
Münster. Der Ausbau der Stadtstrecke Münster am Dortmund-Ems-Kanal gilt seit Jahren als eines der sensibelsten Infrastrukturprojekte in Nordrhein-Westfalen. Gemeint ist der rund vier Kilometer lange Kanalabschnitt im Stadtgebiet zwischen Kilometer 66,175 und 70,350. Ausgerechnet hier, wo der Kanal durch dicht bebautes Gebiet führt, ist die Wasserstraße bislang nicht auf den Standard gebracht worden, der für moderne Großmotorschiffe und Schubverbände notwendig wäre. Die jüngste Debatte im Landtag Nordrhein-Westfalen zeigt: Die Verzögerung ist längst nicht mehr nur ein lokales Thema.
Die Stadtstrecke umfasst die beiden Ausbaulose 11 und 12 des Dortmund-Ems-Kanals im Münsteraner Stadtgebiet. Sie verbindet den südlichen und nördlichen Teil des Kanals und gilt seit Jahren als Engpass im gesamten Wasserstraßensystem. Während andere Abschnitte bereits verbreitert und vertieft wurden, fehlt in Münster bislang der durchgängige Ausbau, der einen sicheren Begegnungsverkehr größerer Schiffe ermöglicht.
Geplant ist unter anderem, den Kanalquerschnitt zu erweitern und Querbauwerke anzupassen. Dazu gehören der Neubau beziehungsweise die Anpassung von insgesamt acht Brücken sowie mehreren Dükern, also Leitungen, die unter dem Kanal verlaufen. Ziel ist es, eine einheitliche Breite und ausreichende Durchfahrtshöhen zu schaffen.
Der Dortmund-Ems-Kanal ist eine der wichtigsten Binnenwasserstraßen in NRW. Er verbindet das Ruhrgebiet mit den Nordseehäfen und ist insbesondere für die Chemie-, Stahl- und Logistikbranche von Bedeutung. Gerade die Stadtstrecke Münster limitiert bislang die Leistungsfähigkeit des Kanals. Schiffe müssen hier langsamer fahren, Begegnungen sind nur eingeschränkt möglich.
Hinzu kommt die besondere Lage im Stadtgebiet: Neben der gewerblichen Schifffahrt nutzen auch Sport- und Freizeitboote den Kanal. Das erhöht die Anforderungen an Sicherheit und Verkehrsführung – und war in der Vergangenheit ein zentrales Argument in Genehmigungs- und Gerichtsverfahren.
Die rechtliche Grundlage für den Ausbau der Stadtstrecke liegt bereits seit 2008 vor. Damals bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Planfeststellungsbeschluss, Eilanträge gegen das Projekt wurden abgelehnt. Trotzdem kam der Ausbau nur schleppend voran.
Nach Angaben aus dem Umfeld der Stadt Münster sind zwar bereits mehrere Düker und einzelne Brücken fertiggestellt worden, zentrale Arbeiten wie der vollständige Ausbau des Kanalbetts und weitere Brückenneubauten stehen jedoch noch aus. Für Anwohnerinnen und Anwohner bedeutete das über Jahre hinweg immer wieder Baustellen, Sperrungen von Uferwegen und Umleitungen für den Rad- und Fußverkehr – ohne dass ein absehbares Ende erkennbar war.
Neue Brisanz bekam das Thema durch eine Kleine Anfrage im NRW-Landtag. Darin wird die Landesregierung gefragt, welche Auswirkungen die Streichung oder Verschiebung des Ausbaus der Stadtstrecke Münster auf die Funktionsfähigkeit und Betriebssicherheit des Dortmund-Ems-Kanals hat. Außerdem geht es um mögliche Folgen für Liefer- und Transportketten der nordrhein-westfälischen Industrie.
Auch Rückmeldungen betroffener Akteure stehen im Fokus: Welche Einschätzungen kommen von Unternehmen, Häfen, Verbänden oder Kommunen? Und wie setzt sich die Landesregierung gegenüber dem Bund für die Umsetzung der Maßnahme ein – insbesondere gegenüber Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder?
Für Münster selbst ist der Ausbau ein Balanceakt. Einerseits bringt er langfristig Vorteile: weniger Engpässe, mehr Planungssicherheit für den Hafen und eine Stärkung des Standorts im Güterverkehr. Andererseits ist die Belastung durch Bauarbeiten im Stadtgebiet erheblich.
Über die Stadtgrenzen hinaus ist die Stadtstrecke Münster jedoch von strategischer Bedeutung. Solange der Abschnitt nicht vollständig ausgebaut ist, bleibt der Dortmund-Ems-Kanal insgesamt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Wirtschaft und Logistikbranche drängen daher seit Jahren auf eine zügige Fertigstellung.
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