
Das Energiewende-Unternehmen GP Joule aus Reußenköge in Schleswig-Holstein befindet sich in einer umfassenden Neuorganisation. Nach Veränderungen im Gesellschafterkreis und mehreren Personalreduzierungen sollen nochmals rund 100 Arbeitsplätze wegfallen. Gleichzeitig konzentriert sich die Unternehmensgruppe stärker auf ausgewählte Geschäftsfelder. Mit Alexander Lehmann steht inzwischen ein neuer Mehrheitsgesellschafter hinter der Holding.
Der Stellenabbau bei GP Joule betrifft vor allem die Verwaltung und erstreckt sich über mehrere Standorte. Das Unternehmen bestätigte die jüngsten Maßnahmen am 23. Oktober 2026. Betriebsbedingte Kündigungen sind Bestandteil des Personalabbaus.
Nach Angaben des Unternehmens sollen vor allem Verwaltungskosten gesenkt und doppelte Organisationsstrukturen aufgelöst werden. Rund der Hälfte der betroffenen Beschäftigten seien alternative Arbeitsplätze in anderen Gesellschaften der Unternehmensgruppe angeboten worden.
Wie viele Beschäftigte diese Angebote angenommen haben, blieb zunächst offen. GP Joule plant nach eigenen Angaben, zum 1. Januar 2027 noch rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu beschäftigen.
Die jüngsten Einschnitte folgen auf einen bereits länger andauernden Personalabbau. Im Jahr 2025 wurden nach damaligen Angaben rund 140 Stellen gestrichen. Anfang 2026 waren weitere Beschäftigte betroffen, darunter Mitarbeiter der Wärmesparte.
Noch Anfang Oktober 2026 bezifferte Geschäftsführer Ove Petersen die Beschäftigtenzahl auf 765. Zuvor hatte die Unternehmensgruppe zeitweise knapp 1.000 Menschen beschäftigt.
Parallel zum Personalabbau hat GP Joule seine Eigentümerstruktur grundlegend verändert. Bereits am 24. Juni 2026 gab das Unternehmen bekannt, dass Alexander Lehmann neuer Mehrheitsgesellschafter der GP Joule Holding ist.
Lehmann ist geschäftsführender Gesellschafter der familiengeführten Minol-Zenner-Gruppe, die unter anderem in der Mess- und Energiedienstleistungsbranche tätig ist. An GP Joule war er bereits seit 2020 beteiligt.
Die operative Unternehmensführung bleibt dagegen bei Mitgründer Ove Petersen. Dieser führt GP Joule weiterhin als CEO und bleibt ebenfalls Gesellschafter. Gemeinsam mit Finanzchef Torben Menke bildet er die Geschäftsführung.
Mit der veränderten Eigentümerstruktur will die Unternehmensgruppe nach eigenen Angaben zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten erschließen und die Zusammenarbeit mit der Minol-Zenner-Gruppe ausbauen.
Auch innerhalb der Unternehmensgruppe wurden Zuständigkeiten neu verteilt. Mitgründer Heinrich Gärtner, zuvor Technikchef von GP Joule, hat sich aus dem Gesellschafterkreis der Holding zurückgezogen.
Stattdessen konzentriert er sich auf die GP Joule Wärme GmbH & Co. KG. An dieser Gesellschaft hält Gärtner inzwischen die Mehrheit der Anteile.
Das Unternehmen für erneuerbare Wärmeversorgung bleibt allerdings Teil der GP Joule Gruppe. Die Holding ist weiterhin an der Wärmegesellschaft beteiligt.
Für die übrigen Geschäftsbereiche sieht die Neuorganisation eine stärkere Konzentration auf Projektentwicklung, Anlagenbau sowie Betrieb und Dienstleistungen vor.
Als Gründe für die Personalanpassungen nennt GP Joule gestiegene Kosten, wirtschaftliche Herausforderungen und Unsicherheiten bei energiepolitischen Vorgaben.
Bereits Anfang Oktober hatte Ove Petersen erklärt, dass sich insbesondere die Wasserstoffwirtschaft und die Elektromobilität nicht so entwickelt hätten wie ursprünglich erwartet.
Hinzu kommen offene Fragen zur künftigen Ausgestaltung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und zu den Bedingungen für Stromnetzanschlüsse.
Für Unternehmen, die Windparks und Solaranlagen entwickeln, haben diese Regelungen erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Sie beeinflussen unter anderem die erwarteten Einnahmen, Investitionsentscheidungen und die Finanzierung neuer Projekte.
GP Joule hatte sich bereits im Mai gemeinsam mit weiteren Unternehmen für Änderungen an geplanten energiepolitischen Regelungen ausgesprochen.
Trotz des Stellenabbaus will GP Joule seine laufenden Projekte fortsetzen. Nach Unternehmensangaben seien bestehende Vorhaben in den Bereichen Windenergie, Solarenergie und Wasserstoff durch die Personalmaßnahmen nicht gefährdet.
Ein Beispiel ist der geplante Windpark Holzheim im bayerischen Landkreis Dillingen an der Donau. Dort sollen vier Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 28 Megawatt entstehen.
Im Oktober 2026 übernahmen die Stadtwerke München 74 Prozent der Projektanteile. Weitere Beteiligungen sind für Kommunen und eine Bürgergenossenschaft vorgesehen. Die Inbetriebnahme der Anlagen ist für Anfang 2028 geplant.
GP Joule bleibt damit trotz der personellen und gesellschaftsrechtlichen Veränderungen in mehreren Bereichen der Energiewende aktiv. Der wiederholte Stellenabbau und die neue Eigentümerstruktur markieren zugleich einen deutlichen Einschnitt in der Entwicklung des Unternehmens, das seit seiner Gründung 2009 stark gewachsen war.
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