
Greven. Die Entscheidung ist gefallen, zumindest politisch. Der Grevener Stadtrat hat am Mittwochabend, 4. November, mit großer Mehrheit den Weg für die geplante Auflösung der Martin-Luther-Grundschule und der Martini-Grundschule freigemacht. Lediglich zwei Ratsmitglieder stimmten dagegen, drei enthielten sich. Damit folgte die Mehrheit den Plänen der Verwaltung, obwohl insbesondere die Zukunft der evangelischen Martin-Luther-Grundschule seit Monaten umstritten ist. Eine deutliche Gegenrede kam ausgerechnet aus der CDU. Doch für die Mehrheit überwogen die finanziellen und schulorganisatorischen Argumente. Bürgermeister Dietrich Aden lobte anschließend den Mut des Rates zu einer grundlegenden Entscheidung.
Besonders entschieden widersprach CDU-Ratsmitglied Michael Gries den Plänen. Aus seiner Sicht erfolge die Neuordnung „völlig ohne Not“. Er erinnerte daran, dass die Martin-Luther-Grundschule weiterhin stark nachgefragt werde und die Stadt in der Vergangenheit gerade von ihrer flexiblen Schulstruktur profitiert habe. Kleinere Schulen hätten immer wieder geholfen, schwierige Situationen aufzufangen. Nun solle ausgerechnet ein solcher Standort aufgegeben werden.
Gries stellte auch die Frage, warum Eltern ihre Kinder bewusst an der Martin-Luther-Grundschule anmelden. Möglicherweise entschieden sie sich wegen des evangelischen Profils oder gerade wegen der überschaubaren Größe für diese Schule. Diese Motive müssten bei der Entscheidung berücksichtigt werden. Besonders kritisch äußerte er sich zu einem aus seiner Sicht jahrelangen Investitionsstopp am Standort. Einen solchen habe der Rat nach seiner Darstellung niemals beschlossen. Gries kündigte an, aus voller Überzeugung gegen die Vorlage zu stimmen.
Tatsächlich könnte die Martin-Luther-Grundschule nach den bisherigen Schülerprognosen auch künftig zweizügig bleiben. Die Stadt begründet ihre Schließungspläne jedoch nicht mit fehlender Nachfrage an diesem Standort, sondern mit dem erwarteten Rückgang der Schülerzahlen im gesamten Stadtgebiet. Andere Schulen verfügen demnach künftig über freie Kapazitäten, während für die Martin-Luther-Grundschule eine umfassende Sanierung oder ein Neubau erforderlich wäre. Die geschätzten Kosten liegen zwischen neun und 16 Millionen Euro.
In der Ratsdebatte fanden diese finanziellen Argumente breite Unterstützung. Die Wählervereinigung …unser Greven stellte sich grundsätzlich hinter die Neuordnung. Ausschlaggebend seien die sinkenden Schülerzahlen. Zugleich betonte sie, dass die Eltern bei der künftigen Schulart mitentscheiden sollten. Die SPD sprach ebenfalls von einer guten Lösung und verwies darauf, dass die bisherigen Schulen schrittweise auslaufen würden. Die Kinder müssten ihre Schule somit nicht von einem Tag auf den anderen verlassen.
Nach dem jetzt unterstützten Konzept sollen die Martin-Luther-Grundschule und die Martini-Grundschule ab dem Schuljahr 2029/30 keine neuen Eingangsklassen mehr bilden. Die bereits eingeschulten Kinder sollen ihre Grundschulzeit an ihren bisherigen Schulen beenden können. Am heutigen Martini-Standort ist gleichzeitig eine neue vierzügige Grundschule vorgesehen. Das dortige Schulgebäude bleibt also erhalten, während beide bisherigen Schulen als eigenständige Einrichtungen auslaufen sollen.
Offen ist weiterhin, welchen Charakter die neue Schule erhalten wird. Die Martin-Luther-Grundschule ist bislang Grevens einzige evangelische Bekenntnisgrundschule, die Martini-Grundschule katholisch. Über die künftige Schulart sollen Eltern 2027 in einem Bestimmungsverfahren abstimmen.
Gerade diese Frage war bereits vor der Ratssitzung Gegenstand rechtlicher Diskussionen. Denn die Abstimmung über die Schulart einer neuen Schule ist nicht zwangsläufig dasselbe wie eine Befragung zum Fortbestand der bisherigen Martin-Luther-Grundschule. Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen hat bei der Schließung von Bekenntnisschulen die sorgfältige Berücksichtigung des Elternwillens betont. Ob das vorgesehene Verfahren in Greven diesen Anforderungen genügt, bleibt eine rechtlich relevante Frage. Ein Rechtsverstoß ist bislang nicht festgestellt.
Der Ratsbeschluss legt die politische Richtung fest. Die weiteren schulorganisatorischen Beschlüsse und die Genehmigung durch die Bezirksregierung Münster stehen noch aus.
Bürgermeister Dietrich Aden bewertete die Entscheidung anschließend ausdrücklich positiv. Er dankte dem Rat für die konstruktive und sachliche Diskussion und gratulierte ihm dazu, die Grevener Schullandschaft grundlegend neu geordnet zu haben. Darin sehe er auch einen Vertrauensbeweis gegenüber der Verwaltung, die umfangreiche Zahlen und Entscheidungsgrundlagen vorgelegt habe. Aden hob hervor, dass die politische Mitte in Greven den Mut besitze, solche Entscheidungen zu treffen. Daran könne sich nach seinen Worten auch die große Politik ein Beispiel nehmen.
Bereits zuvor hatte der Rat eine weitere weitreichende Entscheidung für Grevener Familien getroffen. Mit nur einer Enthaltung stimmten die Ratsmitglieder den geplanten Kita-Schließungen zu. Damit können die Kinderland-Kita an der Overmannstraße und die Outlaw-Kita an der Naendorfstraße zum 31. Juli 2027 geschlossen werden. Hinzu kommen Gruppenreduzierungen bei katholischen Einrichtungen. Insgesamt sollen rund 13 Kita-Gruppen wegfallen.
Auch diese Entscheidung war von Elternprotesten begleitet worden. Besonders umstritten ist die Aufgabe der Outlaw-Kita an der Naendorfstraße. Der Träger hatte gegenüber MS Aktuell erklärt, die Einrichtung sei vollständig ausgelastet, wirtschaftlich stabil und verfüge über eine Warteliste. Die Stadt verweist dagegen auf ein Überangebot an Betreuungsplätzen im gesamten Sozialraum und den deutlichen Geburtenrückgang.
Für betroffene Familien beginnt nun die konkrete Suche nach einer neuen Einrichtung. Die Stadt sichert allen Kindern, die wegen einer Schließung wechseln müssen, einen anderen Betreuungsplatz zu. Das zentrale Anmeldeverfahren für das Kindergartenjahr 2027/28 beginnt an diesem Donnerstag, 5. November, und läuft bis zum 15. Dezember.
Mit den beiden Entscheidungen hat der Stadtrat innerhalb einer Sitzung tiefgreifende Veränderungen in der Grevener Schul- und Betreuungslandschaft auf den Weg gebracht. Während die Kita-Schließungen bereits im kommenden Sommer wirksam werden sollen, ist die Neuordnung der Grundschulen für 2029 vorgesehen.
Beide Beschlüsse stehen vor dem Hintergrund sinkender Kinderzahlen und einer angespannten kommunalen Finanzlage. Aden machte nach der Schuldebatte deutlich, dass Greven im dritten Jahr in Folge mit einem Haushaltsdefizit rechnen müsse und künftig stärker Prioritäten setzen müsse.
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