
Münster. Im Streit um den Kreisverkehr in Gievenbeck zeichnet sich eine politische Kehrtwende ab. Die CDU stellt die Ampel in Gievenbeck inzwischen infrage und will prüfen lassen, ob an der Von-Esmarch-Straße ein „maximal sicherer Kreisverkehr“ erhalten werden kann. Damit reagiert die Fraktion auf das Bürgerbegehren „Kreisel statt Ampel“, für das nach Angaben der Initiative rund 14.000 Unterschriften eingereicht wurden. Noch im Mai hatte die CDU im Rat selbst für den Umbau des Kreisverkehrs zu einer Ampelkreuzung gestimmt.
Die CDU-Fraktion verabschiedete am Montagabend, 21. September, einen entsprechenden Antrag. Bis zu einer neuen politischen Entscheidung soll die Ampelplanung nicht unumkehrbar vorangetrieben werden. Stattdessen sollen unter anderem abgesetzte und aufgepflasterte Querungen, geschwindigkeitsdämpfende Ein- und Ausfahrten sowie bessere Sichtbeziehungen geprüft werden.
Der Kurswechsel ist deutlich. Am 20. Mai 2026 hatte der Rat beschlossen, die Planung für den Umbau des Kreisverkehrs Von-Esmarch-Straße, Busso-Peus-Straße und Roxeler Straße zu einer Ampelkreuzung wieder aufzunehmen. CDU, SPD und FDP sowie Oberbürgermeister Tilman Fuchs gehörten zur Mehrheit. Insgesamt gab es 33 Ja-Stimmen, zehn Gegenstimmen und 24 Enthaltungen von Grünen und Volt.
Damit war die CDU eine der tragenden Kräfte der Ampellösung. Noch Ende März hatte ihr verkehrspolitischer Sprecher Walter von Göwels darauf verwiesen, dass Fachverwaltung, Gutachter, Verkehrspolizei und Unfallkommission eine Ampel empfohlen hätten.
Nun spricht Fraktionschef Stefan Weber ausdrücklich von einer „Neupositionierung“. Zwar sei der bisherige Ratsbeschluss aus fachlich nachvollziehbaren Gründen zustande gekommen, die geringe Zustimmung in der Bevölkerung müsse aber ebenfalls berücksichtigt werden. „Der offenkundige Bürgerwille ist ein ebenso wichtiger Maßstab wie die Expertise der Fachleute“, sagt Weber. Die CDU wolle deshalb eine sichere und zugleich kostenverträgliche Kreisellösung ermöglichen.
Widerstand gegen die Ampel gibt es bereits seit Monaten. Schon am Tag der Ratsentscheidung im Mai wurden Oberbürgermeister Fuchs mehr als 3.300 Protestunterschriften übergeben. Daraus entwickelte sich das formelle Bürgerbegehren „Kreisel statt Ampel“.
Für ein erfolgreiches Bürgerbegehren sind in Münster 10.013 gültige Unterschriften erforderlich. Inzwischen wurden nach Angaben der Initiative rund 14.000 eingereicht. Nun muss die Stadt prüfen, wie viele davon tatsächlich gültig sind.
Wird die notwendige Zahl erreicht, muss sich der Rat erneut mit dem Thema beschäftigen. Übernimmt er die Forderung des Bürgerbegehrens, entfällt ein Bürgerentscheid. Bleibt die Mehrheit bei der Ampellösung, könnten die Münsteranerinnen und Münsteraner selbst abstimmen. Weber erklärt dazu: „Wir nehmen den Bürgerwillen immer ernst.“
Hinter dem Streit steht eine seit Jahren problematische Unfallentwicklung. Der Kreisverkehr gilt seit 2018 durchgehend als Unfallhäufungsstelle. Zwischen 2018 und 2025 registrierte die Polizei 73 Unfälle mit 42 Verletzten. Sämtliche Verletzten waren mit Zweirädern unterwegs, 86 Prozent davon mit dem Fahrrad.
Die Unfallkommission hatte deshalb bereits 2023 einen Umbau zur signalisierten Kreuzung empfohlen. Später untersuchte das Bochumer Büro Brilon Bondzio Weiser drei Varianten: einen optimierten Kreisverkehr mit separater Radverkehrsführung, einen Kreisverkehr mit Radverkehr auf der Fahrbahn sowie eine Ampelkreuzung. Der Gutachter empfahl die Ampel. Auch Verwaltung, Polizei und Unfallkommission unterstützten diese Variante.
Als Vorteil gelten unter anderem getrennte Grünphasen für Fuß- und Radverkehr gegenüber abbiegenden Autos. Zudem könnte der Busverkehr an der Ampel bevorrechtigt werden.
Auch die Kosten spielen in der Debatte eine Rolle. Für einen optimierten Kreisverkehr wurden bislang rund 1,5 Millionen Euro veranschlagt, für die Ampelkreuzung rund 1,9 Millionen Euro. Die Stadt ging grundsätzlich von Fördermöglichkeiten in einer Größenordnung von etwa 60 Prozent aus. Für den Kreisverkehr gab es allerdings noch keine verbindliche Förderzusage.
Die CDU will nun erneut prüfen lassen, ob sich eine Lösung finden lässt, die Verkehrssicherheit und Wirtschaftlichkeit miteinander verbindet.
Anders als die CDU hatten Grüne und Volt bereits vor der Ratsentscheidung einen optimierten Kreisverkehr bevorzugt. Die Grünen hielten vor allem abgesetzte Radfurten und Aufpflasterungen für eine vertretbare Alternative. Beide Fraktionen enthielten sich im Mai jedoch, weil für diese Variante keine Mehrheit erkennbar war und sie einen weiteren Stillstand vermeiden wollten.
Die SPD sprach sich dagegen ausdrücklich für die Ampel aus und verwies auf die Gutachten sowie den Sicherheitsgewinn für gefährdete Verkehrsteilnehmer. Bereits im Mai 2025 hatte der Rat die Ampelplanung zunächst gestoppt und ein neues Gutachten verlangt. Dessen Ergebnisse brachten die Ampellösung Anfang 2026 wieder auf die politische Tagesordnung.
Mit ihrem neuen Antrag versucht die CDU nun, einen Kompromiss zu erreichen, bevor es zu einem Bürgerentscheid kommt. Voraussetzung dafür wäre, dass sich eine Ratsmehrheit für eine neue Kreisverkehrslösung findet und zugleich geklärt wird, wie die seit Jahren bestehende Unfallproblematik gelöst werden kann.






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