
Das Münsteraner Unternehmen Nowega hat gemeinsam mit mehreren Partnern erstmals erneuerbaren Wasserstoff von Lingen bis zum Chemiepark Marl transportiert. Damit erreicht das Wasserstoffprojekt von Nowega aus Münster einen wichtigen technischen Schritt. Wie das Unternehmen am 4. August mitteilt, arbeiten Erzeugung, Leitungsnetz und industrieller Abnehmer inzwischen erstmals im verbundenen Betrieb zusammen.
Münster selbst liegt allerdings nicht an der beschriebenen Transportstrecke. Der örtliche Bezug entsteht durch den Unternehmenssitz von Nowega. Der Fernleitungsnetzbetreiber gehört zu den zentralen Partnern des Projekts GET H2 Nukleus und ist am Aufbau sowie am Betrieb der Wasserstoffleitungen beteiligt.
Produziert wird der Wasserstoff auf dem Gelände des RWE-Gaskraftwerks Emsland in Lingen. Dort läuft derzeit die Inbetriebnahme von zwei Elektrolyseanlagen mit jeweils 100 Megawatt Leistung. Die Anlagen nutzen Strom, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten. Nach Angaben der Projektpartner entsprechen die ersten erzeugten Mengen den europäischen Anforderungen für erneuerbare Kraftstoffe nicht biologischen Ursprungs.
Von Lingen gelangt der Wasserstoff über ein rund 120 Kilometer langes Leitungsnetz nach Marl. Beteiligt sind neben Nowega auch der Fernleitungsnetzbetreiber OGE sowie die Evonik-Tochter SYNEQT. Im Chemiepark Marl wird der Wasserstoff anschließend für industrielle Anwendungen eingesetzt. Damit soll erstmals unter realen Bedingungen gezeigt werden, dass Produktion, Transport und Abnahme innerhalb eines zusammenhängenden Systems funktionieren.
Bis Ende 2026 will RWE in Lingen eine Elektrolyseleistung von insgesamt 200 Megawatt in Betrieb nehmen. Im Jahr 2027 soll die Anlage auf 300 Megawatt erweitert werden. Unternehmen, die den dort produzierten Wasserstoff beziehen, sollen Nachhaltigkeitsnachweise erhalten. Dadurch können sie dessen Einsatz bei ihren Klimazielen berücksichtigen.
Das Projekt GET H2 Nukleus wird teilweise vom Bund sowie von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gefördert. Die Leitungen sollen zugleich Bestandteil des bundesweiten Wasserstoff-Kernnetzes werden, das in den kommenden Jahren schrittweise entstehen soll.
Für Münster liegt die Bedeutung des Projekts vor allem in der Beteiligung von Nowega. Der Fernleitungsnetzbetreiber hat seinen Unternehmenssitz in der Stadt und betreibt Leitungen in Nordrhein-Westfalen sowie Niedersachsen. Beim GET H2 Nukleus übernimmt Nowega gemeinsam mit den Partnern Aufgaben beim Transport des Wasserstoffs und bei der Umstellung bestehender Gasleitungen.
Mit dem laufenden Testbetrieb sollen nicht nur technische Abläufe geprüft werden. Nach Angaben der beteiligten Unternehmen geht es auch um Regeln für den späteren Wasserstoffmarkt. Dazu gehören der Zugang zum Leitungsnetz, die Buchung von Transportkapazitäten und die Abrechnung der eingespeisten und entnommenen Mengen. Erfahrungen aus früheren Forschungsprojekten werden nun erstmals in einem industriellen System angewendet.
Auch das Münsterland spielt beim weiteren Ausbau eine Rolle. Bereits Ende 2025 wurde eine rund zehn Kilometer lange Leitung zwischen Heek und Epe fertiggestellt. Sie soll einen geplanten Wasserstoffspeicher anbinden. Ende 2026 soll dort die Befüllung einer unterirdischen Speicherkaverne beginnen, die nach derzeitiger Planung Mitte 2027 in Betrieb geht.
Weitere Leitungen zwischen Legden, Dorsten und Marl befinden sich in Vorbereitung oder im Umbau. Dadurch sollen zusätzliche Industriebetriebe an das Wasserstoffnetz angeschlossen werden. Das Wasserstoffprojekt von Nowega aus Münster reicht damit deutlich über die Verbindung zwischen Lingen und Marl hinaus. Es ist Teil einer Infrastruktur, die Erzeugungsanlagen, Speicher und industrielle Verbraucher in Nordwestdeutschland miteinander verbinden soll.
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