Spezialkräfte, Hausdurchsuchung: Ermittlungen gegen 16-Jährigen aus Nottuln nach IS-Propaganda

Hausdurchsuchung Nottuln IS-Propaganda
Symbolbild mit KI erstellt

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Nottuln. Ein Freitagabend in Nottuln, kurz vor 21 Uhr: Mehrere Einsatzfahrzeuge stehen vor einem Mehrfamilienhaus, bewaffnete Kräfte sichern den Bereich, Spezialbeamte bereiten den Zugriff vor. Was für Anwohner wie ein größerer Anti-Terror-Einsatz wirkt, richtet sich gegen einen Jugendlichen. Der Beschuldigte ist 16 Jahre alt. Der Vorwurf: Verbreitung von Propaganda der Terrororganisation „Islamischer Staat“ im Internet.

Mehr als zwei Monate nach dem Einsatz hat die Landesregierung Nordrhein-Westfalen nun neue Einzelheiten zum Fall veröffentlicht. Hintergrund ist eine Kleine Anfrage im Landtag, die Einblick in den Stand der Ermittlungen gibt.

Hinweis aus dem Internet löst Polizeieinsatz aus

Ausgangspunkt des Verfahrens war kein konkreter Vorfall im öffentlichen Raum, sondern ein Hinweis aus dem Internet. Nach Angaben der Landesregierung meldete ein Zeuge ein Nutzerkonto, über das Inhalte mit Bezug zum sogenannten IS verbreitet worden sein sollen. Die Ermittler konnten das Konto einem 16-jährigen Jugendlichen aus Nottuln zuordnen.

Auf dieser Grundlage erließ das Amtsgericht Münster einen Durchsuchungsbeschluss. Dieser wurde am Abend des 7. November 2025 vollstreckt. Wegen einer zunächst nicht einschätzbaren Gefährdungslage waren neben der Polizei auch Spezialkräfte in den Einsatz eingebunden. In den beanstandeten Online-Inhalten sollen unter anderem Waffenabbildungen aufgetaucht sein.

Was bei der Durchsuchung gefunden wurde

Bei der Durchsuchung der Wohnung stellten die Einsatzkräfte mehrere Gegenstände sicher. Dazu gehörten ein Messer sowie sogenannte Anscheinswaffen. Dabei handelt es sich um täuschend echt aussehende Waffenattrappen, die zwar ungefährlich sind, aber optisch kaum von echten Waffen zu unterscheiden sind.

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Zentral für die weiteren Ermittlungen ist das Mobiltelefon des Jugendlichen. Es wurde beschlagnahmt und wird derzeit ausgewertet. Dabei prüfen die Behörden, welche Inhalte konkret verbreitet wurden, über welche Plattformen dies geschah und ob es Hinweise auf Kontakte zu weiteren extremistischen Akteuren gibt.

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Der Jugendliche selbst hielt sich während der Durchsuchung nicht in der Wohnung auf. Er wurde jedoch kurz darauf in der Nähe angetroffen und von der Polizei vernommen.

Keine akute Gefährdung – Ermittlungen dauern an

Nach derzeitigem Ermittlungsstand sehen die Sicherheitsbehörden keine akute Gefahr. Der 16-Jährige wurde nach seiner Vernehmung auf freien Fuß gesetzt. Der Fall ist damit jedoch keineswegs abgeschlossen.

Wie aus der Antwort der Landesregierung hervorgeht, führt die Staatsanwaltschaft Münster weiterhin ein Ermittlungsverfahren gegen den Jugendlichen. Der Tatverdacht richtet sich derzeit unter anderem auf einen möglichen Verstoß gegen das Waffengesetz. Die Auswertung der sichergestellten Gegenstände und der digitalen Inhalte ist noch nicht abgeschlossen.

Zudem wurde das Jugendamt eingeschaltet. Es soll das soziale Umfeld des Jugendlichen bewerten und prüfen, ob begleitende oder präventive Maßnahmen erforderlich sind.

Keine Vorstrafen, Unschuldsvermutung gilt

Laut Landesregierung ist der Beschuldigte nicht vorbestraft. Im Jahr 2025 war er lediglich wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz polizeilich in Erscheinung getreten.

Die Behörden betonen ausdrücklich, dass es sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren handelt. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung durch ein Gericht gilt die Unschuldsvermutung. Der Jugendliche besitzt die russische Staatsangehörigkeit. Weitere persönliche Angaben wurden nicht gemacht.

Einordnung: Extremismus im digitalen Raum

In der Landtagsantwort wird der Fall auch in einen größeren Kontext eingeordnet. Eine konkrete Zahl von IS-Sympathisanten lasse sich nicht belastbar beziffern, da der Begriff nicht eindeutig definiert sei. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes werden dem gewaltorientierten salafistischen Spektrum im Land insgesamt rund 600 Personen zugerechnet.

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