
Klimaanlagen in Unterrichtsräumen, mehr Schatten auf Schulhöfen und kostenloses gekühltes Trinkwasser: Der Jugendrat Münster fordert einen deutlich stärkeren Hitzeschutz an Schulen. Das gewählte Gremium hat dazu einen umfangreichen Forderungskatalog an Oberbürgermeister und Rat gerichtet. Die Initiative wurde am 6. Juli 2026 einstimmig beschlossen. Sie geht deutlich über kurzfristige Maßnahmen für einzelne Hitzetage hinaus – der Jugendrat verlangt bauliche Veränderungen an Schulgebäuden und Schulhöfen und nimmt auch Klausuren bei hohen Temperaturen ins Visier.
Besonders weitreichend sind die Forderungen für die Unterrichtsräume. Nach Vorstellung des Jugendrates sollen Klassen grundsätzlich mit Klimaanlagen ausgestattet werden – alternativ könnten Schulen Wärmepumpen erhalten, die auch zur Kühlung eingesetzt werden können. Ventilatoren sieht das Gremium lediglich als kurzfristige Übergangslösung. Bis umfassendere Maßnahmen umgesetzt sind, sollen nach dem Vorschlag wenigstens zwei Räume pro Schule klimatisiert werden. Diese könnten insbesondere für Klausuren und Klassenarbeiten genutzt werden.
In seiner ausführlichen Begründung beschreibt der Jugendrat vor allem Altbauten, Räume mit Südfenstern und höhere Stockwerke als besonders anfällig für hohe Temperaturen. Als Ziel formuliert das Gremium, dass Klassenräume nicht wärmer als 25 Grad werden sollen. Für die Kühlung nennt der Jugendrat neben fest installierten Anlagen auch portable Split-Geräte und Wärmepumpen als mögliche technische Lösungen. Wie genau eine solche Ausstattung umgesetzt und finanziert werden könnte, geht aus der Anregung nicht hervor.
Der Forderungskatalog endet nicht an der Klassenzimmertür. Auch die Schulhöfe sollen nach Ansicht des Jugendrates konsequent an heißere Sommer angepasst werden. Vorgesehen sind kurzfristig beispielsweise Sonnensegel. Langfristig sollen klimaresiliente Bäume Schatten liefern und versiegelte Flächen zurückgebaut werden. Der Jugendrat begründet das damit, dass sich stark betonierte Schulhöfe in Hitzeperioden erheblich aufheizen und dadurch als Aufenthaltsflächen an Qualität verlieren.
Dabei spricht sich das Gremium ausdrücklich auch dafür aus, möglichst bereits größere Bäume einzusetzen, weil Neupflanzungen erst nach Jahren ausreichend Schatten bieten. Zusätzlich sollen Dächer und Fassaden künftig stärker gegen sommerliche Hitze geschützt beziehungsweise entsprechend umgebaut werden. Eine weitere Forderung betrifft die Wasserversorgung: An jeder Schule in Münster soll nach Vorstellung des Jugendrates ein Trinkwasserspender mit kostenlosem gekühltem Wasser zur Verfügung stehen.
Auch bei Klassenarbeiten und Prüfungen verlangt der Jugendrat Veränderungen. Stadt und Ratsfraktionen sollen sich gegenüber Landesbehörden, Landespolitik und Schulen dafür einsetzen, dass an heißen Tagen keine Klausuren und Prüfungen geschrieben werden, wenn keine ausreichend gekühlten Räume vorhanden sind. Der Jugendrat hält dafür langfristig auch eine Änderung der landesrechtlichen Rahmenbedingungen für notwendig.
