
Münster könnte einen neuen Ort zum Schwimmen bekommen. Die SPD will prüfen lassen, ob ein Freibad im Stadthafen Münster beziehungsweise ein öffentlicher Badebereich im Stadthafen II eingerichtet werden kann. Damit greift die Fraktion ein Thema auf, das überraschenderweise schon seit Jahren in den offiziellen Planungen der Stadt auftaucht. Dort ist für das Hafenbecken bereits eine Badeoption vorgesehen worden.
Nach einem Medienbericht haben SPD-Fraktionschef Stefan Brinktrine und der Sportpolitiker Philipp Hagemann den Vorschlag bei einem Pressegespräch vorgestellt. Die Stadtverwaltung soll demnach zunächst untersuchen, welche rechtlichen, baulichen und organisatorischen Voraussetzungen für einen öffentlichen Badebetrieb im Stadthafen II erfüllt werden müssten.
Hintergrund ist die große Beliebtheit des Dortmund-Ems-Kanals als Abkühlung an heißen Sommertagen. Gerade im innenstadtnahen Abschnitt liegen regelmäßig Menschen an den Ufern und gehen ins Wasser. Der Kanal ist allerdings eine Bundeswasserstraße und in erster Linie Verkehrsweg für die Schifffahrt.
Nach Angaben des WDR sind auf dem Dortmund-Ems-Kanal in Münster täglich rund 60 große Frachtschiffe unterwegs. Die Wasserschutzpolizei weist darauf hin, dass die Schiffe Vorrang haben. Das Schwimmen im Kanal ist demnach nicht erlaubt, wird aber geduldet. Zu den Gefahren zählen neben dem Schiffsverkehr auch schwer erkennbare Gegenstände unter Wasser und unterschiedliche Wassertemperaturen.
Ein geregelter Badebereich im Stadthafen II könnte nach den Vorstellungen der SPD eine legale Alternative schaffen. Beschlossen ist ein solches Freibad allerdings nicht. Auch ein konkreter Kostenrahmen oder ein Zeitplan liegen bislang nicht vor.
Ganz neu ist die Idee eines Badebereichs am Stadthafen II allerdings nicht. In den offiziellen Planungen für die Münster Modell Quartiere rund um den Dortmund-Ems-Kanal spielt das Schwimmen an dieser Stelle bereits seit mehreren Jahren eine Rolle.
Im Perspektivplan für die Modellquartiere wird auf der Nordseite des Stadthafens II ein möglicher Strandpark beschrieben. Die Stadt verweist dabei auch auf den Erneuerungsbedarf der vorhandenen Spundwände. Die notwendigen Veränderungen am Hafenbecken könnten nach den bisherigen Planungen zugleich neue Möglichkeiten schaffen, das Wasser für Freizeit, Wassersport und Schwimmen zugänglich zu machen.
Noch konkreter wird ein parallel erarbeiteter Rahmenplan für die sogenannte blau-grüne Infrastruktur. Darin wird für den Bereich Am Hawerkamp/Stadthafen II eine Strandwiese mit Bademöglichkeit vorgeschlagen.
Schon während des Werkstattverfahrens für das Quartier war die Öffnung zum Wasser ein Thema. Für den Stadthafen II wurde damals ausdrücklich die Möglichkeit diskutiert, Schwimmen zu ermöglichen und dafür einen öffentlichen Zugang zum Wasser zu schaffen.
Damit knüpft der aktuelle SPD-Vorstoß an bereits dokumentierte städtebauliche Überlegungen der Stadt an. Aus den bisherigen Konzepten ist jedoch noch kein beschlossenes Freibadprojekt mit Finanzierung und festem Umsetzungstermin geworden.
Der mögliche Standort ist Teil des Münster Modell Quartiers 5 „Am Hawerkamp/Stadthafen 2“. Das Gebiet umfasst rund 25 Hektar. Kunst, Kultur, Freizeit und Arbeiten sollen dort bei der weiteren Entwicklung eine besondere Rolle spielen.
Die Planungen für das größere Umfeld reichen mehrere Jahre zurück. Im August 2020 beschloss der Rat die Entwicklung neuer urbaner Quartiere rund um den Dortmund-Ems-Kanal. Im Juni 2021 wurde das Untersuchungsgebiet um Flächen am Hawerkamp erweitert.
Gerade die Zugänglichkeit des Stadthafens II ist allerdings noch eine Herausforderung. Nach Angaben der Stadt ist ein Durchgang zum Hafenbecken derzeit nur im südlichen Teil möglich. Der nördliche Bereich ist bislang nicht verkehrssicher erschlossen. Teile des Umfelds bestehen zudem weiterhin aus Brach- und Entwicklungsflächen.
Für einen öffentlichen Badebetrieb müsste daher geklärt werden, wie Besucher sicher zum Wasser gelangen und wie das Hafenbecken selbst erschlossen werden kann.
Nach den bislang bekannt gewordenen Überlegungen wären für einen geregelten Badebetrieb verschiedene bauliche Maßnahmen notwendig. Wegen der Spundwände müssten sichere Möglichkeiten geschaffen werden, ins Wasser hinein- und wieder herauszugelangen. In Betracht kommen dafür beispielsweise Stege und Treppen.
Darüber hinaus wären bei einem klassischen Freibadbetrieb weitere Einrichtungen erforderlich. Dazu könnten Umkleiden, Schließfächer, ein geregelter Zugang und eine Abgrenzung des Geländes gehören. Auch die Frage der Badeaufsicht müsste geklärt werden.
Welche Maßnahmen tatsächlich vorgeschrieben wären und welche Kosten daraus entstehen würden, ist derzeit offen. Genau diese Fragen soll nach dem SPD-Vorschlag zunächst die Verwaltung untersuchen.
Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der sich das gesamte Hafengebiet weiter verändert. Auf der Südseite des Stadthafens I entsteht eine öffentliche Fuß- und Radverbindung entlang des Hafenbeckens. Langfristig soll diese Promenade bis zum Stadthafen II weitergeführt werden.
Die ersten Abschnitte werden mit Millionenbeträgen aus der Städtebauförderung unterstützt. Für die weitere Verbindung zum Stadthafen II sind allerdings zunächst Arbeiten am Dortmund-Ems-Kanal maßgeblich, für die Flächen durch die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung benötigt werden.
Ob aus dem Stadthafen II tatsächlich ein öffentliches Freibad oder ein einfacherer Badebereich wird, steht damit noch am Anfang. Die Voraussetzungen sind bislang weder abschließend geprüft noch politisch beschlossen. Fest steht aber: Die Vorstellung, an dieser Stelle künftig offiziell schwimmen zu können, ist in Münster deutlich älter als der aktuelle SPD-Vorstoß.
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