G9-Umstellung wirkt nach: Universität Münster erwartet 2026 weniger Erstsemester

NRW mildert Kürzungen für Hochschulen: Uni Münster hofft auf Entlastung
Foto: Erich Westendarp

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Münster. Die Universität Münster stellt sich für das Studienjahr 2026 auf eine außergewöhnliche Situation ein. Grund ist der in Nordrhein-Westfalen weitgehend ausfallende Abiturjahrgang, der auf die Rückkehr von der acht- zur neunjährigen Gymnasialzeit zurückgeht. Landesweit rechnen die Universitäten mit einem einmaligen Rückgang der Erstsemesterzahlen um rund 19 Prozent. Münster geht dennoch davon aus, auch 2026 deutlich über 40.000 Studierende zu haben.

G9-Umstellung sorgt für Lücke beim Abitur

Auslöser ist die schrittweise Umstellung der Gymnasien in NRW auf G9. Der letzte Jahrgang nach dem verkürzten Bildungsgang legte 2025 sein Abitur ab, der erste reguläre G9-Jahrgang folgt erst 2027. Im Kalenderjahr 2026 entsteht dadurch eine deutliche Lücke bei den Schulabgängerinnen und Schulabgängern mit allgemeiner Hochschulreife.

Ganz ohne Studienberechtigte bleibt das Jahr jedoch nicht. Abiturabschlüsse von Gesamtschulen und Berufskollegs sowie einzelne Wiederholungen sorgen dafür, dass weiterhin Bewerbungen eingehen. Die Zahl liegt aber deutlich unter dem Niveau regulärer Jahre.

Universität Münster bleibt trotz Rückgang stabil

Die Universität Münster erwartet, dass der Effekt vor allem die Neueinschreibungen betrifft, nicht aber die Gesamtgröße der Hochschule. Münster zählt seit Jahren zu den größten Universitätsstandorten Deutschlands und zieht viele Studierende auch aus anderen Bundesländern an. Dieser überregionale Zulauf könnte den Rückgang zumindest teilweise abfedern.

Ob und wie sich die Situation auf zulassungsbeschränkte Studiengänge auswirkt, ist offen. Das betrifft insbesondere stark nachgefragte Fächer wie Rechtswissenschaften oder Psychologie. Numerus-clausus-Grenzen entstehen an der Universität Münster jeweils neu aus der tatsächlichen Bewerberlage eines Semesters. Weniger Bewerbungen können rechnerisch Veränderungen mit sich bringen, garantieren aber keine automatisch niedrigeren Grenzwerte.

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Andere Hochschulstandorte stärker betroffen

Während Münster von seiner Größe und Attraktivität profitiert, rechnen andere Standorte mit deutlich stärkeren Einschnitten. So wird etwa an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf damit gerechnet, dass die Zahl der Bewerbungen in einzelnen Studiengängen erheblich zurückgeht. Auch an der Universität Duisburg-Essen sowie an kleineren Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften wird mit spürbaren Rückgängen bei den Erstsemestern geplant.

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Hochschulen in stark nachgefragten Metropolregionen hoffen, einen Teil des Effekts durch Studierende aus anderen Bundesländern abzufangen. Ländlicher gelegene Standorte könnten dagegen stärker mit sinkenden Anfängerzahlen konfrontiert sein.

Landesrektorenkonferenz spricht von Sondereffekt

Nach Einschätzung der Landesrektorenkonferenz der Universitäten in NRW handelt es sich um einen einmaligen Sondereffekt. Bereits ab 2027 wird mit dem ersten vollständigen G9-Abiturjahrgang wieder ein deutlicher Anstieg der Studienanfängerzahlen erwartet.

Für Münster bedeutet das Jahr 2026 damit vor allem ein planerisch besonderes Studienjahr, aber keinen strukturellen Einschnitt. Die Universität bereitet sich auf geringere Erstsemesterzahlen vor, sieht ihre Rolle als einer der zentralen Hochschulstandorte in NRW jedoch nicht grundsätzlich gefährdet.

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