Hintergrund der Initiative sind nach Angaben des Gremiums die Hitzeperioden der vergangenen Wochen. Der Jugendrat berichtet, dass der Unterricht an zahlreichen Münsteraner Schulen dadurch erheblich beeinträchtigt worden sei und teilweise Unterricht ausgefallen sei. Diese Einschätzung stammt aus der Begründung der Anregung; konkrete Zahlen zu betroffenen Schulen oder Unterrichtsausfällen nennt das Papier nicht. Der Kern der Forderung lautet deshalb, Schulgebäude dauerhaft so auszurüsten, dass Unterricht auch während längerer Hitzeperioden regulär möglich bleibt.
Bei der Initiative handelt es sich nicht um die Forderung einer einzelnen Schülervertretung. Der Jugendrat ist die offiziell gewählte Interessenvertretung der Kinder und Jugendlichen in Münster. Nach seiner Satzung wird das Gremium für jeweils drei Jahre gebildet. Es umfasst höchstens 30 Mitglieder, die in einer stadtweiten Direktwahl für die einzelnen Stadtbezirke gewählt werden. Wahlberechtigt und kandidaturberechtigt sind 12- bis 17-Jährige. Die Sitzverteilung orientiert sich an der Zahl junger Menschen dieser Altersgruppe in den jeweiligen Stadtbezirken.
An der Spitze steht derzeit ein gleichberechtigtes vierköpfiges Sprecherteam aus Annika Frieler, Sophie Pape, Andreas Hoesch und Roman Saalfeld. Der Vorstand wurde im September 2025 gewählt. Mitglieder des Jugendrates wirken zudem in kommunalpolitischen Ausschüssen und Bezirksvertretungen mit; zwei Delegierte vertreten Münster im Kinder- und Jugendrat NRW. Das Gremium arbeitet nach seiner Satzung überparteilich und überkonfessionell.
Die Hitzeschutz-Initiative ist eine formelle Anregung nach Paragraf 6a der Hauptsatzung. Dieses Instrument ermöglicht dem Jugendrat, sich direkt mit Anliegen an den Rat und die Bezirksvertretungen zu wenden. Darüber hinaus darf das Gremium zu kinder- und jugendrelevanten Angelegenheiten Stellungnahmen und Empfehlungen abgeben und Anfragen an den Oberbürgermeister richten. Vertreterinnen und Vertreter können unter anderem im Ausschuss für Schule und Weiterbildung mitwirken.
Damit kann der Jugendrat das Thema politisch auf die Tagesordnung bringen, über die verlangten Investitionen aber nicht selbst entscheiden. Das ist auch für die Dimension der aktuellen Forderungen entscheidend: Klimaanlagen in Klassenräumen, Wärmepumpen, Gebäudesanierungen oder umfangreiche Umbauten von Schulhöfen würden konkrete Planungen, politische Beschlüsse und entsprechende Haushaltsmittel voraussetzen. Einen Kostenrahmen oder einen Zeitplan enthält die Anregung des Jugendrates nicht.
Ganz neu ist das Thema Hitzeschutz für die Stadt nicht. Münster verfügt über einen Hitzeaktionsplan, der im September 2024 veröffentlicht wurde und zum städtischen Handlungskonzept Klimaanpassung 2030 gehört. Nach Angaben der Stadt umfasst er zwölf Maßnahmen und soll fortlaufend weiterentwickelt werden. Dazu gehören Informations- und Vorsorgeangebote für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen.
Auch Schulen und Kitas wurden bereits einbezogen. Nach Recherchen des WDR sind Einrichtungen in Münster mit sogenannten Hitzewarnern ausgestattet worden. Die Aufkleber verändern bei Raumtemperaturen oberhalb von 28 Grad ihre Farbe und sollen dadurch frühzeitig auf eine starke Wärmebelastung aufmerksam machen. Der Jugendrat verlangt nun allerdings einen deutlich weitergehenden Schritt: Nicht nur vor zu heißen Räumen warnen, sondern mit technischen und baulichen Maßnahmen dafür sorgen, dass Unterrichtsräume und Schulhöfe auch während künftiger Hitzeperioden nutzbar bleiben.






Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu