Mehr Kinder, mehr Ganztag, mehr Baustellen: Münster sortiert seinen Schulbau neu

Aggressives Verhalten nimmt an Förderschulen in Münster zu. Ein Positionspapier der Caritas fordert mehr Personal und bessere Unterstützung für Lehrkräfte und Schüler. 124 freiwillige Lehrkräfte-Abordnungen aus dem Münsterland sichern die Unterrichtsversorgung im Ruhrgebiet – nach einem schwierigen Vorjahr. Der INSM-Bildungsmonitor 2025 zeigt: NRW landet im Bundesvergleich nur auf Platz 14. Stärken bei Digitalisierung, aber massive Defizite in Schulqualität und beruflicher Bildung.
Foto: Ali Ahmad DANESH

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Münster. Der Schulbau in Münster steht vor einer Neuordnung. Angesichts steigender Schülerzahlen und des ab 2026 geltenden Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung hat die Stadt eine strategische Schulbauplanung vorgelegt, die festlegt, welche Projekte in den kommenden zehn Jahren Vorrang haben sollen. Der Rat der Stadt befasst sich im März mit der Vorlage, zuvor werden die Bezirksvertretungen und der Ausschuss für Schule und Weiterbildung beteiligt.

Warum Münster seinen Schulbau neu ordnet

Seit mehreren Jahren investiert die Stadt massiv in Schulen. Neubauten, Erweiterungen und Umbauten prägen das Stadtbild, gleichzeitig wächst der Bedarf weiter. Mehr Kinder, zusätzliche Schulplätze und veränderte pädagogische Anforderungen führen dazu, dass vorhandene Kapazitäten vielerorts nicht mehr ausreichen. Besonders der Anspruch auf Ganztagsbetreuung in der Primarstufe erhöht den Druck, ausreichend Räume für Unterricht, Betreuung und Verpflegung bereitzustellen.

Mit der neuen Prioritätenliste will die Stadt ihre Schulbauprojekte systematisch ordnen. Ziel ist es, Schulraum in der jeweils passenden Schulform und an geeigneten Standorten bereitzustellen, ohne den städtischen Haushalt zu überfordern. Die Planung versteht sich dabei als strategischer Rahmen. Sie legt fest, wo der Bedarf am dringendsten ist, ersetzt aber keine Einzelentscheidungen zu Bauumfang, Zeitplan oder Finanzierung.

Diese Maßnahmen haben höchste Dringlichkeit

Die Schulbauprojekte wurden in mehrere Prioritätsstufen eingeteilt. Besonders dringlich sind Maßnahmen, bei denen kurzfristig Engpässe drohen oder gesetzliche Vorgaben erfüllt werden müssen. Dazu zählen vor allem Neubauten von Grundschulen, umfangreiche Umbauten an Gesamtschulen sowie Erweiterungen an Schulzentren. Auch der Bau zusätzlicher Sporthallen spielt eine Rolle, da diese häufig Voraussetzung für den regulären Schulbetrieb sind.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Offenen Ganztag. Um den Rechtsanspruch umzusetzen, müssen an vielen Grundschulen Küchen, Mensen und Aufenthaltsbereiche ertüchtigt oder neu geschaffen werden. Diese oft kleineren, aber funktional entscheidenden Maßnahmen finden sich deshalb weit oben in der Prioritätenliste. Parallel dazu plant die Stadt größere Bauvorhaben, um langfristig ausreichend Schulplätze in der Sekundarstufe zu sichern.

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Nach welchen Kriterien die Stadt entscheidet

Die Reihenfolge der Projekte basiert auf einem einheitlichen Bewertungssystem. Berücksichtigt wurden unter anderem der konkrete Raumbedarf im Vergleich zu bestehenden Raumprogrammen, der zeitliche Druck durch die Entwicklung der Schülerzahlen sowie bestehende Versorgungsengpässe. Auch Abhängigkeiten zwischen einzelnen Standorten und der bauliche Zustand der Schulgebäude flossen in die Bewertung ein.

