„Da Vinci“ fürs Clemenshospital: Was der Hightech-OP-Roboter kann

Neuer OP-Roboter am Clemenshospital: Erste Eingriffe starten im Herbst
Foto: Alexianer

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Münster. Im Operationssaal des Clemenshospitals hält eine Technik Einzug, die Chirurgen bei besonders anspruchsvollen minimalinvasiven Eingriffen unterstützen soll. Noch in diesem Herbst will die Klinik das Operationssystem „da Vinci“ schrittweise in Betrieb nehmen. Zunächst soll der Roboter in der Allgemein- und Viszeralchirurgie, der Thoraxchirurgie sowie der Gynäkologie eingesetzt werden.

Dabei ist „Roboter“ nicht mit einem selbstständig operierenden System zu verwechseln. Jeder Eingriff wird weiterhin vollständig von einem Arzt gesteuert. Die Technik überträgt dessen Bewegungen auf kleine Instrumente im Körper und ermöglicht gleichzeitig eine stark vergrößerte dreidimensionale Sicht auf das Operationsgebiet. Für das Clemenshospital ist die Anschaffung eine größere technische Erweiterung. Für Münster insgesamt ist die Methode allerdings nicht neu.

Bis zu zehnfache Vergrößerung im Operationssaal

Der Operateur sitzt während eines Eingriffs an einer Steuerkonsole. Seine Hand- und Fingerbewegungen werden auf die Instrumente am Patienten übertragen. Nach Angaben des Clemenshospitals bietet das System eine hochauflösende 3D-Darstellung mit bis zu zehnfacher Vergrößerung. Die Instrumente lassen sich zudem in mehreren Richtungen bewegen und können dadurch insbesondere in engen oder schwer erreichbaren Körperregionen eingesetzt werden.

Der Roboter trifft dabei keine eigenen medizinischen Entscheidungen. Die Bewegungen werden vom Operateur vorgegeben und vom System umgesetzt. Genau diese Kombination aus Schlüssellochtechnik, vergrößerter Sicht und sehr beweglichen Instrumenten macht da Vinci vor allem für komplizierte Eingriffe interessant.

Am Clemenshospital soll das System unter anderem bei Operationen an Darm, Leber und Bauchspeicheldrüse eingesetzt werden. In der Gynäkologie nennt die Klinik beispielsweise Endometriose, urogynäkologische Eingriffe und gynäkologische Krebserkrankungen. Welche Operationsmethode gewählt wird, soll weiterhin von Erkrankung und individueller Situation der Patienten abhängen.

Mehr als 11.000 da-Vinci-Systeme weltweit

So futuristisch die Technik aussieht, neu ist sie nicht. Hersteller Intuitive brachte das erste da-Vinci-Operationssystem bereits 1999 in Europa auf den Markt. Im Juli 2000 erhielt das System in den USA die Freigabe für laparoskopische Operationen. Inzwischen existieren fünf Generationen der Plattform.

Die Technik hat sich seitdem stark verbreitet. Zum 30. Juni 2026 waren nach Unternehmensangaben weltweit rund 11.710 da-Vinci-Systeme installiert, davon 2.325 in Europa. Gegenüber dem Vorjahr wuchs der weltweite Bestand um zwölf Prozent. Allein im zweiten Quartal 2026 wurden 468 weitere Systeme ausgeliefert.

Auch im deutschsprachigen Raum handelt es sich längst nicht mehr um eine absolute Seltenheit. Intuitive gibt für Deutschland, Österreich und die Schweiz für Ende 2025 mehr als 500 installierte da-Vinci-Systeme an. Die Anschaffung bleibt dennoch eine erhebliche Investition für ein Krankenhaus. Wie viel das Clemenshospital für sein System bezahlt, wurde nicht mitgeteilt.

Münster kennt „Da Vinci“ bereits

Das Clemenshospital ist nicht das erste Krankenhaus in Münster mit robotischer Chirurgie. Am Universitätsklinikum Münster wird bereits seit Jahren mit entsprechenden Systemen operiert. Das UKM gründete 2018 ein eigenes Zentrum für robotische Chirurgie und meldete im September 2025 den 5.000. roboterassistierten Eingriff. Zu diesem Zeitpunkt betrieb das Universitätsklinikum fünf Robotik-Systeme, darunter mehrere da-Vinci-Geräte. In der Urologie des UKM wird bereits seit 2014 roboterunterstützt operiert.

Auch das St. Franziskus-Hospital setzt die Technik ein. Dort wurde 2022 ein da-Vinci-System für komplexe minimalinvasive Eingriffe eingeführt. Zum Einsatz kommt es unter anderem bei Operationen im Magen-Darm-Bereich und in der Gynäkologie.

Mit dem Clemenshospital kommt somit ein weiterer großer Münsteraner Klinikstandort hinzu. Die Robotik gewinnt damit auch außerhalb der Universitätsmedizin in der Stadt weiter an Bedeutung.

Hightech bedeutet nicht bei jeder Operation automatisch bessere Ergebnisse

Das Clemenshospital verbindet mit der neuen Technik unter anderem die Erwartung, komplexe Eingriffe präziser und gewebeschonender durchführen zu können. Solche Vorteile lassen sich allerdings nicht pauschal auf jede Erkrankung und jede Operation übertragen.

Bei Darmkrebs zeigen aktuelle wissenschaftliche Auswertungen Vorteile bei einzelnen Punkten. Eine Meta-Analyse randomisierter Studien aus dem Jahr 2026 kam beispielsweise zu dem Ergebnis, dass bei roboterassistierten Eingriffen seltener während der Operation auf eine offene Operation gewechselt werden musste und der Krankenhausaufenthalt etwas kürzer ausfiel. Gleichzeitig dauerten die Eingriffe im Durchschnitt länger, während sich die Komplikationsraten nicht grundsätzlich unterschieden.

Bei Endometriose fällt die Studienlage zurückhaltender aus. Eine systematische Übersichtsarbeit fand gegenüber der herkömmlichen Bauchspiegelung keine eindeutig nachweisbaren generellen Vorteile der Robotertechnik. Welche Methode sinnvoll ist, hängt daher wesentlich vom konkreten Eingriff, der Erkrankung und der Erfahrung des Operationsteams ab.

Vor dem ersten Eingriff steht umfangreiches Training

Am Clemenshospital soll das System deshalb schrittweise eingeführt werden. Nicht nur die Operateure werden dafür geschult. Auch OP-Pflegekräfte, Anästhesieteam und Mitarbeitende der Sterilgutversorgung durchlaufen nach Angaben der Klinik ein mehrstufiges Trainings- und Simulationsprogramm gemeinsam mit dem Hersteller Intuitive.

Wann genau der erste Patient mit Unterstützung des neuen Systems operiert wird, hat das Clemenshospital noch nicht genannt. Fest steht bislang lediglich, dass die ersten Eingriffe im Laufe dieses Herbstes stattfinden sollen. Welches konkrete da-Vinci-Modell die Klinik angeschafft hat, geht aus der Mitteilung ebenfalls nicht hervor.

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