
Münster. Ein bundesweites KI-Ranking zur Attraktivität von Bundestagsabgeordneten hat auch zwei Politikerinnen aus Münster erfasst. In der Auswertung des Portals BILD-Dating, die auf offiziellen Porträtfotos der Bundestagsmitglieder basiert, werden Kathrin Gebel (Die Linke) und Svenja Schulze (SPD) gelistet. Gebel erreicht dabei 7,21 Punkte (Platz 104), Schulze 6,56 Punkte (Platz 219). Bewertet wurden ausschließlich äußere Merkmale auf einer Skala von eins bis zehn.
Für Münster ist das nicht nur eine Randnotiz aus dem politischen Berlin, sondern auch ein Anlass für eine Grundsatzfrage: Was passiert, wenn politische Repräsentation in der Öffentlichkeit erneut auf Äußerlichkeiten reduziert wird – und eine KI dieses Prinzip scheinbar „objektiv“ verstärkt?
Die Linken-Abgeordnete Kathrin Gebel landet in der Auswertung im oberen Drittel. Svenja Schulze, SPD-Politikerin mit langer bundespolitischer Erfahrung, wird im Mittelfeld geführt. Beide Platzierungen sagen nichts über politische Arbeit, Fachkompetenz oder Einfluss aus. Genau das ist der Kern des Problems: Der Kontext der parlamentarischen Arbeit verschwindet hinter einem Wert, der an die Logik von Dating-Plattformen erinnert.
Attraktivitätsrankings sind nicht neu, aber durch KI bekommen sie einen anderen Anstrich. Was früher klar als subjektive Geschmackssache erkennbar war, wirkt plötzlich messbar und neutral. Moralisch ist das heikel, weil dadurch eine Bewertung legitimiert wird, die sich im Kern auf Körper, Gesichtszüge und äußere Wirkung reduziert.
Politik lebt davon, dass Menschen über Inhalte, Entscheidungen und Verantwortung urteilen können. Wenn stattdessen ein vermeintlich objektives Punktesystem in den Vordergrund rückt, verschiebt sich die Aufmerksamkeit. Das kann Debatten verflachen und das Bild verstärken, dass öffentliche Personen vor allem „performen“ müssen – nicht argumentieren.
Ethisch relevant ist auch, dass KI kein unabhängiger Richter ist. Solche Systeme lernen aus bestehenden Daten und spiegeln damit gesellschaftliche Normen. Wenn ein Algorithmus „attraktiv“ bewertet, kann das alte Muster verstärken: bestimmte Altersbilder, bestimmte Schönheitsideale, bestimmte Bildästhetiken. Wer nicht in dieses Raster passt, wird statistisch eher nach unten sortiert – ohne dass die betroffene Person überhaupt Einfluss darauf hat.
Das ist besonders sensibel, weil politische Repräsentation gerade Vielfalt abbilden soll. Ein Ranking, das visuelle Normen belohnt, wirkt dem entgegen: Es bevorzugt, was schon in Medien und Werbung häufig als „ideal“ gilt.
Solche Formate treffen erfahrungsgemäß Frauen härter. Viele Politikerinnen berichten seit Jahren, dass sie stärker nach Auftreten, Kleidung und Aussehen beurteilt werden als Kollegen. Ein KI-Ranking kann diesen Mechanismus verstärken, weil es das Thema auf eine neue Stufe hebt: Nicht nur Kommentare, sondern Zahlen. Das schafft zusätzlichen Druck und kann langfristig die Frage beeinflussen, wer sich Politik überhaupt noch antut.
Für Münster ist das relevant, weil hier mit Schulze und Gebel zwei bekannte Gesichter öffentlich bewertet werden – unabhängig davon, ob sie das wollen. Die Person wird zur Oberfläche gemacht, die politische Leistung zur Fußnote.
Die lokale Perspektive ist nüchtern: Münster ist im Ranking vertreten, aber der eigentliche Wert der Debatte liegt nicht in den Punktzahlen. Entscheidend ist die Frage, welche Kultur wir politischer Öffentlichkeit zumuten wollen. Wenn Politik zunehmend über visuelle Signale läuft, wird es schwerer, Differenzen über Inhalte auszutragen – und leichter, Menschen auf äußerliche Kategorien zu reduzieren.
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