
Die Stadt Münster reagiert auf die Haushaltslücke von mehr als 90 Millionen Euro mit einer Haushaltssperre und einem geplanten Sparpaket. Stadtdirektorin und Kämmerin Christine Zeller kündigte im Finanzausschuss an, konkrete Vorschläge im ersten Quartal 2027 vorzulegen. Grund für die Haushaltslücke in Münster sind nahezu vollständig weggebrochene Schlüsselzuweisungen des Landes Nordrhein-Westfalen. Im Doppelhaushalt 2026/27 war die Stadt für das laufende Jahr noch von rund 95 Millionen Euro ausgegangen. Tatsächlich sollen lediglich 2,8 Millionen Euro nach Münster fließen.
Als erste Konsequenz hat Zeller bereits eine Haushaltssperre verhängt. Aufschiebbare Leistungen dürfen grundsätzlich nicht neu beauftragt werden, auch neue Verträge oder Verlängerungen bestehender Vereinbarungen sind nur noch eingeschränkt möglich. Ausgenommen bleiben unter anderem gesetzlich oder vertraglich zwingende Verpflichtungen, Maßnahmen zur Gefahren- und Schadensabwehr sowie bereits beschlossene Zuschüsse an freie Träger. Zeller kündigte zugleich weitere Einschnitte an: „Die Vorschläge werden den politischen Gremien im ersten Quartal des nächsten Jahres vorgelegt.“ Der bereits beschlossene Doppelhaushalt bleibt nach Angaben der Stadt zwar bis Ende 2027 bestehen, dennoch soll die Belastung bereits im laufenden Jahr möglichst gering gehalten werden.
Die Stadt verweist zugleich auf die schwierige Finanzlage vieler Kommunen. Nach Angaben der Verwaltung summierte sich das Defizit der deutschen Kommunen 2025 auf rund 30 Milliarden Euro. In Münster entfallen allein 881 Millionen Euro auf sogenannte Transferaufwendungen, darunter Sozial- und Jugendhilfe. Damit machen diese Ausgaben mehr als 53 Prozent des Haushaltsvolumens aus. Aus Sicht der Stadt sind insbesondere Bund und Länder gefordert, Kommunen bei diesen Aufgaben stärker zu entlasten.
Die Kämmerin widersprach im Finanzausschuss dem Vorwurf, der starke Rückgang der Schlüsselzuweisungen sei schon früher absehbar gewesen. Nach Angaben der Stadt seien die Haushaltsansätze auf Grundlage der jeweils verfügbaren Prognosen des Landes und der städtischen Daten berechnet worden. Für 2027 hatte die Kämmerei die erwarteten Schlüsselzuweisungen bereits deutlich niedriger angesetzt: rund 12,2 Prozent unter dem Vorjahreswert und 26 Prozent unter dem Wert von 2025. Zeller erklärte dazu: „Dass es noch schlimmer kommen würde, war im Mai schlicht nicht erwartbar.“ Wie hoch die Schlüsselzuweisungen für eine Kommune ausfallen, hängt unter anderem von Steuerkraft, Finanzbedarf, der Entwicklung anderer Städte und Gemeinden in NRW sowie von der Höhe der vom Land bereitgestellten Ausgleichsmasse ab.
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