
Münster. Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Fieber gehören für viele Menschen inzwischen wieder zum Herbstalltag. Wie verbreitet die Infektionen tatsächlich sind, zeigen die neuesten Erhebungen des Robert Koch-Instituts (RKI). Demnach kam es zwischen dem 5. und 11. Oktober 2026 bundesweit zu schätzungsweise 5,7 Millionen neuen akuten Atemwegserkrankungen. Das entspricht rund 6.900 Neuerkrankungen je 100.000 Einwohner. Eine Woche zuvor hatte der Wert noch bei 6.600 gelegen. Die Erkältungswelle in NRW macht sich zugleich in den Arztpraxen bemerkbar: Dort liegt die geschätzte Zahl der Arztbesuche wegen Atemwegsinfekten deutlich über dem Bundesdurchschnitt.
Die Entwicklung ist allerdings differenziert zu betrachten. Zwar nehmen die Atemwegserkrankungen seit dem Spätsommer wieder zu, eine außergewöhnlich schwere Infektionswelle lässt sich aus den aktuellen Daten jedoch nicht ableiten. Das RKI stuft die bundesweite Krankheitsaktivität derzeit als moderat ein. Die Werte bewegen sich damit weiterhin in einem Bereich, der für die Jahreszeit üblich ist.
Ein Blick auf die regionalen Zahlen zeigt, dass Nordrhein-Westfalen bei den Arztbesuchen wegen akuter Atemwegsinfektionen über dem bundesweiten Niveau liegt. Nach den jüngsten RKI-Daten wurden für die 41. Kalenderwoche in NRW rund 1.587 Arztkonsultationen je 100.000 Einwohner geschätzt. Bundesweit lag dieser Wert bei 1.332. Damit überschreitet Nordrhein-Westfalen den Durchschnitt um etwa 19 Prozent. Gegenüber der Vorwoche, als für NRW 1.531 Konsultationen ermittelt wurden, entspricht das einem Anstieg um knapp vier Prozent. Die Zahlen stammen aus dem sogenannten ARE-Praxis-Sentinel, für das das RKI Daten aus Haus- und Kinderarztpraxen auswertet.
Besonders häufig benötigen kleine Kinder wegen Atemwegserkrankungen ärztliche Betreuung. Bei den unter Fünfjährigen wurden in NRW rund 3.104 Arztkonsultationen je 100.000 Kinder dieser Altersgruppe geschätzt. Auch bei den 15- bis 34-Jährigen liegt die Konsultationsinzidenz mit 2.243 deutlich über dem Gesamtwert. Diese Unterschiede zeigen, dass die Infekte nicht alle Altersgruppen gleichermaßen treffen beziehungsweise nicht in jedem Alter gleich häufig zu einem Arztbesuch führen. Für die Einschätzung der Krankheitslast ist zudem entscheidend, wie schwer die jeweiligen Erkrankungen verlaufen.
Ein Vergleich mit dem Vorjahr relativiert den aktuellen Anstieg. In der entsprechenden Oktoberwoche 2025 lag die geschätzte Konsultationsinzidenz in Nordrhein-Westfalen bei rund 1.890 je 100.000 Einwohner. Damit liegt das aktuelle Niveau trotz des jüngsten Anstiegs noch ungefähr 16 Prozent unter dem damaligen Wert. Auch bundesweit verzeichnet das RKI zwar zahlreiche Infektionen, aber bislang keine außergewöhnliche Belastung durch schwere Atemwegserkrankungen. In der zweiten Oktoberwoche wurden deutschlandweit schätzungsweise 1,1 Millionen Arztbesuche wegen akuter Atemwegsinfekte registriert. Die Zahl blieb gegenüber der Vorwoche weitgehend stabil.
Hinter den aktuellen Beschwerden steckt offenbar vor allem eine Vielzahl klassischer Erkältungserreger. Das Nationale Referenzzentrum für Influenzaviren untersuchte in der 41. Kalenderwoche insgesamt 94 Proben aus bundesweit 39 Arztpraxen. In 53 Proben wurden Atemwegsviren nachgewiesen. Besonders häufig fanden sich Rhino- und Enteroviren, die in 38 Prozent der untersuchten Proben nachgewiesen wurden. Es folgten Parainfluenzaviren mit einer Positivenrate von zwölf Prozent. Influenzaviren wurden in vier Prozent und das Coronavirus SARS-CoV-2 in zwei Prozent der Proben festgestellt. Diese Anteile beziehen sich ausschließlich auf die untersuchten Proben und lassen sich nicht unmittelbar auf sämtliche Erkrankten in Deutschland übertragen.
Die eigentliche Grippe spielt demnach bislang eine vergleichsweise geringe Rolle. Allerdings registriert das RKI sowohl bei Influenza als auch bei COVID-19 seit mehreren Wochen eine allmählich steigende Aktivität. Die RSV-Aktivität befindet sich dagegen weiterhin auf niedrigem Niveau. Eine weitere wichtige Nachricht betrifft die Krankenhäuser: Die Zahl schwerer akuter Atemwegsinfektionen lag zuletzt ebenfalls auf niedrigem Niveau. Nach der vorläufigen Auswertung ist die entsprechende Krankenhausinzidenz gegenüber der Vorwoche sogar gesunken. Eine außergewöhnliche Belastung der Kliniken durch die aktuellen Atemwegsinfekte ist aus diesen bundesweiten Zahlen nicht erkennbar.
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