Trigema-Chef Grupp rechnet mit 350.000 Euro höheren Anschlusskosten

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Textilhersteller Trigema aus Burladingen in Baden-Württemberg steht bei einem wichtigen Energieprojekt vor erheblichen zusätzlichen Kosten. Geschäftsführer Wolfgang Grupp junior hat öffentlich kritisiert, dass sich der vorgesehene Baukostenzuschuss für einen leistungsfähigeren Stromanschluss innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt habe. Für das Familienunternehmen könnte dies nach seiner Berechnung rund 350.000 Euro Mehrkosten bedeuten. Zugleich bemängelt der Unternehmer lange Genehmigungsverfahren und schwer kalkulierbare Energiepreise in Deutschland.

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Stromanschluss bei Trigema soll deutlich leistungsfähiger werden

Trigema arbeitet an einer neuen Energiezentrale, mit der die Versorgung der eigenen Produktion langfristig gesichert werden soll. Nach Angaben von Wolfgang Grupp junior investiert das Unternehmen dafür mehrere Millionen Euro. Künftig soll verstärkt Strom eingesetzt werden, insbesondere aus erneuerbaren Energien. Erdgas werde allerdings weiterhin benötigt.

Dafür muss die elektrische Anschlussleistung von derzeit einem Megawatt auf fünf Megawatt erhöht werden. Die zusätzlich benötigte Leistung liegt somit bei vier Megawatt beziehungsweise 4.000 Kilowatt.

Nach Grupps Darstellung stieg der vorgesehene Baukostenzuschuss innerhalb eines Jahres von 85 Euro auf 172,74 Euro je Kilowatt. Das entspricht einer Steigerung von rund 103 Prozent. Bezogen auf die zusätzliche Leistung ergibt sich daraus rechnerisch eine Differenz von 350.960 Euro.

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Die von Grupp genannten rund 350.000 Euro sind damit rechnerisch nachvollziehbar. Ob dieser Betrag tatsächlich in voller Höhe anfällt, ist bislang nicht unabhängig bestätigt.

Ein Baukostenzuschuss ist eine einmalige Beteiligung an den Kosten für den Ausbau des allgemeinen Stromnetzes. Nach Angaben der Bundesnetzagentur kann eine solche Zahlung auch erforderlich werden, wenn ein bestehender Anschluss leistungsfähiger gemacht wird. Sie ist von den eigentlichen Netzanschlusskosten zu unterscheiden.

Sieben Monate für die Genehmigung der Energiezentrale

Neben den höheren Anschlusskosten kritisiert Grupp den zeitlichen Aufwand für behördliche Genehmigungen. Nach seinen Angaben musste Trigema mehr als sieben Monate auf die Baugenehmigung für die Energiezentrale warten.

In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur erklärte er, das Unternehmen habe bereits frühzeitig Kontakt zu den zuständigen Behörden aufgenommen. Eine staatliche Förderung sei für das Vorhaben nicht beantragt worden.

Der geplante Betriebsbeginn der neuen Anlage liegt nach bisherigen Angaben im Jahr 2027. Sollte sich die Inbetriebnahme bis 2028 verzögern, würde dies nach Einschätzung des Geschäftsführers erhebliche zusätzliche Kosten verursachen.

Auch die Entwicklung der Gaspreise bereitet Grupp Sorgen. In seinem öffentlichen Beitrag sprach er von einer Vervierfachung der europäischen Gaspreise gegenüber dem Jahresbeginn. Welche konkrete Preisreihe und welche Vergleichstage er dabei zugrunde legte, blieb offen.

Aus Sicht des Unternehmers erschweren derartige Schwankungen die langfristige Planung industrieller Investitionen.

Trigema hält trotz hoher Kosten an Deutschland fest

Trigema gehört zu den bekannten deutschen Herstellern von Sport- und Freizeitbekleidung. Das Familienunternehmen produziert ausschließlich in Deutschland und betreibt Fertigungsstandorte in Burladingen, Rangendingen und Altshausen.

Nach eigenen Angaben beschäftigt Trigema rund 1.200 Menschen. Seit Januar 2024 führen Wolfgang Grupp junior und seine Schwester Bonita Grupp das Unternehmen in der vierten Generation. Ihr Vater Wolfgang Grupp hatte zuvor über Jahrzehnte die Unternehmensführung geprägt.

Die neue Energiezentrale ist Teil der Investitionen in die bestehende Produktion. Grupp junior bekräftigte, dass das Unternehmen weiterhin am Standort Deutschland festhalte.

Gleichzeitig könne er zunehmend nachvollziehen, weshalb sich andere Unternehmen gegen Investitionen in Deutschland entschieden. Als wesentliche Belastungen nannte er hohe Energiepreise, steigende Lohnnebenkosten und bürokratische Anforderungen.

Milliardeninvestition von Audi in den USA als Anlass für Standortkritik

Den Anlass für Grupps grundsätzliche Kritik lieferte die angekündigte Milliardeninvestition des Automobilherstellers Audi in den Vereinigten Staaten.

Audi hatte am 25. Oktober 2026 angekündigt, im US-Bundesstaat Georgia erstmals ein eigenes amerikanisches Automobilwerk errichten zu wollen. Das geplante Investitionsvolumen liegt bei rund vier Milliarden US-Dollar. Etwa 4.500 Arbeitsplätze sollen entstehen. Vorgesehen ist eine jährliche Produktionskapazität von bis zu 200.000 Fahrzeugen.

Der Baubeginn ist für 2027 geplant. Die Fahrzeugproduktion soll Anfang der 2030er-Jahre anlaufen.

Öffentliche Diskussionen hatte insbesondere der gemeinsame Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner und US-Präsident Donald Trump ausgelöst. Grupp hält die Debatte über diesen Auftritt für weniger entscheidend als die Frage, warum große industrielle Investitionen zunehmend außerhalb Deutschlands stattfinden.

Audi begründet seine Pläne allerdings auch mit wirtschaftlichen Zielen auf dem amerikanischen Absatzmarkt. Der Konzern möchte dort seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern und Handelsrisiken sowie Wechselkursschwankungen verringern. Die geplante Fabrik ist deshalb nicht ausschließlich auf unterschiedliche Produktionskosten zwischen Deutschland und den USA zurückzuführen.

Energiekosten und Planungssicherheit bleiben zentrale Herausforderungen

Die Kritik des Trigema-Geschäftsführers berührt ein grundsätzliches Problem der deutschen Industrie. Unternehmen, die ihre Produktionsprozesse stärker elektrifizieren wollen, benötigen häufig zusätzliche Netzkapazitäten. Neben Investitionen in neue Anlagen können dadurch weitere Kosten für die Strominfrastruktur entstehen.

Auch der internationale Vergleich der Energiepreise bleibt für produzierende Betriebe relevant. Der Jahreswirtschaftsbericht 2026 der Bundesregierung hält fest, dass die durchschnittlichen Strom- und Gaspreise für gewerbliche Abnehmer in Deutschland weiterhin über denen wichtiger Wettbewerber wie den USA und China liegen.

Wie stark einzelne Unternehmen dadurch belastet werden, hängt unter anderem von ihrem Energieverbrauch, den Lieferverträgen und möglichen Entlastungsregelungen ab.

Für Trigema steht derzeit der Ausbau der eigenen Energieversorgung im Mittelpunkt. Das Vorhaben soll die Produktion langfristig absichern und zugleich einen stärkeren Einsatz von Strom ermöglichen. Mit seiner Kritik fordert Grupp vor allem verlässlichere Bedingungen für Investitionen, kürzere Genehmigungsverfahren und besser kalkulierbare Energiekosten.

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