
Münster. Einen Platz im Anfängerschwimmkurs zu bekommen, ist für viele Familien in Münster zur Geduldsprobe geworden. Was Eltern seit Jahren berichten, belegt nun auch eine landesweite Datenrecherche des Westdeutscher Rundfunk: Schwimmkurse in Nordrhein-Westfalen sind fast flächendeckend ausgebucht. In Münster verschärfen zusätzlich strukturelle Probleme bei einzelnen Schwimmbädern die ohnehin angespannte Lage.
Für seine Recherche hat der WDR rund 900 Schwimmvereine und DLRG-Ortsgruppen in NRW kontaktiert, etwa 350 Vereine beteiligten sich. Das Ergebnis fällt deutlich aus: Rund 90 Prozent der Vereine meldeten vollständig ausgebuchte Anfängerschwimmkurse. In 27 Prozent der Fälle müssen Eltern ein bis zwei Jahre auf einen Platz warten, 14 Prozent gaben sogar Wartezeiten von mehr als zwei Jahren an. Die Formulierung „jahrelang“ ist damit kein zugespitzter Eindruck, sondern für einen Teil der Familien Realität.
Auch in Münster ist die Nachfrage deutlich höher als das Angebot. Bei der DLRG Münster liegen die Wartezeiten für Anfängerschwimmkurse derzeit bei sechs bis zwölf Monaten. Rund 1.000 Kinder stehen dort auf der Warteliste.
Ähnlich stellt sich die Situation bei der Schwimmvereinigung Münster von 1891 e.V. dar. Auch hier müssen Familien mit bis zu einem Jahr Wartezeit rechnen, aktuell warten etwa 20 Kinder auf einen Platz.
Besonders angespannt ist die Lage beim SC Westfalia Kinderhaus 1920 e.V.. Dort beträgt die Wartezeit für einen Anfängerschwimmkurs ein bis zwei Jahre, rund 800 Kinder stehen auf der Warteliste. Diese Zahlen zeigen, dass sich der landesweite Engpass in Münster sehr konkret niederschlägt.
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Die Gründe für die knappen Plätze ähneln sich landesweit. Viele Vereine würden gern mehr Kurse anbieten, stoßen aber an feste Grenzen. Es fehlt an ehrenamtlichen Trainerinnen und Trainern, zugleich sind die verfügbaren Wasserzeiten in den Schwimmbädern begrenzt. Selbst dort, wo Personal vorhanden wäre, lassen sich zusätzliche Kurse ohne freie Beckenzeiten kaum realisieren.
In Münster kommt ein weiterer Aspekt hinzu: die Situation einzelner Schwimmbäder. Vor allem das Hallenbad Ost war in den vergangenen Jahren mehrfach betroffen. Wegen erhöhter Legionellenwerte im Duschwasser musste das Bad wiederholt schließen oder den Betrieb einschränken. Die Stadt Münster wies dabei jeweils darauf hin, dass Ausweichmöglichkeiten für Schulen und Vereine nur begrenzt zur Verfügung stehen.
Wenn mehrere Bäder eingeschränkt sind, sinkt die Zahl der Kursplätze
Besonders problematisch wird die Lage in Phasen, in denen mehrere Bäder parallel nicht voll nutzbar sind, etwa durch Sanierungen, technische Probleme oder saisonale Schließzeiten. Dann konkurrieren Schulen, Vereine und öffentlicher Badebetrieb um dieselben knappen Wasserzeiten. Für die Schwimmausbildung bedeutet das oft: Wartelisten wachsen weiter, zusätzliche Kurse sind kaum möglich.
Zwar schreibt der Lehrplan in NRW vor, dass Kinder am Ende der Grundschulzeit sicher schwimmen können sollen. Die WDR-Recherche zeigt jedoch, dass der schulische Schwimmunterricht dieses Ziel nicht immer erreicht. Landesweit kam es an einzelnen Grundschulen zu Ausfällen oder verkürzten Wasserzeiten, etwa wegen Personalmangels oder langer Fahrwege zum nächsten Bad. Für Kinder ohne Vereinsplatz bleibt das ein strukturelles Problem.
Bundesweite Erhebungen im Auftrag der DLRG zeigen, dass rund 20 Prozent der Grundschulkinder nicht schwimmen können, weitere gelten als unsichere Schwimmer. Auch wenn es für Münster keine eigene Statistik gibt, deuten die langen Wartelisten und die begrenzten Kapazitäten klar darauf hin, dass viele Kinder erst spät oder gar nicht schwimmen lernen.
Die NRW-Landesregierung hat Investitionen in Neubau und Sanierung von Schwimmbädern angekündigt. Ob und wann diese Maßnahmen in Münster spürbar Entlastung bringen, ist offen. Kurzfristig bleibt die Lage angespannt – auch weil technische Probleme und Sanierungsbedarf einzelner Bäder die Schwimmausbildung zusätzlich ausbremsen.
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