
Münster. 18.000 Unterschriften, ein politischer Kurswechsel und jahrelange Diskussionen: Der Streit um den Kreisverkehr in Münster-Gievenbeck ist vorerst entschieden. Die ursprünglich geplante Ampelkreuzung kommt nicht. Stattdessen soll der Kreisel an der Von-Esmarch-Straße erhalten bleiben und sicherer werden. Dass es dazu kommen würde, hatte sich bereits vor Wochen abgezeichnet. Allerdings steht die Entscheidung im Widerspruch zur Empfehlung eines Verkehrsgutachtens.
Bereits am 22. September berichtete ms-aktuell über den Kurswechsel der CDU. Die Fraktion hatte im Mai noch für eine Ampelkreuzung gestimmt, rückte nach dem Bürgerbegehren jedoch von dieser Position ab. Auch Grüne, Volt, Linke und Die PARTEI/ÖDP setzten sich mit einem gemeinsamen Antrag für den Erhalt des Kreisverkehrs ein.
Am 30. September zeichnete sich schließlich eine Mehrheit gegen die Ampelpläne ab. Die SPD hielt zwar an der fachlichen Empfehlung für eine Ampel fest, wollte die alternative Lösung aber durch eine Enthaltung nicht blockieren.
Die Initiative „Kreisel statt Ampel“ hatte bis zum 25. September rund 18.000 Unterschriften übergeben. Das waren deutlich mehr als die erforderlichen 10.013 gültigen Unterschriften. Da der Rat ihrer Forderung nun entspricht, entfällt eine weitere Zulässigkeitsprüfung. Einen Bürgerentscheid wird es nicht geben.
Hintergrund ist die Unfalllage an der Kreuzung Von-Esmarch-Straße, Busso-Peus-Straße und Roxeler Straße. Seit 2018 gilt der Kreisverkehr als Unfallhäufungsstelle. Zwischen 2018 und 2025 wurden dort nach Angaben der Stadt mehr als 70 Unfälle mit insgesamt 42 Verletzten registriert. Sämtliche Verletzten waren mit Zweirädern unterwegs, rund 86 Prozent davon mit Fahrrädern.
Die Unfallkommission hatte deshalb bereits 2023 eine Ampelkreuzung empfohlen. Nachdem der Rat die Planungen im Mai 2025 zunächst gestoppt hatte, bestätigte ein weiteres Gutachten die Empfehlung. Im Mai 2026 wurde die Planung des Ampelumbaus daraufhin erneut beschlossen.
Trotz der politischen Kehrtwende bleibt die fachliche Einschätzung bestehen: Das beauftragte Ingenieurbüro Brilon Bondzio Weiser bewertet die Ampelkreuzung insgesamt als bessere Variante. Sie könnte Verkehrsströme gezielter steuern und Konflikte zwischen abbiegenden Fahrzeugen und Radfahrenden reduzieren.
Ein optimierter Kreisverkehr gilt laut Gutachten als zweitbeste Lösung. Deutlich abgesetzte Radfurten könnten die Sicherheit erhöhen, allerdings möglicherweise zulasten des Verkehrsflusses. Besonders bei künftig steigendem Verkehrsaufkommen könnte sich die Durchfahrtsqualität für Autofahrer verschlechtern.
Der Kreisverkehr Von-Esmarch-Straße soll nun mit benutzungspflichtigen Radwegen umgestaltet werden. Die Stadtverwaltung wurde beauftragt, eine entsprechende Planung auszuarbeiten. Dabei stehen insbesondere eine sicherere Radverkehrsführung und bauliche Anpassungen im Mittelpunkt.
Wann der Umbau beginnt und welche Kosten entstehen, ist noch offen. Für die ursprünglich geplante Ampelkreuzung hatte die Stadt mit rund 1,9 Millionen Euro gerechnet.
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