
In NRW steigen rechte Straftaten auf einen neuen Höchststand, und auch Münster bleibt von dieser Entwicklung nicht unberührt. Für das Jahr 2025 wurden in der Stadt 80 politisch rechts motivierte Straftaten erfasst. Damit liegt Münster über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Die Zahlen fallen besonders auf, weil die allgemeine Kriminalität in Münster im selben Zeitraum zurückgegangen ist. Während landesweit mehr rechte Gewalttaten, mehr antisemitische Vorfälle und deutlich mehr queerfeindliche Straftaten registriert wurden, zeigt die Auswertung für Münster: Rechte Kriminalität bleibt auch vor Ort ein eigenständiges Sicherheitsproblem.
Die für Münster ausgewiesenen 80 Fälle zeigen, dass politisch rechts motivierte Kriminalität vor Ort weiterhin ein relevantes Sicherheitsthema bleibt. Der Fünfjahresschnitt von 67 Fällen wird deutlich überschritten. Dorothea Deppermann, Landtagsabgeordnete der Grünen für Münster, sieht darin ein Warnsignal. „Wir müssen uns als Gesellschaft dagegenstellen, dass viele Menschen alltäglich mit diskriminierenden und menschenverachtenden Äußerungen und Angriffen konfrontiert sind“, sagte Deppermann. Jede und jeder sei aufgefordert, menschenverachtendem Gedankengut entschieden zu widersprechen.
Die Zahlen stehen in Münster neben einer insgesamt rückläufigen Kriminalitätsentwicklung. Die Polizei Münster registrierte 2025 insgesamt 31.055 Straftaten. Im Jahr 2024 waren es noch 33.274 Fälle. Die allgemeine Kriminalstatistik und die Statistik zur politisch motivierten Kriminalität erfassen unterschiedliche Bereiche und sind deshalb nicht eins zu eins vergleichbar. Der Vergleich macht aber deutlich, dass rechte Straftaten nicht automatisch mit der allgemeinen Kriminalitätsentwicklung zurückgehen.
Auch landesweit sind politisch rechts motivierte Straftaten erneut gestiegen. In Nordrhein-Westfalen wurden 2025 insgesamt 6.268 Straftaten im Bereich politisch motivierte Kriminalität rechts erfasst. Im Jahr 2024 waren es 5.641 Fälle. Das entspricht einem Anstieg um rund 11 Prozent. Nach Angaben der Grünen Landtagsfraktion wurden in NRW damit so viele rechte Straftaten angezeigt wie noch nie seit Einführung des Erfassungssystems im Jahr 2001.
Die politisch motivierte Kriminalität insgesamt erreichte in Nordrhein-Westfalen ebenfalls einen neuen Höchststand. Die Landesregierung meldete für 2025 insgesamt 13.645 politisch motivierte Straftaten. Im Jahr zuvor waren es 10.772 Fälle. Das entspricht einem Anstieg um rund 27 Prozent. Der Bereich Rechtsextremismus nimmt innerhalb dieser Entwicklung einen großen Anteil ein.
Besonders relevant ist der Blick auf Gewaltdelikte. Die Zahl rechter Gewalttaten stieg in NRW von 154 Fällen im Jahr 2024 auf 191 Fälle im Jahr 2025. Das entspricht einem Plus von 24 Prozent. Der überwiegende Teil dieser Gewalttaten waren Körperverletzungsdelikte. Von 191 rechten Gewalttaten entfielen 183 auf Körperverletzungen.
In der Auswertung werden außerdem Themenfelder genannt, denen die meisten rechten Straftaten zugeordnet wurden. Besonders häufig erfasst wurden Fälle in den Bereichen Nationalsozialismus und Sozialdarwinismus, Hasskriminalität sowie Fremdenfeindlichkeit. Im Themenfeld Nationalsozialismus und Sozialdarwinismus wurden 4.180 Taten registriert. Auf Hasskriminalität entfielen 2.172 Fälle, auf Fremdenfeindlichkeit 2.088 Fälle.
Auch antisemitische Straftaten nahmen in Nordrhein-Westfalen weiter zu. Die Zahl stieg von 695 Fällen im Jahr 2024 auf 786 Fälle im Jahr 2025. Das entspricht einem Plus von 13 Prozent. Nach den vorliegenden Angaben erreichte auch dieser Bereich einen neuen Höchststand. Neun der antisemitischen Straftaten wurden als Gewaltdelikte erfasst.
Die Zuordnung antisemitischer Straftaten verteilt sich auf verschiedene Bereiche der politisch motivierten Kriminalität. Rund 42 Prozent wurden der politisch motivierten Kriminalität rechts zugerechnet. Weitere Fälle entfielen auf die Bereiche ausländische Ideologie, religiöse Ideologie und sonstige Zuordnungen. Damit zeigt die Statistik, dass Antisemitismus in mehreren extremistischen und politisch motivierten Kontexten erfasst wird.
Deutlich gestiegen sind 2025 auch queerfeindliche Straftaten. Straftaten gegen die sexuelle Orientierung nahmen in NRW von 203 Fällen im Jahr 2024 auf 257 Fälle im Jahr 2025 zu. Das entspricht einem Anstieg um 27 Prozent. Straftaten gegen die geschlechtsbezogene Diversität stiegen von 105 auf 162 Fälle. Das ist ein Plus von 54 Prozent.
Auch antiziganistische Straftaten wurden häufiger registriert. Die Zahl stieg von 30 Fällen im Jahr 2024 auf 44 Fälle im Jahr 2025. Das entspricht einem Anstieg um 47 Prozent. Der größte Teil dieser Taten wurde der politisch motivierten Kriminalität rechts zugeordnet. Bei islamfeindlichen Straftaten gab es dagegen einen leichten Rückgang von 338 auf 330 Fälle. Zugleich wurden in diesem Bereich 25 Gewaltdelikte erfasst.
Für 2025 wurden in NRW mehrere Kategorien erstmals gesondert ausgewiesen. Dazu gehören Straftaten aufgrund politischer Ausrichtung, Straftaten gegen Menschen mit Behinderung und Straftaten aufgrund des gesellschaftlichen Status. Bei Straftaten aufgrund politischer Ausrichtung wurden 8.391 Fälle erfasst. Davon wurden 32 Prozent der politisch motivierten Kriminalität sonstige Zuordnung, 29 Prozent der politisch motivierten Kriminalität rechts und 27 Prozent der politisch motivierten Kriminalität links zugerechnet.
Bei Straftaten gegen Menschen mit Behinderung wurden 33 Fälle registriert. Davon wurden 24 Fälle der politisch motivierten Kriminalität rechts zugeordnet. Bei Straftaten aufgrund des gesellschaftlichen Status wurden 34 Fälle erfasst. Vier davon richteten sich gegen obdachlose Menschen.
In Nordrhein-Westfalen gibt es mehrere Melde- und Informationsstellen, die Betroffene und Zeuginnen und Zeugen unterstützen sollen. Dazu gehören Angebote zu Queerfeindlichkeit, antimuslimischem Rassismus, Antiziganismus beziehungsweise Antiromaismus sowie weiteren rassistischen Vorfällen. Die Melde- und Informationsstelle Queerfeindlichkeit NRW dokumentiert und analysiert queerfeindliche Vorfälle, informiert über das Thema und verweist auf Unterstützungsmöglichkeiten.
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