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Aus diesen Kriterien ergibt sich eine Empfehlung, in welchem Zeitraum eine Maßnahme umgesetzt werden sollte. Die Stadt betont, dass daraus kein automatischer Baustart folgt. Für jedes Projekt sind weiterhin gesonderte Beschlüsse erforderlich. Ob und wann gebaut wird, hängt letztlich auch von der finanziellen Leistungsfähigkeit der Stadt und der jeweiligen Haushaltslage ab.

Hoher Investitionsbedarf und langfristige Auswirkungen

Mit der Schulbauplanung macht die Stadt deutlich, dass der Bildungsbereich auch in den kommenden Jahren ein zentraler Schwerpunkt der Investitionen bleiben wird. Viele Maßnahmen reichen zeitlich über das Jahr 2030 hinaus. Verzögerungen könnten spürbare Folgen haben, etwa fehlende Klassenräume, eingeschränkte Betreuungsangebote oder teure Übergangslösungen wie Containeranlagen.

Gleichzeitig steht die Schulbauplanung in engem Zusammenhang mit anderen städtischen Entwicklungen, etwa neuen Wohngebieten oder veränderten Prognosen bei den Schülerzahlen. Deshalb soll die Prioritätenliste regelmäßig überprüft und angepasst werden. Ziel ist es, flexibel auf neue Anforderungen zu reagieren und Münster langfristig als leistungsfähigen und zukunftsfähigen Bildungsstandort aufzustellen.

Prioritätenliste: Strategische Schulbauplanung Münster

Übersicht nach Prioritätsstufen (A–E). Die Einträge sind als Akkordeon aufgebaut und funktionieren auf Smartphone, Tablet und Desktop.

Priorität A Sehr hoch

Maßnahmen mit sehr hoher Dringlichkeit, die aus Sicht der Stadt vorrangig behandelt werden sollen.

Grundschulen

  • Matthias-Claudius-Schule Handorf (Neubau)
  • Gottfried-von-Cappenberg-Schule (Ertüchtigung Küche)
  • Matthias-Claudius-Schule Gut Insel (Ertüchtigung Küche)
  • Eichendorffschule Angelmodde (Ertüchtigung Küche)
  • Davertschule (Ertüchtigung Küche)

Realschulen

  • Realschule im Kreuzviertel (Umbaumaßnahmen im Bestand)

Gesamtschulen

  • Gesamtschule West (Bestandsumbau)
  • Gesamtschule West (Entwässerung)

Schulzentren

  • Schulzentrum Hiltrup (Neubau Dreifach-Sporthalle)
  • Schulzentrum Hiltrup (Erweiterung Realschule)
  • Schulzentrum Hiltrup (Bestandsumbau: Digitalpakt, Wärme- und Blendschutz)

Sonstiges

  • Förderschule mit Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung (Machbarkeitsstudie / Standortsuche)
Priorität B Hoch

Maßnahmen, die zeitnah empfohlen werden.

Grundschulen

  • Annette-von-Droste-Hülshoff-Schule Nienberge (2. Bauabschnitt / Bestandsumbau)
  • Hermannschule (Erweiterung / Raumprogramm)
  • Martinischule (Erweiterung / Raumprogramm)
  • Theresienschule (Ertüchtigung Küche)
  • Michaelschule (Ertüchtigung Küche)
  • Kardinal-von-Galen-Schule Handorf (Ertüchtigung Küche)
  • Pötterhoekschule (Ertüchtigung Küche)
  • Idaschule (Ertüchtigung Küche)
  • Johannisschule (Ertüchtigung Küche)
  • Overbergschule (Ertüchtigung Küche)
  • Grundschule Kinderhaus-West (Ertüchtigung Küche)
  • Grundschule Loevelingloh (Ertüchtigung Küche)
  • Marienschule Hiltrup (Ertüchtigung Küche)
  • Aegidii-Ludgeri-Schule (Ertüchtigung Küche)
  • Martin-Luther-Schule (Ertüchtigung Küche)
  • Nikolaischule Wolbeck (Erweiterung zur 4-Zügigkeit sowie Neubau der Sporthalle)

