
Münster. Rund 450 neue Wohnungen, bis zu 1.300 zusätzliche Bewohner und eine vierzügige Gesamtschule werden den Bereich rund um die Heidestraße in Angelmodde stark verändern. Nun wird konkret, wie Münster die bestehenden Straßen darauf vorbereiten will: Heidestraße und Flaßkuhl sollen grundlegend umgebaut, Gehwege verbreitert, Kreuzungen angehoben und mehrere Engstellen zur Verkehrsberuhigung geschaffen werden. Die Stadt kalkuliert für das Vorhaben derzeit mit rund 2,44 Millionen Euro. Über den Planungsbeschluss soll die Bezirksvertretung Münster-Südost am 8. September 2026 entscheiden.
Der Umbau ist eine unmittelbare Folge der Entwicklung des früheren Westfalen-AG-Geländes. Dort entsteht mit dem Bebauungsplan 624 ein neues Wohnquartier; südlich davon ist im Bebauungsplan 625 der Standort einer weiterführenden Schule vorgesehen. Die bisherige Heidestraße stammt funktional noch aus der Zeit des Industriestandorts: Sie ist auf größeren Fahrzeugverkehr ausgelegt, besitzt eine breite Fahrbahn und bietet nach Einschätzung der Stadt an mehreren Stellen keine beziehungsweise zu schmale Gehwege. Auch die Querungsmöglichkeiten für Fußgänger reichen für die künftige Nutzung nicht aus.
Gerade die geplante Gesamtschule verändert die Anforderungen. Die Heidestraße soll künftig ein wichtiger Schulweg sein. Die aktuelle Planung umfasst deshalb den größten Teil der Straße ab der Einmündung An der Wallhecke bis zum neuen Quartier. Hinzu kommen der nördliche Stich der Heidestraße bis zum vorhandenen Pumpwerk und rund 180 Meter des Flaßkuhl. Der Abschnitt zwischen Albersloher Weg und An der Wallhecke ist zunächst ausgenommen und soll später im Zusammenhang mit der Planung für den Albersloher Weg behandelt werden.
Das auffälligste Element der Planung sind die deutlich breiteren Gehwege. Sie sollen auf beiden Seiten der Heidestraße in der Regel 2,50 Meter breit werden. Die Fahrbahn ist künftig grundsätzlich mit 5,50 Metern vorgesehen. Die bestehende Tempo-30-Zone bleibt erhalten. Für Radfahrer ist kein separater Radweg geplant; sie sollen bei Tempo 30 weiterhin gemeinsam mit Autos auf der Fahrbahn fahren.
An mehreren Stellen wird die Fahrbahn sogar auf vier Meter verengt. Eine dieser Engstellen entsteht auf Höhe der Heidestraße 14. Dort befinden sich zwei Stieleichen und eine Rotbuche, die als Naturdenkmal geschützt sind. Die Straße wird deshalb auf einer Länge von rund 24 Metern verschwenkt und eingeengt. Zwei Autos können sich dort künftig nicht mehr gleichzeitig begegnen. Weitere Vier-Meter-Engstellen sollen sowohl den Verkehr bremsen als auch Fußgängern das Überqueren erleichtern.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Bereich der Friedenskirche. Der bisherige Parkstreifen wird neu geordnet und künftig für Längsparken ausgelegt. Zwischen den Stellplätzen und dem vorbeifahrenden Radverkehr ist ein Sicherheitstrennstreifen vorgesehen, der das Risiko von Unfällen mit geöffneten Autotüren reduzieren soll. Der östlichste Stellplatz in der Nähe des Kircheneingangs soll Menschen mit eingeschränkter Mobilität vorbehalten sein.
Auch die Kreuzung Heidestraße/Zum Erlenbusch wird verändert. Dort soll die Fahrbahn angehoben werden. Die Stadt verspricht sich davon niedrigere Geschwindigkeiten und eine leichtere Querung auf Höhe der Kirche. Gleichzeitig wird der nördliche Abschnitt von Zum Erlenbusch neu geordnet. Bestehende Bäume sollen erhalten bleiben, zusätzliche Fläche soll entsiegelt werden.
