
Münster. Ein Instagram-Beitrag der Umweltinitiative Platanenpower hat am Hansaring im Hansaviertel eine neue Diskussion ausgelöst. In dem öffentlich verbreiteten Post warnt die Initiative vor der Fällung eines konkreten Straßenbaums. „Diese Linde am Hansaring soll für temporäre Baumaßnahmen fallen“, heißt es dort wörtlich. Gemeint ist ein Baum an der Ecke Hansaring/Soester Straße.
Der Beitrag zeigt die betroffene Linde deutlich erkennbar im Straßenraum und wurde innerhalb weniger Tage vielfach kommentiert. Begleitet wird er von einem Aufruf zu Protest und klar formulierten Forderungen. Damit ist ein Konflikt erneut öffentlich geworden, der in Münster seit Jahren immer wieder aufflammt: der Widerstreit zwischen Baumschutz und dem Ausbau technischer Infrastruktur.
Der Fall berührt gleich mehrere sensible Themen – den Schutz von Stadtbäumen, die Belastung dicht bebauter Wohnviertel durch Großbaustellen und die Frage, wie die Wärmewende vor Ort konkret umgesetzt wird.
Hintergrund der geplanten Maßnahme sind Arbeiten am Fernwärmenetz. Nach Angaben der Stadtnetze Münster verläuft unter dem Hansaring eine zentrale Trasse, die als einer der letzten Lückenschlüsse im östlichen Ring gilt. Ziel ist es, bestehende Netzabschnitte miteinander zu verbinden und die Versorgungssicherheit zu erhöhen.
Die Arbeiten erfolgen in einem sogenannten geschlossenen Bauverfahren. Dabei werden Start- und Zielgruben angelegt, zwischen denen ein Tunnel für neue Leitungen gebohrt wird. Genau im Bereich einer solchen Startgrube steht die Linde, auf die der Instagram-Post Bezug nimmt.
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Nach Darstellung der Verantwortlichen wurden alternative Bauvarianten geprüft. Der Eingriff lasse sich an dieser Stelle jedoch nicht vermeiden, da Wurzelraum und Standsicherheit des Baumes durch die Baugrube dauerhaft beeinträchtigt würden.
Grundsätzlich stehen Bäume in Münster unter besonderem Schutz. Die städtische Baumschutzsatzung sieht vor, dass Fällungen genehmigungspflichtig sind und nur in begründeten Ausnahmefällen erlaubt werden. Zuständig ist das Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit. Neben der Prüfung der Notwendigkeit werden in der Regel Ersatzpflanzungen festgelegt.
Gleichzeitig räumt die Satzung Ausnahmen ein, wenn ein überwiegendes öffentliches Interesse vorliegt. Dazu zählen auch Maßnahmen der technischen Infrastruktur, etwa im Bereich Energieversorgung. Dennoch betont die Stadt, dass jeder Eingriff einzeln abgewogen werden müsse. Für den Hansaring ist nach bisherigen Informationen eine Ersatzpflanzung vorgesehen, allerdings nicht im unmittelbaren Wurzelbereich der alten Linde.
Im Hansaviertel regt sich Widerstand. Anwohnerinnen und Anwohner kritisieren den Verlust von Grün in einem ohnehin stark versiegelten Bereich. Unterstützung kommt von Platanenpower, einer Initiative, die sich seit Jahren gegen Baumfällungen im Stadtgebiet engagiert.
In dem Instagram-Post fordert die Gruppe unter anderem „keine Fällungen mehr ohne echte Anwohner-Beteiligungen“ sowie die „Prüfung einer fachgerechten Verpflanzung statt Kahlschlag“. Zudem verweist die Initiative auf die Bedeutung alter Bäume für Klima, Lebensqualität und Artenvielfalt.
Bekannt wurde Platanenpower bereits bei früheren Auseinandersetzungen um Straßenbäume – auch am Hansaring. Der aktuelle Fall reiht sich damit in eine Serie von Konflikten ein, bei denen Infrastrukturprojekte und Stadtgrün aufeinandertreffen.
Aus Sicht der Stadtwerke und der Stadt Münster ist der Ausbau der Fernwärme ein zentraler Baustein der kommunalen Wärmewende. Ziel ist es, fossile Einzelheizungen schrittweise zu ersetzen und ganze Quartiere klimafreundlicher zu versorgen. Münster arbeitet derzeit an einer umfassenden kommunalen Wärmeplanung, die weitere Netzerweiterungen vorsieht.
Der Konflikt am Hansaring zeigt jedoch, wie schwierig die Umsetzung vor Ort sein kann. Klimaschutz, Stadtgrün und Lebensqualität geraten dort in direkten Wettbewerb um knappen Raum.
Der geplante Eingriff am Hansaring ist mehr als ein lokales Einzelthema. Er steht exemplarisch für die Herausforderungen, vor denen Städte beim Umbau ihrer Infrastruktur stehen. Ob es gelingt, Akzeptanz zu schaffen, dürfte auch davon abhängen, wie transparent Entscheidungen kommuniziert und wie ernst Alternativen geprüft werden.