Westfalen investiert Millionen in Kältemittelanlage in Gelmer

Westfalen investiert Millionen in Kältemittelanlage in Gelmer
Foto: Westfalen AG & Co. KG

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Münster. Die Westfalen-Gruppe hat in Münster-Gelmer eine neue Produktionsanlage für natürliche Kältemittel in Betrieb genommen. Das Unternehmen investierte dafür einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Nach rund eineinhalb Jahren Bauzeit wurde die Anlage am 22. Oktober 2026 offiziell eröffnet. Dort wird hochreines Propan hergestellt, das insbesondere für Wärmepumpen benötigt wird. Zur Inbetriebnahme kam auch die Bundesmittelstandsbeauftragte Gitta Connemann nach Münster.

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Neue Anlage soll Versorgung mit Kältemitteln sichern

Mit der Investition baut die Westfalen-Gruppe ihre Kapazitäten für das natürliche Kältemittel R-290 aus. Dabei handelt es sich um besonders reines Propan, das beispielsweise in Wärmepumpen sowie in der Kälte- und Klimatechnik eingesetzt wird. Das Unternehmen verbindet mit der neuen Anlage seine beiden Geschäftsbereiche Energieversorgung und Industriegase.

Technisch handelt es sich um eine sogenannte Rektifikationsanlage. In diesem Verfahren wird Propan aufbereitet, um die für den Einsatz als Kältemittel erforderliche Reinheit zu erreichen. Bereits im September hatte Westfalen mitgeteilt, dass die Anlage die eigenen Produktionskapazitäten erweitern und die Versorgung mit R-290 langfristig absichern solle.

Produktionsvorständin Meike Schäffler sieht in der Wärmepumpentechnik weiterhin einen wichtigen Wachstumsmarkt. Westfalen rechne damit, dass diese Technologie bei der zukünftigen Wärmeversorgung eine zunehmende Rolle spielen werde. Mit der neuen Anlage wolle das Unternehmen auch bei einer steigenden Nachfrage ausreichend Kältemittel liefern können.

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Warum natürliches Propan für Wärmepumpen wichtiger wird

Hinter der Investition steht auch ein grundlegender Wandel in der europäischen Kälte- und Klimatechnik. Die Europäische Union schränkt den Einsatz bestimmter fluorierter Treibhausgase schrittweise ein. Grundlage ist die seit März 2024 geltende europäische F-Gase-Verordnung, die unter anderem Auswirkungen auf Kälteanlagen und Wärmepumpen hat.

Natürliche Kältemittel wie Propan gelten dabei als wichtige Alternativen. R-290 besitzt ein sehr geringes Treibhauspotenzial und kann verschiedene bislang verbreitete synthetische Kältemittel ersetzen. Allerdings ist Propan brennbar, weshalb bei seiner Verwendung entsprechende Sicherheitsanforderungen berücksichtigt werden müssen.

Für die Westfalen-Gruppe eröffnet diese Entwicklung nach eigener Einschätzung langfristige Wachstumschancen. Neben Propan vertreibt das Unternehmen auch andere natürliche Kältemittel, darunter Kohlendioxid und Ammoniak. Die neue Anlage in Münster-Gelmer ist damit Teil einer breiter angelegten Ausrichtung auf diesen Markt.

Standort Gelmer wächst, Westfalen kritisiert Investitionsbedingungen

Münster-Gelmer zählt nach Unternehmensangaben zu den wichtigsten Standorten der Westfalen-Gruppe. In den vergangenen Jahren wurden dort umfangreiche Produktions- und Logistikstrukturen aufgebaut. Sie dienen unter anderem dem Industrie-, Energie- und Mobilitätsgeschäft. Mit der neuen Kältemittelanlage erweitert Westfalen die bestehenden Einrichtungen um einen weiteren Produktionsbereich.

Bei der offiziellen Inbetriebnahme informierte sich Gitta Connemann über das Projekt. Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung und Beauftragte der Bundesregierung für den Mittelstand hob die Bedeutung mittelständischer Unternehmen für Investitionen und wirtschaftliches Wachstum hervor.

Westfalen-Finanzvorstand Jesko von Stechow äußerte zugleich Kritik an den Rahmenbedingungen in Deutschland. Zwar sehe das Unternehmen hierzulande erhebliches Potenzial für natürliche Kältemittel. Gleichzeitig würden die Aktivitäten in europäischen Nachbarländern verstärkt, weil dort aus Sicht des Unternehmens inzwischen günstigere Investitionsbedingungen bestünden.

Von Stechow forderte vor allem bezahlbare Energiekosten, einen Abbau bürokratischer Belastungen und verlässliche politische Rahmenbedingungen. Insgesamt investiert die Westfalen-Gruppe nach eigenen Angaben jährlich mehr als 100 Millionen Euro in den Ausbau ihrer europaweiten Geschäftstätigkeit.

Das 1923 in Münster gegründete Familienunternehmen beschäftigt nach Angaben der IHK Nord Westfalen rund 2.300 Menschen. Im Geschäftsjahr 2024 lag der Umsatz bei mehr als 2,1 Milliarden Euro. Angaben zur konkreten jährlichen Produktionsmenge der neuen Anlage oder zu zusätzlich geschaffenen Arbeitsplätzen wurden bislang nicht veröffentlicht.

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