Gesamtschulen

  • Gesamtschule West (Umbau ehem. Mensa zu Hauswirtschaftsräumen)
  • Gesamtschule West (Bestandsumbau ehem. Augustin-Wibbelt-Schule)
  • Neubau Gesamtschule Südost (Neubau)

Berufskollegs

  • Anne-Frank-Berufskolleg (Bestandsumbau)
  • Wilhelm-Emmanuel-von-Ketteler-Berufskolleg (Erweiterung / Prüfung Teilstandort)

Schulzentren

  • Schulzentrum Wolbeck (Bestandsumbau)

Sonstiges

  • PRIMUS-Schule, Standort Grevingstraße (Barrierefreiheit und Umnutzung)
Priorität C Mittel

Maßnahmen mit mittlerem Zeithorizont, die nachgelagert vorgesehen sind.

Grundschulen

  • Matthias-Claudius-Schule Handorf (Neubau Sporthalle)
  • Ludgerusschule Hiltrup (2. Bauabschnitt / Aufstockung)
  • Paul-Schneider-Schule (Umbau / Neubau)
  • Gottfried-von-Cappenberg-Schule (Erweiterung / Raumprogramm)
  • Matthias-Claudius-Schule Gut Insel (Erweiterung / Raumprogramm)
  • Eichendorffschule Angelmodde (Erweiterung / Raumprogramm)
  • Theresienschule (Erweiterung / Raumprogramm)
  • Kardinal-von-Galen-Schule Handorf (Erweiterung / Raumprogramm)
  • Davertschule (Erweiterung / Raumprogramm)
  • Johannisschule (Erweiterung / Raumprogramm)
  • Overbergschule (Erweiterung / Raumprogramm)
  • Aegidii-Ludgeri-Schule (Erweiterung / Raumprogramm)
  • Martin-Luther-Schule (Erweiterung / Raumprogramm)
  • Astrid-Lindgren-Schule Gelmer (Erweiterung / Raumprogramm)
  • Dietrich-Bonhoeffer-Schule (Temporäre Erweiterung)
  • Neue Grundschule Hiltrup-Ost (Neubau)
  • Neue Grundschule Nienberge (Neubau)
  • Neue Grundschule im MMQ1 (Neubau)

Hauptschulen

  • Hauptschule Coerde (Umbau / Erweiterung)

Realschulen

  • Realschule im Kreuzviertel (Erweiterung)

Gymnasien

  • Johann-Conrad-Schlaun-Gymnasium (Sanierung / Umbau)

Schulzentren

  • Schulzentrum Hiltrup (Energetische Bestandssanierung)
  • Schulzentrum Hiltrup (Erweiterung Hauptschule / Gymnasium)
Priorität D Niedrig

Maßnahmen mit langfristigem Umsetzungshorizont.

Grundschulen

  • Wartburgschule (Erweiterung / Raumprogramm)
  • Pötterhoekschule (Erweiterung / Raumprogramm)
  • Idaschule (Erweiterung / Raumprogramm)
  • Grundschule Loevelingloh (Erweiterung / Raumprogramm)
  • Marienschule Hiltrup (Erweiterung / Raumprogramm)

Hauptschulen

  • Waldschule Kinderhaus (Erweiterung)

Schulzentren

  • Schulzentrum Hiltrup (Überarbeitung der Außenanlagen)

Sonstiges

  • Neue weiterführende Schule im MMQ1 (Neubau)
  • PRIMUS-Schule, Standort Hogenbergstraße (Außenanlagen, Ertüchtigung Küche, kleinere Bestandsumbauten)
Priorität E Optional / Sonstige Maßnahmen

Maßnahmen, die derzeit nicht prioritär eingeordnet sind oder zunächst geprüft werden sollen.

Sonstiges

  • Albert-Schweitzer-Schule (Prüfung baulicher Maßnahmen)
  • Ludgerusschule Albachten (Nachfolgenutzung)

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