Münsters freie Theater kämpfen um 180.000 Euro: Mehr Anträge als Geld

18 Anträge, 180.000 Euro Budget: Münsters freie Theaterszene steht 2026 erneut unter hohem Finanzierungsdruck.
Theater Münster, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

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Münster will auch 2026 wieder 180.000 Euro für die freie Theaterszene bereitstellen. Über die Vergabe der Mittel hat das Theaterkuratorium bereits beraten, nun soll der Kulturausschuss am 10. März die Empfehlungen bestätigen. Die Förderung betrifft ausschließlich professionelle freie Theaterproduktionen, Konzepte und Wiederaufnahmen, die im kommenden Jahr umgesetzt werden sollen. Die Mittel stehen unter dem Vorbehalt des Ratsbeschlusses über den Haushalt 2026 und 2027. 

Schon ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie eng der Spielraum ist. Für 2026 gingen 18 Anträge von 16 Antragstellenden ein. Das beantragte Gesamtvolumen liegt bei knapp 260.000 Euro, während 180.000 Euro zur Verfügung stehen. Das Förderprogramm ist damit erneut deutlich überzeichnet.

Überzeichnung ist kein Einzelfall, sondern Struktur

Die aktuelle Situation ist kein Ausreißer. Die Beschlussvorlage verweist ausdrücklich darauf, dass im Vorjahr 27 Anträge mit einer Antragssumme von gut 414.000 Euro vorlagen. Auch wenn die Zahlen 2026 etwas darunter bleiben, zeigt sich, dass die Nachfrage nach kommunaler Förderung die verfügbaren Mittel seit Jahren übersteigt.

Zur Vergabe steht 2026 erneut der planerische Haushaltsansatz von 180.000 Euro. Empfohlen werden zehn Produktionsförderungen, eine Konzeptionsförderung sowie zwei Wiederaufnahmeförderungen. Damit bleibt der Fördertopf stabil, während der Bedarf hoch bleibt.

Die Stadt nennt mehrere Faktoren, die die Situation zusätzlich verschärfen. Zum einen herrscht Unsicherheit bei Landesförderungen, die für viele Projekte essenziell sind. Zum anderen wirkt sich die anstehende Sanierung des Probenzentrums Hoppengarten aus, wodurch günstige Probenmöglichkeiten zeitweise entfallen.

Mindesthonorare und steigende Kosten erhöhen den Druck

Ein zentraler Punkt ist die Einführung verpflichtender Mindesthonorare bei Landesförderungen ab 2026. Die Stadt rechnet in diesem Zusammenhang mit Kostensteigerungen von rund 30 Prozent. Zwar bilden sich diese Effekte 2026 durch vermehrte Wiederaufnahmen teilweise moderater ab, perspektivisch ist jedoch mit weiter steigendem Bedarf zu rechnen.

Wiederaufnahmen bestehender Stücke gewinnen dadurch an Bedeutung. Sie erfordern weniger Probenzeit und verursachen geringere Personalkosten als komplett neue Produktionen. Für einige Labels ist das eine Strategie, um finanzielle Risiken kalkulierbarer zu machen.

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Gleichzeitig zeigt sich, dass kommunale Mittel allein selten ausreichen. Viele freie Theater sind auf eine Mischfinanzierung angewiesen, die Landes- und Bundesprogramme ebenso einbezieht wie Eigenmittel aus Ticketverkäufen oder Kooperationen.

Welche Projekte 2026 gefördert werden sollen

Das Theaterkuratorium hat in seiner Sitzung im November 2025 über sämtliche fristgerecht eingereichten Anträge entschieden. Empfohlen werden unter anderem 36.000 Euro für Cactus Junges Theater sowie insgesamt 30.000 Euro für zwei Produktionen von Bodytalk TanzTheater. 

Weitere Zuschüsse sind für Brüning und Banse, Skrytin Systur, Rue Obscure, unbound bodies, Freuynde und Gaesdte sowie das Kollektiv des guten Willens vorgesehen. Drei Anträge wurden abgelehnt, einzelne Projekte sollen gegebenenfalls in anderen Fördertöpfen geprüft werden. Die Entscheidung folgt den städtischen Leitlinien zur Produktions- und Konzeptionsförderung für freie Theater.

Münster im Vergleich: solide, aber nicht dynamisch

Mit 180.000 Euro jährlich bewegt sich Münster im kommunalen Vergleich im soliden Bereich. Kleinere Städte wie Bielefeld arbeiten mit deutlich geringeren Produktionsbudgets. Größere Städte wie Köln kombinieren projektbezogene Mittel stärker mit strukturellen oder mehrjährigen Fördermodellen.

Münster setzt weiterhin vor allem auf projektbezogene Unterstützung. Das schafft Flexibilität und ermöglicht jährlich neue Impulse. Gleichzeitig bedeutet es, dass jede Spielzeit aufs Neue um Mittel gerungen werden muss.

Kontinuität mit offenen Fragen

Die Theaterförderung 2026 steht für Kontinuität im städtischen Haushalt. Doch die Zahlen machen deutlich, dass der Druck auf die freie Szene wächst. Mehr Anträge als Geld, steigende Kosten und neue Honoraranforderungen verändern die Rahmenbedingungen spürbar.

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