Kita-Aus in Greven: Overmannstraße soll schließen – weitere sollen folgen

Die Kita Kinderland Overmannstraße in Greven soll 2027 schließen. Insgesamt werden perspektivisch 15 Kita-Gruppen nicht mehr benötigt. Weitere Standorte könnten folgen.
Symbolbild mit KI erstellt

Teilen:

Greven. Jetzt bekommt der Geburtenrückgang in Greven eine konkrete Adresse. Die Kita Kinderland an der Overmannstraße soll zum 31. Juli 2027 schließen. Darüber haben Bürgermeister Dietrich Aden und der Träger die Eltern in einem gemeinsamen Schreiben informiert, das MS Aktuell vorliegt. Noch steht die Schließung unter dem Vorbehalt der politischen Beschlüsse. Doch schon jetzt ist klar: Die Overmannstraße wird nicht der einzige Standort bleiben. Greven steht vor dem größten Umbau seiner Kita-Landschaft seit Jahren.

In dem Schreiben an die Eltern heißt es, dass ab dem Kita-Jahr 2027/28 mindestens zwölf Kita-Gruppen abgebaut und mehrere Kitas geschlossen werden müssen. Die sechsgruppige Overmannstraße wäre damit ein erheblicher Teil dieses Abbaus. Der Träger gibt aktuell 71 betreute Kinder in sechs Gruppen an. Für Familien, deren Kinder im Sommer 2027 noch nicht eingeschult werden, beginnt damit die Suche nach einer neuen Kita. Die Beschäftigten sollen nach Möglichkeit andere Arbeitsplätze erhalten.

Greven hat nicht plötzlich zu viele Kitas

Überraschend kommt die Entwicklung allerdings nicht. Bereits im Juni hatte der Jugendhilfeausschuss die Kita-Bedarfsplanung 2026 bis 2032 beschlossen. Die Stadt hatte damals gegenüber MS Aktuell bestätigt, dass die Anmeldezahlen hinter dem vorhandenen Platzangebot zurückbleiben. Für 2026/27 konnte jedem angemeldeten Kind ein Platz angeboten werden – anschließend waren noch Kapazitäten frei.

Noch deutlicher war die langfristige Rechnung: Von den insgesamt 100 Kita-Gruppen in Greven werden perspektivisch 15 nicht mehr benötigt. Zwölf davon entfallen nach der Bedarfsplanung auf Greven rechts der Ems, eine auf Greven links der Ems und zwei auf Reckenfeld. Ende September bestätigte die Stadt gegenüber Radio RST nochmals, dass insgesamt 15 Gruppen abgebaut werden sollen und darüber Gespräche mit den Trägern laufen. 

Das neue Schreiben an die Eltern der Overmannstraße nennt nun „mindestens zwölf“ Gruppen ab dem Kita-Jahr 2027/28. Das ist nicht zwingend ein Widerspruch zur längerfristigen Planung mit 15 Gruppen: Denkbar sind unterschiedliche Zeithorizonte oder weitere Planungsschritte. Aus dem Schreiben geht jedoch nicht hervor, wie sich die beiden Zahlen genau zueinander verhalten.

Innerhalb von drei Jahren mehr als 200 Kinder weniger

Hinter diesen Zahlen steckt eine ungewöhnlich schnelle demografische Veränderung. Der Demografiebericht 2026 der Stadt zeigt, wie stark sich die Situation gedreht hat. 2016 wurden in Greven noch 419 Kinder geboren. 2023 waren es nur 320, 2025 lediglich 325. Gleichzeitig ziehen weniger Familien nach Greven als in den Jahren 2012 bis 2018. 

Die Folgen sind inzwischen in den Kitas angekommen. 2022 lebten in Greven noch 2.537 Kinder im Kita-Alter von null bis unter sechs Jahren. 2025 waren es nur noch 2.318. Das sind 219 Kinder weniger innerhalb von drei Jahren. Die Stadt erwartet zunächst einen weiteren Rückgang; erst ab 2028 könnte sich die Entwicklung stabilisieren. Besonders stark soll in den kommenden beiden Jahren die Gruppe der Drei- bis unter Sechsjährigen schrumpfen. 

