Rätsel um 3.000 Jahre alte Münster-Mumie: Forscher suchen Antworten

Die Münster-Mumie gibt Rätsel auf. Forscher erhalten 130.000 Euro, um ihre Herkunft und Geschichte zu untersuchen.
Seit dem Jahr 2021 dauerhaft im Archäologischen Museum Münster zu sehen: der rund 3.000 Jahre alte Sarg und die einige Jahrhunderte jüngere Mumie. © Archäologisches Museum Münster - L. Hecht

Teilen:

Münster. Wer war der Mann, dessen Mumie seit Jahren im Archäologischen Museum der Universität Münster ausgestellt ist? Warum wurde er in einem Sarg bestattet, der mehrere Jahrhunderte älter ist als er selbst? Diese und weitere Fragen sollen nun wissenschaftlich untersucht werden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Erforschung der sogenannten Münster-Mumie mit 130.000 Euro über einen Zeitraum von zwei Jahren. Mithilfe moderner Analysemethoden erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über das Leben im alten Ägypten.

Anzeige

Münster-Mumie soll mit modernen Methoden untersucht werden

Unter der Leitung der Ägyptologen Prof. Dr. Angelika Lohwasser und Dr. Marc Loth von der Universität Münster untersucht ein interdisziplinäres Forschungsteam die Mumie und ihren Sarg. Beteiligt sind Fachleute aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen, darunter Ägyptologie, Philosophie und Molekularbiologie.

Mithilfe genetischer Untersuchungen und Analysen der verwendeten Balsamierungssubstanzen wollen die Forscher unter anderem Rückschlüsse auf das Alter, die Ernährung und den Gesundheitszustand des Verstorbenen ziehen. Gleichzeitig soll geklärt werden, aus welchen Materialien der Sarg gefertigt wurde und welche Veränderungen er im Laufe der Jahrhunderte erfahren hat. Besonders interessant ist dabei die Frage, warum der Sarg offenbar deutlich älter ist als die darin liegende Mumie.

Wie kam die ägyptische Mumie nach Münster?

Auch die Herkunft der Münster-Mumie gibt Rätsel auf. Bislang ist weder bekannt, wo Mumie und Sarg ursprünglich gefunden wurden, noch wie sie nach Deutschland gelangten. Die früheste gesicherte Erwähnung stammt aus dem Jahr 1903. Damals schenkte der Kaufmann Wilhelm Schmitz-Scholl, ein Nachkomme der Gründerfamilie der Tengelmann-Unternehmensgruppe, die beiden Objekte seiner ehemaligen Schule in Mülheim.

Anzeige

Über mehrere Stationen gelangten Mumie und Sarg schließlich in das Archäologische Museum der Universität Münster. Ihr Zustand war zu diesem Zeitpunkt schlecht. Unter anderem fehlt der Kopf der Mumie, der bis heute durch eine Attrappe ersetzt wird. Nach einer umfassenden Restaurierung sind die Objekte seit 2021 im Untergeschoss des Museums ausgestellt.

Forscher wollen 3.000 Jahre Geschichte rekonstruieren

Neben der Untersuchung des Verstorbenen wollen die Wissenschaftler auch die Geschichte des Sarges möglichst genau nachvollziehen. Dazu gehören seine ursprüngliche Herstellung, spätere Veränderungen durch Stuck und Bemalung sowie eine mögliche Wiederverwendung.

Nach Einschätzung der Ägyptologin Angelika Lohwasser ist das Ensemble weder besonders außergewöhnlich noch von herausragender Qualität. Gerade darin liege jedoch sein wissenschaftlicher Wert. Während bislang häufig besonders auffällige Fundstücke untersucht wurden, könnte die Münster-Mumie neue Einblicke in alltägliche Bestattungspraktiken im alten Ägypten ermöglichen. Das Forschungsprojekt soll damit nicht nur die Geschichte eines einzelnen Verstorbenen beleuchten, sondern auch das Verständnis vom Leben vor rund 3.000 Jahren erweitern.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu