Kita-Schließungen in Münster: Parteien warnen vor Vertrauensverlust bei Familien

Zu wenige Kinder, zu viele Kita-Plätze: Münster plant Schließungen, Gruppenabbau und Finanzhilfen für Träger. Entscheidung im März.
Foto: La-Rel Easter auf Unsplash

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Münster. Die Stadt Münster plant, zwei städtische Kindertageseinrichtungen zum kommenden Kitajahr zu schließen. Begründet wird der Schritt mit deutlich gesunkenen Anmeldezahlen, Unterbelegungen und finanziellen Belastungen für Stadt und Träger. Die Ankündigung hat im Rat eine intensive Debatte ausgelöst. Zwar erkennen alle großen Fraktionen den veränderten Bedarf an – zugleich wächst die Sorge, dass Familien und Beschäftigte das Vertrauen in die Verlässlichkeit der kommunalen Betreuung verlieren könnten.

Sinkende Anmeldezahlen setzen die Stadt unter Druck

Noch vor wenigen Jahren stand Münster vor einem massiven Mangel an Kita-Plätzen. Nun hat sich die Lage spürbar gedreht. Die Zahl der Anmeldungen ist nach Angaben der Stadtverwaltung deutlich zurückgegangen, gleichzeitig gibt es freie Plätze in angrenzenden Wohnorten. Für die Stadt bedeutet das Unterbelegungen und steigende finanzielle Belastungen. Mit den geplanten Schließungen will die Verwaltung das System stabilisieren und an den tatsächlichen Bedarf anpassen.

Grüne fordern Perspektiven für Beschäftigte und Alternativen für Familien

Die Grüne Ratsfraktion Münster zeigt grundsätzlich Verständnis für den Kurs der Verwaltung. Fraktionssprecher Albert Wenzel verweist auf den schnellen Einbruch der Anmeldezahlen und sieht darin einen klaren Handlungsauftrag. „Angesichts der sehr deutlich und rasch eingebrochenen Zahl der Kita-Anmeldungen in Münster ist es aus unserer Sicht verständlich, dass die Stadtverwaltung bei den Kitas Handlungsbedarf sieht“, erklärt er.

Gleichzeitig betont Wenzel, dass die Grünen die Vorschläge sorgfältig prüfen wollen. Entscheidend sei, dass die Beschäftigten weiterhin eine Perspektive bei der Stadt erhalten und dass Eltern und Kinder gut erreichbare Alternativen im jeweiligen Stadtteil finden. Der kinder- und jugendpolitische Sprecher Leon Herbstmann verweist auf die emotionale Dimension der Debatte. „Ich kann sehr gut verstehen, dass die Stadt durch die vorgeschlagenen Kita-Schließungen Eltern und Kinder enttäuscht und verunsichert“, sagt er. Ein dauerhaftes Überangebot an Plätzen sei jedoch nicht nachhaltig. Ziel müsse eine verlässliche Planung gemeinsam mit Trägern, Eltern und Beschäftigten sein.

SPD spricht von Zumutung und warnt vor Brüchen für Familien

Deutlich kritischer äußert sich die SPD-Ratsfraktion Münster. Für die familienpolitische Sprecherin Dr. Tanja Andor sind die Pläne ein schwerer Einschnitt. „Diese Entscheidung ist für die betroffenen Familien und die Beschäftigten sehr schwer. Schließung funktionierender, gut arbeitender Kitas sind eine große Zumutung“, erklärt sie.

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Für die SPD steht im Mittelpunkt, dass jedes betroffene Kind einen wohnortnahen und verlässlichen Alternativplatz erhält und Geschwisterkinder nicht getrennt werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Zukunft der Beschäftigten. Fraktionsvorsitzende Lia Kirsch fordert klare Zusagen: „Es darf keine Kündigungen geben. Wir erwarten, dass gemeinsam mit den Beschäftigten eine Weiterbeschäftigung in anderen städtischen Kitas umgesetzt wird.“ Gleichzeitig sieht die SPD in der veränderten Platzsituation auch Chancen, um Betreuungsqualität und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Sorge bereitet der Fraktion zudem die geplante KiBiz-Reform des Landes NRW, die aus ihrer Sicht keine zusätzlichen Belastungen für Kommunen bringen dürfe.

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CDU sieht Anpassung als notwendig an

Auch die CDU-Ratsfraktion Münster hält eine Reaktion der Stadt für unumgänglich. Ratsfrau Carmen Greefrath verweist darauf, dass sich der Betreuungsbedarf stadtweit innerhalb kurzer Zeit deutlich verändert habe. „Die ausreichende Versorgung mit Kitaplätzen und damit die Verlässlichkeit für Familien muss in Münster dauerhaft gewährleistet werden“, erklärt sie. Aus Sicht der CDU gehe es nun darum, das gesamte System zu stabilisieren und bei einer Überversorgung gezielt nachzusteuern, ohne die Perspektive der Kinder aus dem Blick zu verlieren.

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