Die Stadt selbst findet dafür deutliche Worte. Die niedrigen Geburtenjahrgänge hätten „massive Auswirkungen auf die Kitalandschaft“. Zugleich geht sie davon aus, dass niedrige Geburtenzahlen auch in den kommenden Jahren möglich sind. 

Erst wurden die Einschnitte auf alle Kitas verteilt

Bislang hatte Greven versucht, Standortschließungen zu vermeiden. Für das Kita-Jahr 2025/26 vereinbarten die Träger in der Kernstadt eine Art Solidaritätsmodell: Statt einzelne Einrichtungen zu schließen, wurden die Platzzahlen über die Kitas hinweg reduziert. Auch der Demografiebericht hält fest, dass nach diesem „Solidarprinzip“ Plätze in allen Einrichtungen reduziert wurden. 

Doch offenbar reicht diese Lösung nicht mehr aus. Wenn dauerhaft ganze Gruppen nicht benötigt werden, lassen sich die Überkapazitäten nicht unbegrenzt auf alle Einrichtungen verteilen. Genau an diesem Punkt steht Greven jetzt. Aus einem rechnerischen Überangebot wird eine Standortfrage.

Mit der Overmannstraße ist erstmals bekannt, welche konkrete Kita diesen Strukturwandel zu spüren bekommen soll. Kinderland betreibt dort sechs Gruppen. Die anderen Grevener Standorte des Trägers an der Teichstraße, Eschstraße und Wilhelm-Busch-Straße sollen nach dem Schreiben weitergeführt werden.

Besonders stark trifft der Rückgang Greven rechts der Ems

Die Lage der Overmannstraße passt dabei zur bisherigen Bedarfsplanung. Von den 15 perspektivisch nicht mehr benötigten Gruppen liegen zwölf rechts der Ems. Genau dort befindet sich auch die Overmannstraße. Damit konzentriert sich ein großer Teil des Grevener Kita-Überhangs auf diesen Bereich.

Und der Trend endet nicht an der Kita-Tür. Auch die Grundschulen werden ihn wenige Jahre später spüren. Die Stadt rechnet mittelfristig mit deutlich weniger Schulanfängern. Rechts der Ems werden bereits Überkapazitäten von etwa zwei bis drei Grundschulzügen erwartet. Ab dem Schuljahr 2029/30 geht die Schulentwicklungsplanung von dauerhaft nur noch rund 350 Einschulungen jährlich aus; in den kommenden drei Jahren sind es zunächst noch mehr als 400.

Greven steht damit vor einer Entwicklung, die zunächst die Kitas und anschließend die Schulen erreicht: Einrichtungen, die während der Jahre steigender Kinderzahlen dringend gebraucht wurden, treffen nun auf erheblich kleinere Jahrgänge.

Welche Grevener Kitas schließen noch?

Genau hier liegt die entscheidende offene Frage. Denn sechs Gruppen an der Overmannstraße erklären nur einen Teil des angekündigten Abbaus. Wenn mindestens zwölf Gruppen ab 2027/28 verschwinden und mehrere Einrichtungen schließen sollen, müssen weitere Standorte betroffen sein. Welche das sind, ist bislang nicht öffentlich benannt.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch eine kurzfristige Änderung beim Anmeldeverfahren. Eigentlich sollten Eltern ihre Kinder für das Kita-Jahr 2027/28 ab Mitte Oktober anmelden können. Am 1. Oktober teilte die Stadt mit, dass der Start aus „organisatorischen Gründen“ auf den 5. November verschoben wird. Die Frist läuft nun bis zum 15. Dezember. Einen Zusammenhang mit den anstehenden Entscheidungen über Kita-Standorte hat die Stadt bislang nicht genannt.

Für Grevener Eltern beginnt damit eine neue Phase. Jahrelang war die zentrale Frage, ob überhaupt genügend Kita-Plätze vorhanden sind. Jetzt lautet sie zunehmend, welche Einrichtungen dauerhaft bestehen bleiben. Die Overmannstraße ist die erste konkrete Antwort darauf – aber nach allem, was die Stadt selbst über ihre Bedarfsplanung sagt, nicht die letzte.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu