Münster legt neue Umweltdaten vor, bei Klima und Verkehr gibt es Fortschritte

Münster legt neue Umweltdaten vor, bei Klima und Verkehr gibt es Fortschritte
Symbolfoto: Caroline Muffert

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Münster. Fortschritte beim Klimaschutz, Veränderungen im Verkehr und neue Erkenntnisse zu Luft, Wasser und Artenvielfalt prägen die aktuellen Umweltdaten für Münster. Die Stadt hat die Fortschreibung für die Jahre 2023 und 2024 vorgelegt und bündelt darin zentrale Entwicklungen aus zahlreichen Umweltbereichen. Neu aufgenommen wurde auch die Baumschutzsatzung als eigenes Thema.

Was der neue Umweltbericht für Münster zeigt

Die aktuelle Fortschreibung der Umweltdaten erfasst unter anderem Abfall, Abwasser, Baumschutz, Biodiversität, Boden und Fläche, Grün, Klima und Energie, Lärm, Luftschadstoffe, Schutzgebiete, Verkehr und Wasser. Vorgestellt werden soll der Bericht am 5. Mai 2026 im Ausschuss für Umweltschutz, Klimaschutz und Bauwesen. Die Stadt weist darauf hin, dass einzelne Daten mit Verzögerung veröffentlicht werden und die Bezugsjahre je nach Themenfeld unterschiedlich ausfallen können. Genau deshalb ist der Bericht eher als umfassender Überblick über Trends zu verstehen, nicht als Momentaufnahme eines einzigen Stichtags.

Auffällig ist, dass die Daten weder nur positive noch nur negative Entwicklungen zeigen. In mehreren Bereichen, etwa bei den CO2-Emissionen, der Luftqualität oder beim Ausbau des Radverkehrs, beschreibt der Bericht deutliche Fortschritte. Gleichzeitig bleiben Belastungen bestehen, zum Beispiel bei der Artenvielfalt, beim Verkehrslärm oder bei der Frage, wie eine wachsende Stadt mit ihrem knappen Flächenangebot umgeht. Gerade diese Mischung macht die Vorlage politisch relevant, weil sie Zielkonflikte offenlegt, statt nur einzelne Erfolge hervorzuheben.

Klima, Luft und Wasser entwickeln sich in mehreren Punkten positiv

Deutlich fällt der Befund beim Klimaschutz aus. Bis Ende 2024 konnten die CO2-Emissionen pro Kopf gegenüber 1990 laut Bericht um knapp 50 Prozent gesenkt werden. Absolut beläuft sich die Reduzierung im selben Zeitraum auf 37 Prozent. Parallel dazu stieg die installierte Photovoltaikleistung stark an, von 65.680 kWp im Jahr 2020 auf 146.688 kWp im Jahr 2024. Auch der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch der Stadt legte zu und erreichte 2024 einen Wert von 9,7 Prozent. Das zeigt, dass sich der Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigt hat, auch wenn der Weg zur angestrebten Klimaneutralität weiter lang bleibt.

Verbesserungen beschreibt der Bericht auch bei der Luftqualität. An der verkehrsnahen Messstation an der Weseler Straße sank der Jahresmittelwert für Stickstoffdioxid von 38 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahr 2018 auf 19 im Jahr 2024. Bei den PM10-Überschreitungstagen lag der Wert 2023 und 2024 bei null. Die Stadt geht deshalb davon aus, dass die verschärften EU-Grenzwerte ab 2030 für Stickstoffdioxid und Feinstaub voraussichtlich eingehalten werden können. Beim Ozon bleibt die Entwicklung dagegen stärker von der Witterung abhängig, weshalb sich dort kein klarer Trend ableiten lässt.

Auch beim Wasser nennt der Bericht positive Entwicklungen. Die biologische Gewässergüte hat sich demnach seit 2002 deutlich verbessert, und die Stadt sieht die Zielsetzung der Wasserrahmenrichtlinie beim Modul Saprobie inzwischen nahezu erreicht. Hinzu kommt ein gesunkener privater Trinkwasserverbrauch, der von 107,99 Litern pro Einwohner und Tag im Jahr 2020 auf 100,06 Liter im Jahr 2024 zurückging. Gleichzeitig sank der mittlere Nitratwert in den vier Wassergewinnungsgebieten gegenüber 2020 von 10,7 auf 9,4 Milligramm pro Liter. Für andere Belastungsfaktoren der Gewässer ist die Datengrundlage dagegen noch zu jung, um eine belastbare Entwicklung zu beschreiben.

Verkehr und Mobilität verändern sich spürbar

Seit Jahren verändert sich das Mobilitätsverhalten in der Stadt, und die neuen Umweltdaten bestätigen diesen Trend erneut. Der Umweltverbund aus Fußverkehr, Radverkehr sowie ÖPNV und SPNV hat seinen Anteil am gesamten Verkehrsaufkommen deutlich ausgebaut. Nach Darstellung der Stadt sind inzwischen fast drei Viertel aller Fahrten diesem Umweltverbund zuzuordnen. Besonders stark ist dabei der Radverkehr. In der bereinigten Zeitreihe ohne methodisch stark schwankende Fußverkehrsdaten stieg sein Anteil im Modal Split von 49,7 Prozent im Jahr 2019 auf 57,7 Prozent im Jahr 2022. Das Fahrrad bleibt damit das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel.

