
Münster landet im Abfallgebührenvergleich 2026 des Bundes der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen auf dem teuersten Platz. Für einen Vier-Personen-Haushalt errechnet der Verband jährliche Kosten von 730,80 Euro. Die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster widersprechen jedoch: Ein typischer Haushalt dieser Größe zahle mit den in Münster üblichen Behältern lediglich 294,36 Euro. Entscheidend für die große Differenz sind unterschiedliche Annahmen zu den Größen und Leerungen der Abfalltonnen.
Der Bund der Steuerzahler verwendet für seinen landesweiten Vergleich einen einheitlichen Musterhaushalt. Für Münster setzt er eine 120-Liter-Restabfalltonne mit 14-täglicher Leerung und eine 120-Liter-Biotonne an. Weil die Biotonne in Münster wöchentlich geleert wird, berücksichtigt das Modell innerhalb von zwei Wochen zwei Leerungen. Dadurch werden rechnerisch 240 Liter Bioabfall angesetzt.
Für die Restabfalltonne berechnet der Verband 267,60 Euro im Jahr, für die Biotonne 427,20 Euro. Zusammen mit der Grundgebühr von 36 Euro ergeben sich 730,80 Euro. Damit liegt Münster vor Hattingen, Selm und Herdecke. Der Landesdurchschnitt für die entsprechende Vergleichskategorie beträgt 320,64 Euro.
Nach Angaben der awm nutzt ein typischer Vier-Personen-Haushalt in Münster dagegen eine 60-Liter-Restabfalltonne und eine 35-Liter-Biotonne. Dafür fallen jährlich 133,80 beziehungsweise 124,56 Euro an. Einschließlich der Grundgebühr kostet diese Kombination 294,36 Euro und damit 436,44 Euro weniger als im Ranking des Bundes der Steuerzahler. Pro Person entspricht das rund 6,13 Euro im Monat.
Besonders groß ist der Unterschied beim Biomüll. Die von den awm als üblich bezeichnete 35-Liter-Tonne fasst innerhalb von zwei Wochen insgesamt 70 Liter. Das Vergleichsmodell setzt für denselben Zeitraum 240 Liter an. Die awm hatten den Verband nach eigenen Angaben bereits vor der Veröffentlichung über die in Münster überwiegend genutzten Behälter informiert. Der Bund der Steuerzahler hielt dennoch an seinem einheitlichen Musterhaushalt fest.
Hinter dem Streit stehen zwei unterschiedliche Ansätze. Der Bund der Steuerzahler will die kommunalen Tarife anhand identischer Behältergrößen vergleichen. Die awm stellen dagegen die tatsächliche Gebührenbelastung eines typischen Münsteraner Haushalts in den Mittelpunkt. Aus Sicht des Verbandes verteuert insbesondere die wöchentliche Leerung der Biotonne das System. Die awm kritisieren hingegen, dass lokale Unterschiede bei Behältergrößen, Mindestvolumen, Leerungsintervallen und zusätzlichen Leistungen in einem einfachen Ranking kaum berücksichtigt werden.
In Münster sind Papier- und Wertstofftonnen für Privathaushalte ohne zusätzliche Jahresgebühr enthalten. Hinzu kommen monatliche Sperrgut- und Grünabfallabfuhren, die Abholung großer Elektrogeräte sowie elf Recyclinghöfe. Dort können zahlreiche Wertstoffe, Problemabfälle und Sperrgut aus Privathaushalten kostenlos abgegeben werden.
Ob Münster tatsächlich die höchsten Müllgebühren in Nordrhein-Westfalen hat, hängt deshalb von der Berechnung ab. Im standardisierten Modell des Bundes der Steuerzahler liegt die Stadt auf dem teuersten Platz. Mit der laut awm üblichen Tonnenausstattung liegt ein Vier-Personen-Haushalt dagegen unter dem ermittelten Landesdurchschnitt.
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