
Münster. Kleine, batteriebetriebene Roboter könnten künftig dabei helfen, die Landwirtschaft wirtschaftlicher und umweltschonender zu gestalten. Darauf deutet eine neue Studie der Universität Münster und der University of California in Davis hin. Besonders beim Anbau von Zwiebeln und Salat sehen die Wissenschaftler Potenzial, Kosten und Treibhausgasemissionen zu verringern. Allerdings zeigen die Berechnungen auch, dass der Einsatz von Agrarrobotern nicht automatisch Vorteile bringt.
Für ihre Untersuchung entwickelten die Forschenden ein Modell, das den Einsatz eines rund 200 Kilogramm schweren, elektrisch betriebenen Agrarroboters simuliert. Dieser könnte verschiedene landwirtschaftliche Aufgaben selbstständig übernehmen, darunter die Bodenvorbereitung, Aussaat, Unkrautbekämpfung, Bewässerung und Düngung.
Untersucht wurden Erdbeeren, Zwiebeln, Salat und Erdnüsse, jeweils im konventionellen und ökologischen Anbau. Die Wissenschaftler berechneten, welche Produktionskosten und Treibhausgasemissionen beim Einsatz solcher Maschinen entstehen könnten. Grundlage waren veröffentlichte Forschungsdaten, technische Angaben zu Agrarrobotern und Informationen aus einer Ökobilanzdatenbank.
Die Ergebnisse fallen unterschiedlich aus: Je nach berechnetem Szenario lagen die Produktionskosten bis zu 76 Prozent unter, teilweise aber auch bis zu 17 Prozent über den Vergleichswerten aus der wissenschaftlichen Literatur. Die Treibhausgasemissionen bewegten sich überwiegend am unteren Ende der bekannten Vergleichsbereiche oder darunter. Besonders aussichtsreich erschien der Einsatz der Roboter beim Anbau von Zwiebeln und Salat, vor allem in der ökologischen Landwirtschaft.
Entscheidend für mögliche wirtschaftliche und ökologische Vorteile ist nach Einschätzung des Forschungsteams weniger der Roboter selbst als vielmehr seine Fähigkeit, Betriebsmittel gezielter einzusetzen. Dazu gehören unter anderem Saatgut, Wasser, Dünger, Pflanzenschutzmittel und Strom. Auch der erforderliche Arbeitsaufwand spielt eine wichtige Rolle.
Diese variablen Produktionsfaktoren machten in den untersuchten Szenarien zwischen 72 und 90 Prozent der Kosten aus. Zugleich waren sie für 72 bis 95 Prozent der berechneten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Können autonome Maschinen den Einsatz solcher Ressourcen reduzieren, lassen sich möglicherweise sowohl Kosten als auch Emissionen senken.
Stephan von Delft vom Institut für Wirtschaftschemie der Universität Münster betont allerdings, dass der Einsatz eines Roboters allein noch keine nachhaltigere Landwirtschaft garantiere. Entscheidend sei, ob durch die präzisere Bewirtschaftung tatsächlich weniger Ressourcen benötigt würden. Insbesondere für kleinere und mittlere landwirtschaftliche Betriebe könnten kompakte Maschinen interessant werden. Denkbar sei außerdem, dass mehrere Betriebe oder Genossenschaften solche Roboter gemeinsam nutzen.
Die Forschenden weisen ausdrücklich darauf hin, dass ihre Ergebnisse auf einer Modellstudie beruhen. Ein praktischer Nachweis der berechneten Einsparungen unter realen Bedingungen auf landwirtschaftlichen Flächen wurde damit nicht erbracht.
Auch die Ernte selbst wurde nicht als Tätigkeit des Agrarroboters simuliert. Da sich die Ernteverfahren je nach Kulturpflanze erheblich unterscheiden, berücksichtigten die Wissenschaftler für ihre Kostenvergleiche stattdessen vorhandene Literaturdaten. Mögliche Auswirkungen auf die Treibhausgasbilanz wurden zusätzlich anhand unterschiedlicher Annahmen untersucht.
Bevor landwirtschaftliche Betriebe entsprechende Investitionsentscheidungen treffen, müssten die Berechnungen deshalb an die örtlichen Bedingungen und tatsächlichen Betriebsdaten angepasst werden. Die Studie liefert damit vor allem Anhaltspunkte dafür, bei welchen Kulturpflanzen und Anbauverfahren sich weitere praktische Untersuchungen lohnen könnten.
Die Ergebnisse wurden am 2. November 2026 in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht. Beteiligt waren Forschende der Universität Münster und der University of California, Davis.
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