
Der US-Halbleiterkonzern Marvell Technology steht vor einer der größten Übernahmen des Jahres. Das Unternehmen hat am Montag, 2. November 2026, eine Vereinbarung zum Kauf des Laser- und Optikspezialisten Lumentum bekannt gegeben. Die geplante Transaktion hat einen rechnerischen Unternehmenswert von rund 115 Milliarden US-Dollar. Mit dem Zusammenschluss will Marvell sein Geschäft mit Technologien für künstliche Intelligenz ausbauen und insbesondere die Datenübertragung in großen Rechenzentren stärken.
Die geplante Übernahme von Lumentum soll vollständig durch einen Aktientausch finanziert werden. Für jede Lumentum-Aktie erhalten die bisherigen Anteilseigner 4,5 Marvell-Aktien. Auf Grundlage der Börsenkurse vom 28. Oktober entspricht dies einem rechnerischen Gegenwert von etwa 1.132 US-Dollar je Lumentum-Aktie. Der Aufschlag gegenüber dem damaligen, noch nicht von Übernahmespekulationen beeinflussten Kurs liegt bei rund 23,9 Prozent.
Der reine Aktienwert der Transaktion liegt bei etwa 102,5 Milliarden Dollar. Einschließlich der berücksichtigten Verschuldung ergibt sich der von den Unternehmen genannte Gesamtwert von rund 115 Milliarden Dollar. Da das Umtauschverhältnis festgelegt ist, verändert sich der tatsächliche Gegenwert bis zum Abschluss mit dem Aktienkurs von Marvell. Nach der Übernahme sollen die bisherigen Marvell-Aktionäre rund 67 Prozent und die Lumentum-Aktionäre etwa 33 Prozent des gemeinsamen Unternehmens besitzen.
Hinter der Milliardenübernahme steht die wachsende Bedeutung optischer Verbindungstechnik. Marvell entwickelt unter anderem spezialisierte Halbleiter und Netzwerktechnologien für große Rechenzentren. Lumentum produziert Laser, optische Komponenten und Systeme, die Informationen mithilfe von Licht übertragen.
Beim Betrieb leistungsfähiger KI-Systeme müssen immer größere Datenmengen zwischen zahlreichen Prozessoren und Servern ausgetauscht werden. Herkömmliche elektrische Verbindungen stoßen dabei insbesondere hinsichtlich Geschwindigkeit, Reichweite und Energieverbrauch an technische Grenzen. Optische Lösungen auf Basis von Lichtwellenleitern gewinnen deshalb an Bedeutung.
Marvell will künftig Halbleitertechnik und optische Komponenten enger miteinander verbinden. Nach Unternehmensangaben könnte der Zusammenschluss den insgesamt adressierbaren Markt auf rund 550 Milliarden Dollar erweitern. Außerdem erwartet der Konzern langfristig jährliche Kosteneinsparungen von mehr als einer Milliarde Dollar. Beide Angaben sind Unternehmensprognosen und keine bereits erzielten Ergebnisse.
An der Börse wurde die angekündigte Übernahme zunächst zurückhaltend aufgenommen. Im vorbörslichen US-Handel verloren die Aktien beider Unternehmen zeitweise deutlich. In einer Reuters-Meldung vom 2. November, veröffentlicht um 13.10 Uhr mitteleuropäischer Zeit, wurde für Marvell ein Rückgang um 2,3 Prozent und für Lumentum ein Minus von 6,5 Prozent genannt. Dabei handelte es sich um vorbörsliche Momentaufnahmen und nicht um Schlusskurse.
Bereits nach Bekanntwerden der Übernahmegespräche Ende Oktober hatte die Marvell-Aktie erheblich nachgegeben. Zu den Risiken des Zusammenschlusses zählen die hohe Bewertung und die Frage, ob sich die umfangreichen Investitionen der Technologiebranche in KI-Infrastruktur langfristig wirtschaftlich auszahlen.
Die Verwaltungsräte beider Unternehmen haben der Vereinbarung einstimmig zugestimmt. Abgeschlossen ist die Übernahme damit allerdings noch nicht. Sowohl die Aktionäre von Marvell als auch diejenigen von Lumentum müssen zustimmen. Darüber hinaus sind die erforderlichen regulatorischen Genehmigungen notwendig.
Als Zeitrahmen für den Abschluss nennen die Unternehmen das erste Halbjahr 2028. Marvell-Chef Matt Murphy soll anschließend weiterhin den Vorsitz und die operative Führung übernehmen. Drei Mitglieder des bisherigen Lumentum-Verwaltungsrats sollen in das Führungsgremium des zusammengeschlossenen Unternehmens wechseln.
Für die internationale Halbleiterbranche könnte der Zusammenschluss eine bedeutende Veränderung darstellen. Marvell würde seine Position gegenüber dem größeren Wettbewerber Broadcom stärken, der ebenfalls Halbleiter und Verbindungstechnologien für KI-Rechenzentren anbietet. Auch Nvidia ist mit beiden Unternehmen verbunden und investierte nach Reuters-Angaben 2026 jeweils zwei Milliarden Dollar in Marvell und Lumentum. Die geplante Übernahme unterstreicht damit die wachsende Bedeutung der Infrastruktur, die leistungsfähige KI-Prozessoren miteinander verbindet.
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