
Ein Gottesdienst in der Überwasserkirche rückt am Donnerstag die Situation wohnungsloser Menschen in Münster in den Mittelpunkt. Anlass ist der bundesweite Tag der wohnungslosen Menschen am Freitag, 11. September. Die Zahlen zeigen, dass das Thema auch in Münster eine erhebliche soziale Herausforderung bleibt: Mehr als 2.300 Menschen in der Stadt haben keine eigene Wohnung.
Der ökumenische Gottesdienst ist für Donnerstag um 16 Uhr in der Überwasserkirche angekündigt. Zuvor beginnt dort um 14.30 Uhr der regelmäßig stattfindende „Treff im Turm“. Die Pfarrei Liebfrauen-Überwasser beschreibt ihn als Begegnungsangebot bei Kaffee und Kuchen, das sich ausdrücklich auch an Menschen richtet, die sich am Rand der Gesellschaft befinden. Bei gutem Wetter findet das Treffen auf dem Kirchplatz statt.
Wie groß die Wohnungslosigkeit in Münster inzwischen ist, zeigen die offiziellen Statistiken der Stadt. Zum Stichtag 31. Januar 2025 wurden 2.380 untergebrachte wohnungslose Personen gezählt. Zwei Jahre zuvor waren es 2.785, 2024 lag die Zahl bei 2.205. Die Werte werden auf fünf Personen gerundet und umfassen Menschen, die durch freie Träger oder das Sozialamt untergebracht wurden.
Aktuellere Angaben aus diesem Sommer bewegen sich in einer ähnlichen Größenordnung. Der WDR berichtete im Juni unter Berufung auf Informationen der Stadt Münster und der Bischof-Hermann-Stiftung von derzeit mehr als 2.300 wohnungslosen Menschen. Vor zwei Jahren seien es rund 2.100 gewesen.
Dabei bedeutet wohnungslos nicht automatisch, dass die Betroffenen auf der Straße schlafen. Viele Menschen leben vorübergehend in Einrichtungen, Hotels, Notunterkünften oder anderen von der Kommune und sozialen Trägern bereitgestellten Unterkünften. Andere Formen der Wohnungslosigkeit sind statistisch deutlich schwieriger zu erfassen.
Die Münsteraner Statistik macht deutlich, dass Wohnungslosigkeit keineswegs nur ältere alleinstehende Männer betrifft. Von den 2.380 im Jahr 2025 erfassten Menschen waren rund 680 jünger als 18 Jahre. Weitere etwa 255 waren zwischen 18 und 24 Jahre alt. Damit gehörten rund vier von zehn Betroffenen zur Altersgruppe unter 25 Jahren.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bundesweit. Nach den neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes waren am 31. Januar 2026 rund 452.900 wohnungslose Menschen in Deutschland untergebracht. 41 Prozent von ihnen waren jünger als 25 Jahre. Das Durchschnittsalter lag bei 31 Jahren. Nordrhein-Westfalen verzeichnete mit rund 104.700 untergebrachten Wohnungslosen die höchste Zahl aller Bundesländer.
Gegenüber dem Vorjahr ging die bundesweite Zahl zwar um rund fünf Prozent zurück. Die Statistik bildet allerdings nicht die gesamte Wohnungslosigkeit ab. Menschen, die ohne Unterkunft auf der Straße leben oder beispielsweise vorübergehend bei Freunden und Verwandten unterkommen, werden darin nicht erfasst. Die tatsächliche Zahl der Menschen ohne eigene Wohnung liegt deshalb höher.
Die Bekämpfung unfreiwilliger Obdachlosigkeit gehört zu den kommunalen Pflichtaufgaben. In Münster ist dafür das Sozialamt zuständig. Ein Schwerpunkt liegt darauf, einen drohenden Wohnungsverlust möglichst bereits im Vorfeld zu verhindern.
Wer beispielsweise wegen Mietschulden eine Kündigung oder eine Räumungsklage erhalten hat, kann sich an das Sozialamt wenden. Die Stadt vermittelt nach eigenen Angaben zwischen Mietern und Vermietern und kann unter bestimmten Voraussetzungen Miet- oder Energiekostenrückstände als Darlehen übernehmen. Erst wenn andere Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kommen ordnungsrechtliche Maßnahmen beziehungsweise eine Unterbringung wegen Obdachlosigkeit in Betracht.
Dass Wohnungslosigkeit auch Menschen mit geregeltem Einkommen treffen kann, wurde zuletzt ebenfalls in Münster sichtbar. Im Sommer waren berufstätige wohnungslose Männer zeitweise in einer kommunalen Einrichtung auf dem Gelände der ehemaligen Oxford-Kaserne untergebracht. Einige von ihnen berichteten, trotz eines Arbeitsplatzes keine reguläre Wohnung auf dem Münsteraner Wohnungsmarkt zu finden.
Der Tag der wohnungslosen Menschen am 11. September soll bundesweit auf genau diese unterschiedlichen Lebenssituationen aufmerksam machen. In Münster beginnt die Auseinandersetzung mit dem Thema bereits am Donnerstag in und rund um die Überwasserkirche.
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