Manipulierte Geschichte und Fake News: So forscht die Uni Münster zu Desinformation

Wie Münster gegen manipulierte Geschichte und Fake News forscht
RFoto: Shutter Speed / unsplash

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Münster. Die Desinformationsforschung Münster wird mit insgesamt rund 2,9 Millionen Euro ausgebaut. Zwei neue Projekte der Universität Münster untersuchen, wie falsche und irreführende Inhalte in sozialen Medien verbreitet werden und wie Wissenschaftler solche Manipulationen künftig besser erkennen können. Ein Schwerpunkt liegt auf der politischen Instrumentalisierung der Geschichte durch rechtsextreme Gruppen. Das zweite Projekt soll neue Datensätze und Analysewerkzeuge für die Forschung zu Desinformation entwickeln.

Zwei Forschungsprojekte gegen Desinformation

Beide Vorhaben sind am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster angesiedelt. Koordiniert werden die Projekte unter anderem von Kommunikationswissenschaftler Prof. Thorsten Quandt. Beteiligt ist außerdem Prof. Christian Grimme vom Institut für Wirtschaftsinformatik.

Nach Angaben der Universität soll die Desinformationsforschung Münster dazu beitragen, kritisches Denken zu fördern und demokratische Strukturen im digitalen Raum widerstandsfähiger zu machen. Gleichzeitig wollen die Wissenschaftler die methodischen Grundlagen verbessern, mit denen falsche oder gezielt irreführende Inhalte auf Social-Media-Plattformen untersucht werden.

Manipulation von Geschichte in sozialen Medien

Das erste Projekt trägt den Titel „Manipulation der Vergangenheit: Rechtsextreme Ideologien und die Instrumentalisierung von Geschichte“. Es läuft über vier Jahre und wird von der VolkswagenStiftung im Programm „Transformationswissen über Demokratien im Wandel“ gefördert.

Die Wissenschaftler untersuchen, wie Gruppen aus dem rechten politischen Spektrum historische Ereignisse aufgreifen und für aktuelle politische Botschaften nutzen. Im Mittelpunkt stehen der Nationalsozialismus in Deutschland, der italienische Faschismus unter Benito Mussolini und die Diktatur von Francisco Franco in Spanien.

Dabei soll analysiert werden, wie historische Tatsachen umgedeutet oder verzerrt werden, um gesellschaftliche Debatten zu beeinflussen und insbesondere junge Menschen anzusprechen.

TikTok und YouTube als Teil der Untersuchung

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf visuellen Plattformen wie TikTok und YouTube. Die Forscher wollen untersuchen, wie deren Empfehlungssysteme zur Verbreitung politisch manipulierter Geschichtsdarstellungen beitragen können.

Dabei geht es nicht nur um die Inhalte einzelner Beiträge. Untersucht werden soll auch, unter welchen Bedingungen bestimmte Videos größere Reichweiten erzielen und wie historische Darstellungen an die Kommunikationsformen sozialer Medien angepasst werden.

Die Universität Münster arbeitet für das Projekt mit Wissenschaftlern der Universität La Sapienza in Rom und der Universität Pompeu Fabra in Barcelona zusammen. Geplant sind zudem Unterrichtsmaterialien und ein Werkzeugkoffer, den Lehrkräfte im Schulunterricht einsetzen können.

Fake-News-Forschung Universität Münster entwickelt Datensätze

Das zweite Forschungsprojekt trägt die Kurzbezeichnung SynDIKAT. Der vollständige Titel lautet „Synthetische Desinformationsdaten, Infrastruktur für Kollaboration und Analyse-Toolbox für die Social Media-Forschung“.

Das dreijährige Vorhaben wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Rahmen der Förderkampagne „Desinformation erkennen, verstehen, abwehren“ unterstützt. Im Gegensatz zum ersten Projekt liegt der Schwerpunkt weniger auf konkreten politischen Inhalten. Stattdessen geht es um die wissenschaftlichen Methoden, mit denen Desinformation erkannt und untersucht werden kann.

Ein Problem besteht nach Angaben der Forscher darin, dass bislang nicht genügend gemeinsam nutzbare Social-Media-Datensätze zur Verfügung stehen.

Neue Methoden zur Erkennung von Desinformation

SynDIKAT soll deshalb eine Grundlage schaffen, auf der Wissenschaftler verschiedene Verfahren zur Erkennung von Desinformation vergleichen können. Dafür sollen synthetische Datensätze sowie eine gemeinsame Infrastruktur und Analysewerkzeuge entwickelt werden.

Die Forscher wollen unter anderem untersuchen, wie zuverlässig Algorithmen bestimmte Muster oder Auffälligkeiten in Daten erkennen. Gleichzeitig soll ein rechtssicherer Austausch von Forschungsdaten ermöglicht werden. Dies ist relevant, weil reale Social-Media-Daten häufig personenbezogene Angaben oder urheberrechtlich geschützte Inhalte enthalten können.

Verantwortlich sind Thorsten Quandt und Christian Grimme. Partner sind das GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, das Center for Advanced Internet Studies und die Technische Universität Dortmund.

2,9 Millionen Euro für Universität Münster

Mit einer Gesamtförderung von rund 2,9 Millionen Euro baut die Universität Münster ihre Forschung zu Desinformation deutlich aus. Die beiden Projekte verfolgen dabei unterschiedliche, aber miteinander verbundene Ansätze.

Während das erste Vorhaben die politische Umdeutung historischer Ereignisse und deren Verbreitung über Plattformen wie TikTok und YouTube untersucht, konzentriert sich SynDIKAT auf Daten, Algorithmen und technische Forschungsmethoden.

Die Ergebnisse sollen nicht nur innerhalb der Wissenschaft genutzt werden. Mit Unterrichtsmaterialien, neuen Analyseinstrumenten und besseren Möglichkeiten zum Datenaustausch sollen die Erkenntnisse auch Schulen und weiteren Forschungseinrichtungen zugutekommen.

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