NRW erlebt Windkraft-Rekordjahr – doch der Strom findet keinen Weg ins Netz

NRW überschreitet 2025 erstmals die Gigawatt-Marke beim Windenergie-Ausbau. Doch fehlende Stromnetze gefährden das Tempo.
Quelle. Bezirksregierung Münster

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Nordrhein-Westfalen hat 2025 einen neuen Meilenstein beim Ausbau der Windenergie erreicht. Erstmals wurde im bevölkerungsreichsten Bundesland die Schwelle von einem Gigawatt neu installierter Leistung innerhalb eines Jahres überschritten. Nach vorläufigen Auswertungen des Marktstammdatenregisters kamen landesweit 259 neue Windenergieanlagen mit einer Bruttoleistung von rund 1.346 Megawatt hinzu. Trotz des gleichzeitigen Rückbaus älterer Anlagen verbleibt ein Nettozuwachs von 1.288 Megawatt. Damit liegt NRW sowohl beim Brutto- als auch beim Nettozubau bundesweit an der Spitze, noch vor Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

NRW bundesweit an der Spitze

Gegenüber dem Vorjahr bedeutet der Ausbau ein Plus von nahezu 80 Prozent. Die Zahlen markieren nicht nur einen historischen Höchststand, sondern unterstreichen auch die veränderten Rahmenbedingungen für den Ausbau erneuerbarer Energien im Land. Der Landesverband Erneuerbare Energien NRW sieht darin den Beleg, dass beschleunigte Genehmigungsverfahren und politische Zielvorgaben Wirkung zeigen. Für das laufende Jahr rechnet der Verband mit einem weiteren Zubau von deutlich über 1.500 Megawatt, gestützt auf bereits erteilte Genehmigungen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 6.000 Megawatt.

Genehmigungen schneller, Umsetzung schwieriger

Trotz der positiven Bilanz mehren sich Warnungen, dass das derzeitige Tempo nicht automatisch fortgeschrieben werden kann. Während sich die Realisierungszeiten für neue Windparks in den vergangenen Jahren deutlich verkürzt haben, bleibt der Ausbau der Stromnetze weit hinter dem Bedarf zurück. Branchenvertreter sprechen inzwischen von einem strukturellen Engpass, der den weiteren Ausbau zunehmend ausbremst. Der Zeitraum von der Antragstellung bis zur Inbetriebnahme eines Windparks liegt aktuell bei rund dreieinhalb Jahren, während neue Netzkapazitäten häufig erst nach mehr als einem Jahrzehnt zur Verfügung stehen.

Netzausbau als zentrales Nadelöhr

Besonders deutlich zeigen sich die Probleme in Regionen mit hoher Windenergiedichte. In Ostwestfalen-Lippe gelten Netzengpässe zwischen Paderborn und Nordhessen seit Jahren als bekannt, der Ausbau entsprechender Hochspannungsleitungen ist jedoch erst für das Jahr 2030 vorgesehen. Bereits heute wird dort regelmäßig erneuerbarer Strom abgeregelt, der rechnerisch zehntausende Haushalte versorgen könnte. Die Kosten dieser Eingriffe tragen letztlich die Stromverbraucher.

Milliardeninvestitionen stehen auf dem Spiel

Nach Angaben der Branche sind allein in Ostwestfalen-Lippe in den kommenden 15 Jahren Investitionen von rund 16 Milliarden Euro in erneuerbare Energien geplant, etwa sieben Milliarden Euro davon im Windenergiesektor. Landesweit beziffert der Verband das Investitionsvolumen der bereits genehmigten Windenergieprojekte auf knapp zehn Milliarden Euro. Diese Summen könnten nicht realisiert werden, wenn fehlende Netzanschlüsse den Bau neuer Anlagen verhindern oder verzögern.

Kritik an Signalen aus Berlin

Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch aktuelle Debatten auf Bundesebene. Forderungen, den Ausbau der erneuerbaren Energien stärker am langsamen Netzausbau auszurichten, stoßen in der Branche auf Kritik. Befürchtet wird, dass dadurch der Schwung der vergangenen Jahre verloren geht und wirtschaftliche Effekte der Energiewende abgeschwächt werden. Aus Sicht der Erneuerbaren-Branche ist vielmehr ein beschleunigter Netzausbau erforderlich, um die vorhandenen Genehmigungen tatsächlich in Betrieb zu bringen.

Forderung nach politischem Gegensteuern

Der Landesverband setzt deshalb auf ein entschlosseneres Vorgehen der Landesregierung. Ziel müsse es sein, bestehende Netzkapazitäten besser auszunutzen und den Ausbau neuer Leitungen deutlich zu beschleunigen. Andernfalls drohe NRW, die Erträge seiner bislang erfolgreichen Windenergiepolitik zu verspielen und den Ausbau erneuerbarer Energien spürbar auszubremsen.

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