Siemens baut Konzernführung um und setzt stärker auf KI

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Technologiekonzern Siemens treibt seinen organisatorischen Umbau voran. Vorstandschef Roland Busch hat bei einer internen Führungskräftetagung die Bedeutung Künstlicher Intelligenz für die künftige Entwicklung des Unternehmens hervorgehoben. Mit der Strategie ONE Tech Company sollen Geschäftsbereiche enger zusammenarbeiten, Entscheidungen schneller getroffen und neue Technologien breiter eingesetzt werden. Für zahlreiche Führungskräfte bringt die Neuordnung bereits Veränderungen mit sich.

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Siemens will Technologien und Geschäftsbereiche enger verbinden

Der Konzern verfolgt das Ziel, Automatisierung, industrielle Software und Künstliche Intelligenz stärker miteinander zu verzahnen. Bislang getrennte Bereiche sollen gemeinsame Technologien, Daten und Vertriebsstrukturen intensiver nutzen. Dadurch will Siemens Entwicklungsprozesse beschleunigen und Kunden umfassendere Lösungen anbieten.

Die strategischen Grundlagen hatte das Unternehmen bereits im November 2025 vorgestellt. Damals kündigte Siemens an, in den folgenden drei Jahren mehr als eine Milliarde Euro in den Ausbau seiner KI-Angebote zu investieren. Zudem soll sich der Umsatz des Digitalgeschäfts bis 2030 verdoppeln. Das mittelfristige Wachstumsziel für die Umsatzerlöse liegt bei sechs bis neun Prozent, ohne Siemens Healthineers.

Bei der aktuellen Führungskräftetagung bekräftigte Busch nach Angaben von Teilnehmern gegenüber dem Handelsblatt diese Ausrichtung. Industrielle KI soll dem Unternehmen dabei helfen, bestehende Geschäfte auszubauen und zusätzliche Märkte zu erschließen.

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Vier Automatisierungsbereiche werden zusammengeführt

Ein zentraler Bestandteil des Umbaus ist die Neustrukturierung des Automatisierungsgeschäfts. Seit dem 1. Oktober 2026 bündelt Siemens die zuvor getrennten Bereiche Customer Services, Factory Automation, Motion Control und Process Automation in der neuen Einheit Automation.

Die Leitung hat Rainer Brehm übernommen. Er berichtet direkt an Vorstandsmitglied Cedrik Neike, der das Industriegeschäft Digital Industries verantwortet. Durch die Zusammenlegung will Siemens technische Kompetenzen besser verbinden und die Entwicklung neuer Automatisierungslösungen beschleunigen.

Auch die Führung des Deutschlandgeschäfts wurde neu organisiert. Seit Anfang Oktober arbeiten die Verantwortlichen der verschiedenen Geschäfte in einem gemeinsamen Führungsteam zusammen. Sprecherin ist Sabrina Herrmann. Die operative Verantwortung für die einzelnen Geschäftsbereiche verbleibt bei deren jeweiligen Leitungen.

Neue Führungsstruktur verändert Aufgaben im Konzern

Die Neuorganisation betrifft auch zahlreiche Managementpositionen. Nach Informationen des Handelsblatts hat Siemens zum 1. Oktober Hunderte bisherige CEO- und CFO-Titel innerhalb seiner Geschäftsorganisation gestrichen. Damit sollen Führungsstrukturen vereinheitlicht und Zuständigkeiten neu verteilt werden.

Die Änderungen betreffen zunächst Funktionen und Positionsbezeichnungen. Aus dem Wegfall eines Führungstitels lässt sich nicht automatisch der Verlust eines Arbeitsplatzes ableiten. Wie viele Stellen durch die Neustrukturierung möglicherweise entfallen könnten, war zunächst nicht konkret beziffert.

Die IG Metall unterstützt grundsätzlich das Ziel eines stärker integrierten Technologiekonzerns, verbindet damit allerdings klare Erwartungen. Arbeitnehmervertreter fordern, die Beschäftigten an Produktivitätsfortschritten zu beteiligen und die industrielle Entwicklung in Deutschland zu stärken. Zugleich haben sie sich ausdrücklich gegen einen Stellenabbau infolge der organisatorischen Veränderungen ausgesprochen.

Künstliche Intelligenz soll neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen

Siemens sieht industrielle KI als wichtigen Wachstumstreiber. Dabei geht es unter anderem um intelligente Produktionsanlagen, digitale Fabrikplanung und die automatisierte Steuerung industrieller Prozesse.

Das Unternehmen will Künstliche Intelligenz sowohl in eigenen Abläufen einsetzen als auch in Produkte und Dienstleistungen integrieren. Dadurch sollen Maschinen, Software und industrielle Infrastruktur enger zusammenarbeiten.

Strategisch richtet sich Siemens damit auf Märkte aus, in denen die Nachfrage nach Automatisierung, Digitalisierung und leistungsfähiger Infrastruktur wächst. Neben der Industrie gehören dazu unter anderem Rechenzentren, der Schienenverkehr und die Halbleiterproduktion. Gleichzeitig plant Siemens, seine Beteiligung an Siemens Healthineers bilanziell künftig nicht mehr vollständig in den Konzernabschluss einzubeziehen.

Siemens-Aktie gibt am Donnerstag nach

An der Börse verzeichnete die Siemens-Aktie am Donnerstagvormittag Verluste. Um 11:55 Uhr lag der Kurs nach Daten von EOD Historical Data bei 259,90 Euro. Gegenüber dem Xetra-Schlusskurs des Vortages von 266,75 Euro entsprach dies einem Rückgang um 2,57 Prozent.

Auch der Gesamtmarkt stand unter Druck. Der DAX verlor zum gleichen Datenstand rund 1,16 Prozent. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der aktuellen Strategiedebatte und dem Kursrückgang war nicht belegt.

Für Siemens steht mit der ONE Tech Company damit eine umfassende organisatorische Veränderung im Mittelpunkt. Der Konzern setzt auf Wachstum durch digitale Technologien und effizientere Zusammenarbeit. Welche konkreten Auswirkungen die neuen Strukturen langfristig auf Beschäftigung, Kosten und Profitabilität haben werden, war zunächst nicht abschließend beziffert.

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