Gleichzeitig verliert der Pkw im Alltag an Bedeutung, auch wenn er gemessen an der gesamten Verkehrsleistung weiterhin eine wichtige Rolle spielt. Hinzu kommt ein deutlicher Zuwachs bei der Elektromobilität. Ende 2024 waren 8.801 vollelektrische Pkw zugelassen, 2020 waren es noch 1.802. Die Zahl der öffentlich zugänglichen Ladepunkte stieg im selben Zeitraum von 59 auf 409. Auch die Radverkehrsmengen an der Zählstelle Promenade entwickelten sich weiter nach oben und lagen 2024 bei rund 5,4 Millionen erfassten Fahrten. Die Zahlen sprechen dafür, dass sich die Verkehrswende in der Stadt zumindest in einzelnen Bereichen messbar fortsetzt.

Weniger eindeutig ist die Entwicklung beim Busverkehr. Für 2023 und 2024 nennt der Bericht jeweils 32 Millionen Fahrgäste auf den Stadtbussen, während für 2022 noch 47 Millionen ausgewiesen wurden. Die Stadt erklärt die Abweichung allerdings mit einer veränderten Datengrundlage, sodass direkte Vergleiche nur eingeschränkt möglich sind. Neue verkehrspolitische Zielwerte sollen künftig aus dem Masterplan Mobilität Münster 2035+ abgeleitet werden.

Baumschutz und Artenvielfalt bleiben sensible Themen

Mit der Baumschutzsatzung ist erstmals ein neues Umweltmedium in den Bericht aufgenommen worden. Seit ihrem Inkrafttreten am 1. Oktober 2023 hat sie nach Einschätzung der Stadt die Aufmerksamkeit für den Schutz von Bäumen deutlich erhöht. 2023 wurden 75 Anträge auf Ausnahme oder Befreiung gestellt, 2024 bereits 266, 2025 dann 471. Das deutet darauf hin, dass Eingriffe in den Baumbestand inzwischen stärker wahrgenommen und formell beantragt werden. Die Stadt verweist zugleich darauf, dass nicht nur Fällungen, sondern auch Eingriffe in Wurzelbereich oder Baumkrone genehmigungspflichtig sein können. Die Satzung habe außerdem dazu beigetragen, vorsorgliche Rodungen vor Bauvorhaben im Regelfall zu verhindern.

Weniger positiv liest sich der Teil zur Biodiversität. Zwar stiegen bei Mohn und Kornblume die geschätzten Individuenzahlen in den jüngsten Erhebungen, doch der Bericht macht deutlich, dass dies vor allem auf wenige besonders wildkräuterreiche Flächen zurückgeht. Noch problematischer ist die Entwicklung beim Kiebitz. 2023 wurden 75 Brutpaare gezählt, 2024 noch 65. Zwar lag der Bruterfolg in beiden Jahren im bestandserhaltenden Bereich, eine nachhaltige Erholung der Population ist laut Bericht aber weiterhin nicht erkennbar. Die Stadt hält ausdrücklich fest, dass der Bestand nach wie vor deutlich von einem günstigen Erhaltungszustand entfernt ist.

Lärm, Fläche und Grün zeigen die offenen Baustellen

Groß bleibt die Belastung beim Verkehrslärm. Der aktuelle Lärmaktionsplan weist 55 Streckenabschnitte mit hoher Priorität für Lärmminderungsmaßnahmen aus, sechs davon kommen für Tempo 30 in Betracht. Für 2022 nennt der Bericht mehr als 99.500 Menschen, die tagsüber an Hauptverkehrsstraßen mit Pegeln über 55 dB(A) leben, sowie 71.300 Menschen mit nächtlichen Belastungen über 50 dB(A). Zwar sind die Werte wegen neuer Berechnungsvorschriften nur eingeschränkt mit früheren Jahren vergleichbar, das Ausmaß der Betroffenheit bleibt aber erheblich. Hinzu kommt, dass das geplante Schallschutzfensterprogramm wegen der angespannten Haushaltslage bislang nicht umgesetzt wurde.

Beim Thema Flächenverbrauch bleibt die Lage schwer zu bewerten. Wegen methodischer Änderungen im Liegenschaftskataster lassen sich Veränderungen bei Siedlungs- und Verkehrsflächen derzeit nur eingeschränkt interpretieren. Ende 2024 lagen diese Flächen bei insgesamt 10.034 Hektar, davon 7.437 Hektar Siedlung und 2.597 Hektar Verkehr. Das entspricht rund einem Drittel der gesamten Bodenfläche. Gleichzeitig betont die Stadt, dass ein direkter Bezug zum langjährigen Zielwert von maximal 30 Hektar zusätzlicher Siedlungs- und Verkehrsfläche pro Jahr aktuell nicht belastbar hergestellt werden kann.

Stabil wirkt dagegen das Bild beim städtischen Grünsystem. In den Jahren 2023 und 2024 wurden dort keine baulichen Eingriffe von mehr als 500 Quadratmetern versiegelter Fläche vorgenommen oder planungsrechtlich vorbereitet. Zugleich sieht die Stadt aber deutlichen Modernisierungsbedarf bei der bisherigen Grünordnung. Sie soll deshalb zur Grünordnung 2.0 weiterentwickelt werden. Öffentliche Grünflächen umfassten 2024 insgesamt 396 Hektar, Spielplatzflächen 50 Hektar, die Zahl der Spielplätze lag bei 324. Damit bleibt der Schutz und die Weiterentwicklung des städtischen Grüns ein zentrales Thema, gerade weil Wohnungsbau, Klimaanpassung und Freiraumsicherung immer stärker zusammen gedacht werden müssen.

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