
Zwei bekannte Persönlichkeiten aus Münster werden mit dem Bundesrverdienstorden ausgezeichnet: Der frühere CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz und die Publizistin Marina Weisband erhalten die Ehrung am 5. Oktober 2026 von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Insgesamt sollen anlässlich des Tags der Deutschen Einheit 21 Bürgerinnen und Bürger ausgezeichnet werden.
Beide verbindet ein langjähriges Engagement für Demokratie und politische Bildung. Gerade bei Polenz sorgt die Würdigung seines politischen Austauschs in sozialen Medien allerdings auch für Kritik.
Polenz lebt seit seinem Studium in Münster und vertrat die Stadt von 1994 bis 2013 im Bundestag. Von 2005 bis 2013 leitete er den Auswärtigen Ausschuss, im Jahr 2000 war er für einige Monate CDU-Generalsekretär.
Bei der Ehrung geht es jedoch nicht allein um seine politische Karriere. Gewürdigt wird sein jahrzehntelanges Engagement unter anderem für internationale Verständigung, interreligiösen Dialog und demokratischen Austausch. Besonders hervorgehoben wird zudem seine Präsenz in den sozialen Medien, wo Polenz regelmäßig politische Debatten führt und nach Darstellung des Bundespräsidialamts demokratische Werte vermittelt. Polenz ist heute besonders auf X (ehemals Twitter) präsent. Dort tritt er für eine klare Abgrenzung der CDU von der AfD ein und fordert inzwischen auch ein Verbotsverfahren gegen die Partei.
Gerade Polenz‘ Kommunikationsstil ist allerdings immer wieder umstritten. Im April 2026 bezeichnete er den CDU-nahen Politikberater Baha Jamous und weitere Befürworter einer unionsgeführten Minderheitsregierung mit AfD-Duldung als „Volksgenossen“. Nach Kritik löschte er den Beitrag und entschuldigte sich öffentlich. Seine eigene Bewertung fiel eindeutig aus: Die Wortwahl sei falsch gewesen.
Auch frühere Beiträge werden von Kritikern angeführt. Im August 2025 schrieb Polenz in einer Debatte über Vornamen von Bürgergeldempfängern, die letzten Menschen, die in Deutschland wegen ihrer Vornamen diskriminiert hätten, seien die Nationalsozialisten gewesen. Gegner warfen ihm vor, aktuelle politische Auseinandersetzungen damit unnötig mit der NS-Zeit zu verknüpfen.
Bereits während der Corona-Pandemie hatte eine Äußerung über Geimpfte und Ungeimpfte für Widerspruch gesorgt. Polenz schrieb im August 2021, Gleichbehandlung bedeute auch, Ungleiches ungleich zu behandeln. Geimpfte und Ungeimpfte seien nicht gleich, weshalb eine unterschiedliche Behandlung folgerichtig sei.
Auch Marina Weisband hat einen engen Bezug zu Münster: Sie studierte hier Psychologie und lebt heute in der Stadt. Bundesweit bekannt wurde sie zunächst als politische Geschäftsführerin der Piratenpartei. Inzwischen arbeitet sie als Publizistin und Beteiligungspädagogin und engagiert sich bei Bündnis 90/Die Grünen.
Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist das Beteiligungsprojekt „aula“. Schülerinnen und Schüler sollen dabei lernen, konkrete Entscheidungen an ihren Schulen selbst mitzugestalten. Darüber hinaus beschäftigt sich Weisband seit Jahren mit Antisemitismus, jüdischem Leben und demokratischer Bildung. 2021 sprach sie bei der Gedenkstunde des Bundestages für die Opfer des Nationalsozialismus.
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