
Münster-Gievenbeck. Mit einer neuen Variante des sogenannten Schockanrufs haben Betrüger in Münster eine Seniorin um eine höhere Geldsumme gebracht. Die Täter gaben sich als Polizeibeamte aus und behaupteten, ihre Tochter habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht. Auffällig ist die Sprache: Nach Angaben der Polizei häufen sich seit zwei Wochen Schockanrufe auf Russisch. Die Ermittler warnen vor der Masche und suchen Zeugen.
Der Betrugsfall ereignete sich am Donnerstag, 29. Oktober 2026, in Münster-Gievenbeck. Nach Angaben der Polizei erhielt die Seniorin zwischen 16.32 Uhr und 19.19 Uhr zahlreiche Anrufe auf ihrem Festnetztelefon und ihrem Handy. Dabei wechselten sich ein unbekannter Mann und eine unbekannte Frau ab, die sich jeweils als Polizeibeamte ausgaben.
Die Anrufer behaupteten, die Tochter der Seniorin habe einen Verkehrsunfall verursacht. Um angeblich eine Anzeige und eine Verhaftung zu verhindern, müsse die Frau eine größere Geldsumme bereitstellen. Die Täter setzten sie damit unter Druck und kündigten an, das Bargeld persönlich abholen zu lassen.
Gegen 18 Uhr erschien schließlich ein unbekannter Mann an der Anschrift der Seniorin. Etwa 20 Minuten später kam er erneut. Bei beiden Besuchen übergab die Frau Bargeld. Wie hoch der finanzielle Schaden insgesamt ist, teilte die Polizei nicht mit.
Besonders auffällig ist nach Angaben der Ermittler die Sprache, mit der die Betrüger ihre Opfer ansprechen. In den vergangenen zwei Wochen seien der Polizei Münster vermehrt Fälle gemeldet worden, bei denen die Täter offenbar gezielt in der jeweiligen Landessprache ihrer Opfer kommunizierten, vornehmlich auf Russisch.
Damit setzen die Betrüger auf eine Variante des bekannten Schockanruf-Betrugs. Dabei täuschen Täter schwere Notfälle im familiären Umfeld vor, um ihre Opfer zur schnellen Herausgabe von Geld oder Wertsachen zu bewegen. Häufig geben sie sich als Polizeibeamte aus und versuchen, durch angeblich drohende Konsequenzen Druck aufzubauen.
Auch im aktuellen Fall aus Gievenbeck sprach der bislang unbekannte Geldabholer nach Angaben der Geschädigten Russisch.
Die Polizei Münster sucht nun nach Personen, die am Donnerstagabend im Bereich der Heinrich-Ebel-Straße in Gievenbeck verdächtige Beobachtungen gemacht haben.
Der gesuchte Geldabholer wird als etwa 20 bis 35 Jahre alt und ungefähr 1,70 Meter groß beschrieben. Er soll eine normale Statur gehabt und zum Tatzeitpunkt eine Jacke sowie eine Mütze getragen haben. Außerdem habe er Russisch gesprochen.
Hinweise nimmt die Polizei Münster unter der Telefonnummer 0251 275-0 entgegen.
Angesichts der zunehmenden Meldungen warnt die Polizei ausdrücklich vor unbekannten Anrufern, die mit angeblichen Unglücksfällen oder finanziellen Notlagen Druck ausüben. Betroffene sollten niemals persönliche Daten, Informationen über ihre finanzielle Situation oder Bankverbindungen am Telefon preisgeben.
Die Ermittler empfehlen außerdem, Anrufer ihren Namen selbst nennen zu lassen, statt ihnen Informationen über Familienangehörige zu liefern. Wer mit Geldforderungen konfrontiert wird, sollte das Gespräch beenden und eine vertraute Person hinzuziehen. Geld oder Wertsachen sollten niemals an unbekannte Personen übergeben werden.
Besteht der Verdacht auf einen Betrugsversuch, sollten Betroffene selbst die Polizei über die Notrufnummer 110 kontaktieren und Anzeige erstatten.
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