
Münster. Die Zukunft der Modekette Liberty Woman ist ungewiss. Die Liberty Damenmoden GmbH mit Sitz im ostwestfälischen Lübbecke hat beim Amtsgericht Bielefeld einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Das Gericht ordnete nach Unternehmensangaben am 5. November 2026 ein vorläufiges Eigenverwaltungsverfahren an. Für die Filiale von Liberty Woman in Münster bedeutet das zunächst keine Schließung. Das Unternehmen will seine Geschäfte während der Sanierung weiterbetreiben.
Das Modegeschäft befindet sich an der Salzstraße 18–19 in der Münsteraner Innenstadt. Auch nach Bekanntwerden des Insolvenzantrags wird der Standort weiterhin im offiziellen Filialverzeichnis des Unternehmens aufgeführt.
Nach den bislang veröffentlichten Angaben sollen sämtliche Filialen geöffnet bleiben. Eine konkrete Schließung des Geschäfts in Münster wurde nicht angekündigt. Allerdings gehört die Überprüfung des gesamten Filialnetzes ausdrücklich zu den geplanten Sanierungsmaßnahmen. Ob einzelne Standorte langfristig aufgegeben oder verändert werden, steht deshalb noch nicht fest.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten betreffen auch weitere Geschäfte im Münsterland. Liberty Woman ist unter anderem in Ahlen an der Oststraße, in Rheine an der Emsstraße und in Warendorf an der Münsterstraße vertreten. Auch für diese Standorte sind bislang keine konkreten Schließungsentscheidungen bekannt.
Mit der vorläufigen Eigenverwaltung erhält Liberty Woman die Möglichkeit, seine wirtschaftliche Neuausrichtung unter insolvenzrechtlichem Schutz voranzutreiben. Anders als bei einem regulären Insolvenzverfahren mit einem Insolvenzverwalter bleibt die Geschäftsführung bei diesem Verfahren grundsätzlich im Amt.
Geschäftsführer Oliver Lübbenjans wird bei der Sanierung durch die Kanzlei BBORS Kreuznacht Rechtsanwälte und insbesondere Rechtsanwalt Frank Kreuznacht unterstützt. Zum vorläufigen Sachwalter wurde Hans-Joachim Berner von der Kanzlei Kösterberner Sanierungsrecht bestellt. Seine Aufgabe besteht darin, das Verfahren zu überwachen.
Das Unternehmen verfolgt das Ziel, den Geschäftsbetrieb langfristig wirtschaftlich tragfähig aufzustellen. Die vorläufige Eigenverwaltung bedeutet allerdings noch nicht, dass eine Sanierung erfolgreich abgeschlossen werden kann.
Als wesentliche Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nennt das Unternehmen die angespannte Situation im Modehandel, rückläufige Kundenfrequenzen und eine schwächere Nachfrage nach Herbst- und Winterbekleidung. Letztere führt Liberty Woman insbesondere auf die Witterung zurück.
Die Geschäftsführung will deshalb mehrere Bereiche verändern. Dazu gehören eine stärkere Orientierung der Kollektionen an der tatsächlichen Nachfrage, eine bessere Steuerung der Warenbestände und eine Überprüfung der Preisgestaltung. Auch Einkauf, Vertrieb, Marketing und interne Kosten sollen auf den Prüfstand kommen.
Zugleich möchte die Modekette ihre persönliche Beratung in den Geschäften stärker mit dem Onlinehandel verbinden. Welche konkreten Veränderungen sich daraus für die Filiale in Münster ergeben könnten, wurde bisher nicht mitgeteilt.
Nach Angaben der Fachzeitschrift TextilWirtschaft beschäftigt Liberty Woman rund 600 Menschen. Das Filialnetz umfasst mehr als 100 Geschäfte in Deutschland und Österreich. Hinzu kommt der Onlineshop.
Für anspruchsberechtigte Beschäftigte ist die Absicherung der Löhne und Gehälter über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit für einen Zeitraum von bis zu drei Monaten vorgesehen. Das Unternehmen plant eine Vorfinanzierung dieser Ansprüche.
Wie viele Beschäftigte allein am Münsteraner Standort tätig sind, geht aus den bislang veröffentlichten Informationen nicht hervor. Auch über mögliche personelle Veränderungen in der Filiale liegen keine konkreten Angaben vor.
Die Schwierigkeiten von Liberty Woman treffen eine Branche, die bereits seit längerer Zeit unter erheblichem wirtschaftlichem Druck steht. Nach Angaben des Handelsverbandes Textil, Schuhe und Lederwaren (BTE) entwickelte sich der Bekleidungsumsatz in Deutschland im Jahr 2025 nur schwach. Während reine Onlineanbieter zulegen konnten, stagnierte der stationäre Bekleidungsfachhandel weitgehend.
Eine Anfang 2026 veröffentlichte BTE-Umfrage zeigte zudem, dass etwa jeder zweite befragte stationäre Bekleidungshändler operativ Verluste verzeichnete. Der Verband verwies insbesondere auf die zurückhaltende Konsumnachfrage und die hohen Kosten der Unternehmen.
Für Liberty Woman fällt die Insolvenz in ein Jubiläumsjahr. Die erste Filiale wurde 1976 in Herford eröffnet. Drei Jahre später zog das Unternehmen nach Lübbecke. Seit 1990 konzentriert sich die Marke auf Damenmode. Inzwischen ist das Unternehmen seit 50 Jahren am Markt.
Für Kundinnen in Münster ändert sich nach den bisherigen Unternehmensankündigungen zunächst wenig. Das Geschäft an der Salzstraße soll weiterhin regulär betrieben werden. Auch der Onlineshop bleibt Bestandteil des laufenden Geschäftsbetriebs.
Ob die Filiale langfristig zum sanierten Unternehmen gehören wird, hängt von den weiteren Entscheidungen über das Filialnetz ab. Eine standortbezogene Perspektive für Münster wurde bislang nicht veröffentlicht. Eine angekündigte Fortführung ist deshalb noch keine Garantie für den dauerhaften Erhalt des Geschäfts.
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