
Münster. Die Hallenbäder in Münster stehen vor großen Herausforderungen. Während der Sanierungsbedarf steigt und Personal fehlt, sucht die Stadt nach neuen Wegen, um den Schwimmbetrieb langfristig zu sichern. In Wolbeck und im Südbad übernehmen deshalb erstmals Vereine testweise die Verantwortung während ihrer Schwimmzeiten. Gleichzeitig zeigt ein aktueller Verwaltungsbericht, dass allein die Sanierung des Ostbads mindestens 20 Millionen Euro kosten könnte.
Nach den Herbstferien 2026 startet die Stadt Münster einen Modellversuch in den Hallenbädern Wolbeck und Süd. Während ihrer regulären Schwimmzeiten übernehmen Vereine dort eigenständig Aufgaben des Badebetriebs. Mitarbeitende des Sportamtes begleiten die bis Ende Dezember laufende Testphase. Für das Schulschwimmen und den öffentlichen Badebetrieb ergeben sich dadurch keine Änderungen.
Die Stadt erhofft sich von dem neuen Modell eine Entlastung ihres Personals. Gleichzeitig könnten zusätzliche Schwimmzeiten für Vereine und die Öffentlichkeit entstehen. Allerdings bringt die Übernahme von Betriebsaufgaben auch Herausforderungen mit sich, insbesondere bei der Sicherheit und dem Umgang mit teilweise veralteter Badtechnik.
„Der Testlauf soll zeigen, welche Anforderungen und Risiken mit dem Betrieb durch Vereine verbunden sind und wie sie sich verlässlich bewältigen lassen“, erklärt Sportamtsleiterin Kerstin Dewaldt. Ob das Modell dauerhaft eingeführt oder auf weitere Bäder ausgeweitet werden kann, soll sich anhand der Erfahrungen aus der Pilotphase zeigen.
Hintergrund des Modellversuchs ist die angespannte finanzielle Situation. Münster betreibt sieben Hallenbäder und drei Freibäder. Zusätzlich unterstützt die Stadt das Freibad Sudmühle und das Bürgerbad Handorf finanziell. Obwohl das Angebot in den vergangenen Jahren gewachsen ist, wurde das Betriebsbudget nach Angaben der Verwaltung nicht entsprechend erhöht. In den vergangenen beiden Jahren lagen die jährlichen Betriebskosten für die insgesamt zwölf Bäder bei jeweils rund 11,75 Millionen Euro. Allein knapp 5,4 Millionen Euro entfielen auf das Personal. Dem standen durchschnittliche Einnahmen von lediglich 1,45 Millionen Euro pro Jahr gegenüber. Damit muss die Stadt einen erheblichen Teil der Kosten aus ihrem Haushalt finanzieren.
Angesichts dieser Entwicklung sollen Abläufe effizienter organisiert, Personalressourcen besser eingesetzt und die wirtschaftlichen Kennzahlen der einzelnen Standorte transparenter werden. „Deshalb müssen wir uns darauf konzentrieren, bestehende Mängel zu beseitigen, den sicheren Betrieb zu gewährleisten und die Bäder mit den vorhandenen Ressourcen langfristig verlässlich zu organisieren“, betont Dewaldt.
Neben den laufenden Betriebskosten bereitet vor allem der Zustand vieler Schwimmbäder Sorgen. Mit Ausnahme des 2024 neu errichteten Südbads und des 1983 gebauten Hallenbads Kinderhaus sind die städtischen Bäder in Münster inzwischen mehr als 50 Jahre alt. Zahlreiche technische Anlagen müssen erneuert werden. Besonders betroffen sind unter anderem die Wasseraufbereitung, Lüftung, Energieversorgung und Gebäudeautomation.
Bereits 2026 führten größere Defekte zu Einschränkungen. Das Hallenbad Ost und das Freibad Coburg mussten zeitweise außerplanmäßig schließen. In den Bädern Mitte, Kinderhaus und Hiltrup dauerten notwendige Wartungs- und Revisionsarbeiten länger als vorgesehen. Besonders kritisch ist die Situation im Ostbad. Dort beziffert die Verwaltung die bislang ermittelten Sanierungskosten auf rund 20 Millionen Euro. Diese Summe umfasst vor allem Maßnahmen, die für den Erhalt des bestehenden Badeangebots erforderlich sind. Weitergehende Investitionen in den Sauna- und Solebereich sind unter den aktuellen finanziellen Bedingungen nicht berücksichtigt.
Auch das Hallenbad Hiltrup benötigt umfangreiche Modernisierungen. Die gesamte Badewasser-, Steuer- und Schalttechnik gilt als veraltet. Zudem müssen mittelfristig die Filteranlagen ausgetauscht werden. Für eine technische und energetische Sanierung hat der Bund eine Förderung von 1,2 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Ursprünglich hatte die Stadt 3,15 Millionen Euro beantragt. Welche Gesamtinvestition tatsächlich notwendig wird, ist derzeit noch offen.
Nach Einschätzung der Stadt lässt sich der Betrieb der meisten Hallenbäder in Münster durch laufende Instandhaltung und gezielte Sanierungen voraussichtlich noch fünf bis zehn Jahre aufrechterhalten. Danach könnten an zahlreichen Standorten größere Investitionen erforderlich werden. Für das Ostbad und das Hallenbad Hiltrup besteht bereits jetzt ein besonders dringender Handlungsbedarf.
Im kommenden Jahr will die Verwaltung deshalb sämtliche Bäderstandorte hinsichtlich ihres baulichen Zustands, ihrer Entwicklungsmöglichkeiten und der finanziellen Rahmenbedingungen bewerten. Auf dieser Grundlage sollen dem Rat voraussichtlich im ersten Quartal 2027 konkrete Vorschläge vorgelegt werden, welche Maßnahmen zuerst umgesetzt werden sollen.
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