgeschrittene Integration vertreten.
Deutschland unterstützt neben X-Fab weitere große Vorhaben. Dazu zählen unter anderem der Ausbau von GlobalFoundries in Dresden sowie Projekte aus den Bereichen Halbleitertechnik, Fertigungsausrüstung und Messtechnik. Die staatliche Förderung soll dabei Investitionen ermöglichen, die nach den Vorgaben des europäischen Beihilferechts einen besonderen Beitrag zum Aufbau technologischer Kapazitäten leisten.
Die Investition fällt in eine Phase, in der X-Fab besonders im Geschäft mit Mikrosystemen Wachstum verzeichnet. Im ersten Quartal 2026 erreichte dieser Geschäftsbereich nach Unternehmensangaben einen Rekordumsatz von 33,7 Millionen US-Dollar. Das entsprach einem Plus von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
Die zusätzliche Fabrik soll deshalb schrittweise mit der Nachfrage der Kunden hochgefahren werden. X-Fab hatte bereits bei der Bekanntgabe der Förderung erklärt, der neue Reinraum solle Kapazitäten und technische Möglichkeiten in Erfurt erweitern. Die für Montag angekündigte Grundsteinlegung markiert nun den sichtbaren Beginn der Bauphase. Bis zur geplanten ersten Fertigung Ende 2028 liegen allerdings noch mehr als zwei Jahre Bau, Installation und Qualifizierung der hoch spezialisierten Produktionstechnik vor dem Unternehmen.
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