Besonders deutlich fällt die Veränderung am Flaßkuhl aus. Aktuell handelt es sich dort um eine Einbahnstraße in Richtung Buschstraße. Zwischen der Heidestraße und der künftigen Zufahrt zur Gesamtschule soll die Fahrbahn jedoch auf 5,50 Meter verbreitert werden. In diesem Abschnitt wäre dann Gegenverkehr möglich.
Das hat vor allem praktische Gründe: Lieferfahrzeuge beispielsweise für die künftige Schulmensa sollen nicht erst Umwege durch das neue Wohnquartier fahren müssen. Gleichzeitig sind auch am Flaßkuhl beidseitig 2,50 Meter breite Gehwege vorgesehen. Radfahrer bleiben im Mischverkehr auf der Fahrbahn. Die neue Straßenplanung konkretisiert damit Überlegungen, die die Stadt bereits bei der Bürgerbeteiligung im September 2025 vorgestellt hatte. Damals war angekündigt worden, die Einbahnstraßenregelung bis zur Schulzufahrt aufzuheben.
Die entscheidende Frage für viele Anwohner dürfte sein, wie viel zusätzlichen Autoverkehr das neue Quartier und die Gesamtschule bringen. Dazu liegen inzwischen konkrete Zahlen aus der Verkehrsplanung vor. Für das Wohngebiet wurden 1.292 zusätzliche Kfz-Fahrten pro Tag berechnet, für die Schule weitere 824 Fahrten. Zusammen sind das rund 2.100 Kfz-Fahrten täglich.
Nach Angaben der Stadt entspricht dieses Verkehrsaufkommen ungefähr dem Niveau aus der Zeit, als das Westfalen-Gelände noch betrieblich genutzt wurde. Allerdings gibt es eine Einschränkung: Die Hol- und Bringfahrten von Eltern wurden in die Berechnung einbezogen, die Nutzung der Schulsportanlagen am Nachmittag dagegen nicht ausdrücklich. Die Stadt kündigte deshalb bereits 2025 an, das Verkehrsgutachten mit neueren Zahlen zu aktualisieren.
Die breiteren Gehwege haben für Autofahrer eine konkrete Folge: Bestehende ausgewiesene Parkplätze an der Heidestraße und am Flaßkuhl sollen im Zuge des Umbaus teilweise verschwinden. Das bedeutet allerdings nicht, dass entlang der Straßen grundsätzlich nicht mehr geparkt werden darf. Weil es sich um Tempo-30-Straßen handelt und nach Einschätzung der Verwaltung ausreichend Platz vorhanden ist, soll Längsparken im Straßenraum weiterhin möglich sein.
Für die Bewohner und Besucher des neuen Quartiers sollen Stellplätze dagegen vor allem in Tiefgaragen und einem Mobility Hub geschaffen werden. Parkplätze für Lehrer sowie Nutzer der Sportanlagen sind auf dem Schulgrundstück vorgesehen. Anwohner hatten bei der Bürgerbeteiligung bereits vor zusätzlichem Parkdruck und möglichen Rückstaus gewarnt. Ein endgültiges Bewirtschaftungskonzept für die Quartiersgarage lag damals noch nicht vor.
Die Straßenplanung ist Teil eines wesentlich größeren Stadtentwicklungsprojekts. Auf dem ehemaligen Betriebsstandort der Westfalen AG plant Münster gemeinsam mit Vivawest ein Quartier mit rund 450 Wohneinheiten. Die Stadt rechnet dort derzeit mit etwa 1.200 bis 1.300 Bewohnerinnen und Bewohnern. Vorgesehen sind überwiegend drei- bis viergeschossige Mehrfamilienhäuser sowie einige Reihenhäuser. Rund 30 Prozent der Wohnungen sollen öffentlich gefördert werden.
Das neue Viertel soll ausdrücklich autoarm entwickelt werden. Neben Tiefgaragen und dem Mobility Hub gehören ein zentraler „Stadtbalkon“, ein Spielplatz und zwei Kindertagesstätten mit jeweils vier Gruppen zum bisherigen Konzept. Auch der Vornholtgraben soll renaturiert werden. Die Stadt führt den Bebauungsplan 624 weiterhin als Planung für ein Quartier mit etwa 450 Wohnungen; südlich davon ist die vierzügige Gesamtschule vorgesehen.
