
Münster. An der Überwasserkirche in Münster zeigt sich derzeit, wie eng moderne Bauarbeiten und Stadtgeschichte in der Altstadt miteinander verbunden sind. Bei der Verlegung einer Fernwärmeleitung ist die Stadtarchäologie Münster auf zahlreiche Bestattungen gestoßen. Nach den vorliegenden Angaben wurden mehr als 50 Gräber festgestellt, 25 davon bereits geborgen. Die Funde liegen im Bereich des früheren Gemeindefriedhofs von St. Marien Überwasser, der bis zum Ende des 18. Jahrhunderts genutzt wurde. Die entdeckten Überreste sollen nun wissenschaftlich untersucht werden, bevor eine spätere Beisetzung auf dem Zentralfriedhof vorgesehen ist.
Der aktuelle Fund ist nicht nur wegen der Zahl der Bestattungen bemerkenswert. Er verweist auch auf die besondere historische Dichte des Quartiers rund um die Überwasserkirche. Das Umfeld von Liebfrauen-Überwasser gehört seit Langem zu den archäologisch wichtigen Bereichen Münsters. Auf der Veröffentlichungsseite der Stadtarchäologie verweist die Stadt Münster eigens auf eine wissenschaftliche Monografie zu den Ausgrabungen an der Pfarrkirche Liebfrauen-Überwasser. Das macht deutlich, dass der Ort schon seit Jahren Gegenstand intensiver Forschung ist und frühere Grabungen dort bereits wesentliche Erkenntnisse zur Entwicklung dieses Stadtbereichs geliefert haben.
Gerade deshalb wirkt der jetzige Gräberfund Münster wie ein neues Kapitel in einer längeren Fundgeschichte und nicht wie ein isolierter Einzelfall. Schon vor mehr als 20 Jahren waren in unmittelbarer Nähe zahlreiche weitere Bestattungen freigelegt worden. Die ältesten davon stammten nach den vorliegenden Angaben aus dem 10. Jahrhundert. Dass nun erneut Gräber auftauchen, passt also zu dem historischen Bild dieses Ortes. In mittelalterlichen Städten lagen Friedhöfe oft direkt an den Pfarrkirchen, mitten im bebauten Raum. In Münster wird bei Tiefbauarbeiten deshalb immer wieder sichtbar, dass unter Straßen und Leitungen nicht nur Mauerreste, sondern auch Spuren des Alltags und des Totengedenkens früherer Jahrhunderte erhalten geblieben sind. Die Arbeiten an der Überwasserkirche führen dieses Muster nun erneut vor Augen.
Archäologisch interessant ist der Fund nicht allein wegen seines Alters, sondern auch wegen der Fragen, die sich daran knüpfen. Die derzeit geborgenen Bestattungen stammen aus Mittelalter und früher Neuzeit. Nach den bisherigen Angaben handelt es sich bei den Toten überwiegend um Jugendliche. Solche Befunde sind für die Forschung besonders aufschlussreich, weil sie Rückschlüsse auf Lebensverhältnisse, Gesundheitszustand und Sterblichkeit früherer Bevölkerungsgruppen zulassen können. Die wissenschaftliche Untersuchung endet deshalb nicht mit der Bergung in der Baugrube. Erst die Auswertung der Knochen und der Lage der Gräber kann zeigen, wie der Friedhof genutzt wurde und welche Rolle er im Pfarrleben von Überwasser spielte.
Zugleich bleibt der Blick in den Untergrund vorerst begrenzt. Die Baugrube für die Leitung reicht nur bis in eine Tiefe von rund 1,30 Metern. Tiefer liegende Befunde werden im Rahmen der laufenden Maßnahme nicht freigelegt. Auch das ist ein wichtiger Punkt, denn der aktuelle Eingriff erfasst nur den Bereich, der durch die Bauarbeiten unmittelbar betroffen ist. Es ist also gut möglich, dass unterhalb der heutigen Eingriffstiefe weitere Spuren des alten Friedhofs erhalten sind. Für Münster zeigt der Fund damit zweierlei: Zum einen wird sichtbar, wie sorgfältig archäologische Begleitung bei innerstädtischen Bauprojekten arbeiten muss. Zum anderen erinnert die Entdeckung daran, dass die Geschichte der Stadt nicht nur in Archiven und Museen liegt, sondern oft noch direkt unter dem Asphalt der Gegenwart.
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