Beim Schulstandort geht es nicht um ein kleines Ergänzungsgebäude. Vorgesehen ist eine vierzügige Gesamtschule mit eigenen Sportanlagen. Nach dem Stand der Bürgerinformation vom September 2025 sollte der Schulbau 2027 beginnen und zum Schuljahr 2030/31 abgeschlossen sein. Diese Termine sind allerdings als Planungsziele zu verstehen: Detaillierte Gebäude- und Sportflächenplanungen waren zu diesem Zeitpunkt noch in Arbeit.
Der hauptsächliche Zugang für Schüler, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen, soll über den Platz am Ende der Heidestraße erfolgen. Für Busnutzer nannte die Stadt die Haltestellen Heidestraße am Albersloher Weg und Altehof. Über die WLE-Strecke ist ein beschrankter Übergang für Fußgänger, Radfahrer und Rettungsfahrzeuge vorgesehen; eine reguläre Autozufahrt über Altehof soll dagegen nicht entstehen.
Die Verkehrsplanung wird zudem durch die geplante Reaktivierung der WLE-Bahnstrecke Münster–Sendenhorst beeinflusst. Die Bezirksregierung Münster hat dafür am 30. Januar 2026 den Planfeststellungsbeschluss gefasst. Auf Münsteraner Stadtgebiet sollen Züge künftig unter anderem in Angelmodde halten. An allen fünf neuen Münsteraner Stationen sind Mobilstationen vorgesehen.
Für das neue Wohnquartier ist deshalb eine Fuß- und Radverbindung in Richtung Paul-Engelhard-Weg vorgesehen, um den künftigen WLE-Haltepunkt möglichst direkt erreichen zu können. Eine zusätzliche Autoverbindung über diesen Weg schließt die Stadt dagegen wegen der geringen Straßenbreite aus. Damit folgt auch die äußere Erschließung dem Ziel, das neue Viertel möglichst autoarm anzulegen.
Für die Erneuerung und Umgestaltung von Heidestraße und Flaßkuhl setzt die aktuelle Beschlussvorlage 2,44 Millionen Euro an. Die Ausgaben sind nach heutigem Stand auf mehrere Jahre verteilt: 440.000 Euro sind für 2028 vorgesehen, jeweils 800.000 Euro für 2029 und 2030 sowie weitere 400.000 Euro für 2031. Dem stehen erwartete Einnahmen beziehungsweise Refinanzierungen von insgesamt rund zwei Millionen Euro gegenüber.
Für den erstmals auszubauenden nördlichen Stich der Heidestraße erwartet die Stadt eine Refinanzierung von 90 Prozent der beitragsfähigen Kosten nach dem Baugesetzbuch. Für die übrigen, mehr als 50 Jahre alten Straßenabschnitte geht die Verwaltung von einer Landesförderung in Höhe von 80 Prozent der umlagefähigen Kosten aus. Die genaue Verteilung soll erst mit dem späteren Baubeschluss feststehen.
Für die bestehenden Anwohner ist dabei ein Punkt besonders wichtig: Bei der Bürgerbeteiligung 2025 stellte die Stadt klar, dass ihnen durch die Umbauten an Heidestraße und Flaßkuhl keine Kosten entstehen sollen. Nach damaliger Darstellung werden die Straßenarbeiten von Stadt beziehungsweise Land finanziert.
Zunächst geht es noch nicht um den unmittelbaren Baustart. Die Bezirksvertretung Münster-Südost soll am 8. September 2026 über den Planungsbeschluss entscheiden. Stimmt sie zu, folgt die weitere Ausarbeitung. Die Ausführungsplanung soll den politischen Gremien voraussichtlich vor der Sommerpause 2027 mit einem Baubeschluss vorgelegt werden. Erst danach wird die genaue Umsetzung verbindlicher.
Damit zeichnet sich für Angelmodde bereits jetzt ein tiefgreifender Wandel ab: Aus einem ehemaligen Industriestandort soll ein autoarmes Wohnquartier für mehr als tausend Menschen mit Kitas, Spielplatz und einer großen Gesamtschule werden. Der geplante 2,44-Millionen-Euro-Umbau von Heidestraße und Flaßkuhl ist deshalb weit mehr als eine gewöhnliche Straßensanierung. Er schafft die verkehrliche Grundlage für eines der größeren Entwicklungsprojekte im Südosten Münsters.






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